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3.3. Weihnachten im Salzburg des Marcus Sitticus. „Seitemal IHFG das neugeborne Christkindlein mit trifachen Geschank verehrt und begabt.“ (Werner Rainer)

3.3.1. Kurztext

3.3.1.1. Chroniken – Momentaufnahmen im Wandlungsprozess der Festkultur

Die Weihnachtszeit umfasst auch die auf das christliche Fest bezogene, durch christliche Inhalte bestimmte Vor- (Advent, Nikolaus) und Nachfeier (Neujahr, Dreikönige). Dabei waren Bedeutung und Gewohnheiten vielfachen Wandlungen durch die Zeiten unterworfen.

Vorchristliche Bräuche der alten Feier(n) um diese Zeit (Umzüge, Festessen, Orakel, Geschenke) wurden von der Kirche in der nachtridentinischen Rekatholisierung (noch einmal) ganz gezielt von der in den gebildeten Schichten verbreiteten Zuwendung und Entdeckung der Antike abgesetzt, neu interpretiert und in den christlichen Festgehalt integriert.

Die Chronik des Johannes Stainhauser für die Regierungsjahre von Fürsterzbischof Marcus Sitticus (1612–1619) stellt eine lokale Momentaufnahme dar in diesem Wandlungsprozess, dem Feste nun einmal unterworfen sind.

3.3.1.2. Volksfrömmigkeit unter Marcus Sitticus

Seine eiligen Bemühungen in der Nachfolge des unglücklichen Wolf Dietrich (1559–1617, Regierungszeit 1587–1612), die harte Gefangenhaltung des um 15 Jahre älteren Verwandten auf der Festung, haben das Bild der siebenjährigen Regentschaft von Fürsterzbischof Marcus Sitticus (geb. 1574, 1612–1619) – faktisch bis heute – verschattet. Die Außenpolitik führte er im Grunde auf der Basis der bisher geübten Neutralität weiter, die Bautätigkeit seines Vorgängers trieb er zielstrebig voran, und Marcus Sitticus wird auch zum eigentlichen Begründer der Universität.

Energisch mahnt der Hohenemser die Einheitlichkeit des Glaubens nach dem Territorialprinzip ein. Seine Frömmigkeit war die der Gegenreformation und des frühen Absolutismus. Die nachtridentinische Missionstätigkeit inszeniert er als romanische Volksfrömmigkeit, zugleich kanalisiert er die bestehenden Bräuche und überkommenen Gewohnheiten in religiöse Festkultur. Diese ist gemeinsames europäisches Erbe, denn sie reicht herüber aus der Renaissance und dient zugleich frühbarocker Selbstdarstellung.

Fast 200 Jahre wird dieser Festkalender gültig sein, die den Glauben stützende Volksfrömmigkeit in Salzburg praktiziert. Die Verbote, die von Marcus Sitticus ausgingen, standen immer unter einer sittlich-moralischen Prämisse, ansonsten sollte sich der Glaube des „gemeinen Mannes“ an Bildern festmachen, mit kräftigen „Repräsentationen“ angesprochen werden.

3.3.1.3. Das Religionsverständnis von Hieronymus Colloredo

Das Religionsverständnis von Hieronymus Colloredo (1772–1803, gest. 1812), dem letzten regierenden Fürsterzbischof von Salzburg, ist das des aufgeklärten Bürgertums, ein von der Vernunft getragener analytischer Glaube, der das Althergebrachte in möglichst kurzer Frist gereinigt von allem Aberglauben sehen wollte. Während der Regentschaft von Marcus Sitticus war die Zahl der Feiertage vermehrt worden. Mancher Handwerksmeister mag heimlich sein Missfallen ausgedrückt haben ob dieser Vielzahl von kirchlichen Feiern, zu denen im Jahreskreis noch die Eigenfeste der Bruderschaften, die Kirchweihen, Patrozinien, Feste der Schutzheiligen, Prozessionen und andere mehr hinzutraten.

Bald nach seinem Regierungsantritt veranlasste Hieronymus Colloredo eine Verminderung der Feiertage (1773): Dieses „Reduzieren“ bedeutete nicht nur eine Verletzung der tiefverwurzelten religiösen Gefühle, sondern auch einen schweren Einschnitt in das soziale Gefüge. Manches dieser aufgehobenen Feste hat bis heute in den sogenannten Bauernfeiertagen überlebt.

Schon vor dem berühmten Hirtenbrief vom 1. September 1782 wurden den Fronleichnamsprozessionen Beschränkungen auferlegt. Die nun laufend publizierten Verbote betrafen die Bruderschaften, die mehrtägigen Wallfahrten (hiervon waren vor allem die uralte Pinzgauer und die Altöttinger Wallfahrten betroffen), weiters die Aufstellung von Krippen und das „Grabtheater“ zu Ostern. Das Brunnenspringen, das Lärmbrauchtum bei Prozessionen (Kanonenschüsse, Gewehrsalven), die Spende der Vitallaibel (bei St. Peter) hatte schon Marcus Sitticus untersagt – anscheinend vergeblich, denn auch hier sprach Colloredo neuerlich Verbote aus.

3.3.2. Langtext

3.3.2.1. Advent

Die Weihnachtszeit umfasst auch die auf das christliche Fest bezogene, durch christliche Inhalte bestimmte Vor- (Advent, Nikolaus) und Nachfeier (Neujahr, Dreikönige). Dabei waren Bedeutung und Gewohnheiten vielfachen Wandlungen durch die Zeiten unterworfen. Vorchristliche Bräuche der alten Feier(n) um diese Zeit (Umzüge, Festessen, Orakel, Geschenke) wurden von der Kirche in der nachtridentinischen Rekatholisierung (noch einmal) ganz gezielt von der in den gebildeten Schichten verbreiteten Zuwendung und Entdeckung der Antike abgesetzt, neu interpretiert und in den christlichen Festgehalt integriert. Die Chronik des Johannes Stainhauser für die Regierungsjahre von Fürsterzbischof Marcus Sitticus (1612–1619) stellt eine lokale Momentaufnahme dar in diesem Wandlungsprozess, dem Feste nun einmal unterworfen sind. Der Advent wird, wie gesagt, in der katholischen Kirche als Vorbereitung auf das Weihnachtsfest gesehen. Er beginnt mit dem ersten Sonntag nach dem 26. November, dauert bis Weihnachten und umfasst vier Sonntage.

Auf den ersten Sonntag des Advents 1613 begann der Kapuzinerpater Sylverius Meusburger aus Egg im Bregenzerwald, seit Lichtmess zum Hofprediger bestellt, in der Franziskanerkirche mit seinen eingängigen und aufrüttelnden Adventpredigten. Marcus Sitticus, der sich als „des Vaterlands Vater und obersten Hirten“ sah, musste „sonnenklärlichst, mit inbrünstigste Begier, das ewige Heil und Seligkeit seiner untergebnen Schäflein“ am Herzen liegen. Der Chronist fährt fort: „Seitemalen [weil] Ihr hochfürstlich Gnaden höchstverständiglich erwogen, daß nichts Heilsamers, Kräftigers, und zu der Menschen ewigen Heil Fürträglichers ist als das, was heilige, gottselige, fromme, andächtige und auferbauliche Predigt in die Herzen einzupflanzen versteht: sonderlich wann das fürgetragne Wort mit lehrreichem Leben übereinkommt. Solche Worte gewinnen solche unglaubliche Kraft und Wirkung in der andächtigen Zuhörer Herzen, daß dieselbigen nicht allein von dem lasterhaftem Weg des etwo gefaßten Irrtums und sündhaftem ärgerlichem Leben abstehen, sondern auch, nach gänzlicher Verleugnung aller ketzerischen Opinionen, sich dem wahrem orthodoxischem katholischem Glauben eigens ergeben.“

Nachdem der Salzburger Dom am 11. Dezember 1598 „in die Aschen“ und in den Folgejahren „zu Boden gelegt“, waren die Gottesdienste in die Stadtpfarrkirche (d. i. die Franziskanerkirche), die sonn- und feiertäglichen Morgenpredigten nach St. Peter verlegt worden. Damit sich nun „hinfüran deswegen niemands zu entschuldigen habe, sei es die Geistlichkeit, die Clerisei und andere, so den thuembstiftlichen Gottesdiensten beizuwohnen verbunden,“ ordnete Fürsterzbischof Marcus Sitticus zu Beginn des Jahres 1613 an, dass alle „sonntäg= und feiertäglichen Morgens= als Nachmittagpredigten“ in der Pfarrkirche sollten gehalten werden. IHFG wohnten in ihrer gewöhnlichen Session (Stuhl) im Chor herunten, „samt Dero Herrn, Adel und andern Hofgesind“, diesen regelmäßig bei; das Amt hernach gestaltete die hochfürstliche „Musica und Trommetterei“. Vor allem die ab 1615 gehäuft aus Italien geholten Sänger verschafften den fürstlichen Opernaufführungen wie den kirchlichen „Solennitäten“ einen prachtvollen Rahmen, den die acht im Hofdienst stehenden Trompeter und die beiden Pauker, manchmal in zwei und mehr „Chöre“ geteilt, d. h. an verschiedenen Plätzen – nach italienischer Musizierpraxis – aufgestellt, noch zu überhöhen wussten.

Pater Sylverius hatte deswegen das Predigtamt übertragen bekommen, da er bereits „anderer Orten großes Lob erworben und vielfältig geistlichen Nutzen geschaffen“. Obwohl seine Predigten, in denen er die Anwesenden „inbrünstig vermahnte und inflammierte“, jeweils eine halbe Stunde und länger dauerten, hatte der Chronist zu vermerken, „daß sich ein solcher Concurs [Zulauf], und schier unglaublicher des Volks Zulauf befand, daß die Franziskanerkirche schwerlich die Auditores [Zuhörer] fassen konnte.“ Dieses Erstaunen ist mehr als eine Floskel gegenüber seinem fürstlichen Brotgeber, welcher der Adressat der jährlich von Stainhauser erstellten Chronik war. Die alltäglichen Adventpredigten erfolgten morgens um sechs Uhr, nachdem der Pater zuvor bereits auf dem Unser Lieben Frauen-Altar in der Pfarrkirche die Messe gelesen hatte.

Schon bei dem Messopfer, das auf dem Liebfrauen- oder Frühmessaltar, dem alten Michael Pacher-Altar, noch vor den Adventpredigten zelebriert worden war, fand sich der Fürst ein. Für die bald 400 besoldeten „Adlspersonen bei Hof“ und Bediensteten war der Besuch der Predigten und Gottesdienste, wenn der geistliche Fürst erschien, verpflichtend, ausgenommen für jene, die in der Zwischenzeit für den Fortgang der täglich notwendigen Verrichtungen in der fe. Hofhaltung verantwortlich waren. Der Besuch der Roratemessen oder „goldenen Ämter“, die in aller Früh beginnen, gilt von alters her, wegen der damit verbundenen Mühe, als besonders verdienstvoll.

Sogleich nach seiner Bestätigung im Amt durch Papst und Kaiser setzte Fürsterzbischof Marcus Sitticus zu einer entschiedenen, ja unnachgiebigen Rekatholisierung im Erzstift an. In der Residenzstadt vertraute er vorrangig auf die Wortgewalt der 1596 von seinem Vorgänger im Amt, Wolf Dietrich, nach Salzburg geholten Kapuziner, einem Zweig der Franziskaner, denen der Ruf besonderer Strenge vorauseilte. Auch zeigte der neue Landesherr in seinem ersten Regierungsjahr, dass er entschlossen war, auf die Einhaltung der Feiertage zu achten, sowie „etlich andere Festtag, so von der eifrigen Kirchen zu Salzburg je und allweg zu feiern verordnet und geboten, bei etlichen Jahren aber hero, aus weiß nit waserlei bedenklichen Ursachen abgekommen waren, nach uralt, löblichem Gebrauch wiederum feierlich begehen zu lassen“ – nicht zur Freude der Handwerksmeister, da es nun allzuoft galt, „das schwarze Werktagskleid ab- und den roten feiertäglichen Rock anlegen zu müssen.“

Pater Sylverius nahm, wie der Chronist Stainhauser ausführlich beschreibt, in diesem seinem ersten Jahr zu seinem „Adventsthema“ den Mantel Unserer Lieben Frauen, nämlich den Namen Maria, an welchem Mantel fünf Falten, d. s. die fünf Buchstaben dieses Namens. Dieser Mantel sei über und über geziert mit fünfzig Edelsteinen, das sind so viele Gnadentitel, wie sie alle aus der Heiligen Schrift genommen werden können. Diese wurden vom Prediger alle Tage in der Morgenpredigt den ganzen Advent hindurch, „schön und stattlich“ ausgelegt. Dann tat er durch Erzählung wundertätiger Exempel dar, welche Wohltaten Maria ihren andächtigen Verehrern von ihrem allerliebsten Kind Jesu Christo erwerbe. Die Samstage des Advents hielt Pater Sylverius auch nach der Vesper und Komplet eine Predigt von Unser Lieben Frauen, worin er ebenso ein „anmutiges und lehrreiches Exempel von der glorwürdigen Gottesgebärerin auf die Bahn brachte.“ Nach einem solchen Sermon (Predigt) musizierte regelmäßig die Hofmusik eine Letanei von Unser Lieben Frauen (Lauretanische Litanei).

Die Predigten als intensive Vorbereitung auf Weihnachten blieben nicht allein auf die Franziskanerkirche im Zentrum der Stadt beschränkt, die Salzburger Bevölkerung hatte zur gleichen Zeit Gelegenheit, den Pater Rektor des hochfürstlichen Gymnasiums, hier um acht Uhr vormittags, wie auch einen Franziskanerpater auf dem Nonnberg, „nachmittag“ um zwölf Uhr, die vier Adventsonntage predigen zu hören, neben den andern sonst gewöhnlichen Sonn- und Feiertags-Predigten; zudem ließ Marquardus von Freiberg, Domherr, Senior, Custos und Anwalt des Erzstifts, der „schwarzen“ Allerchristgläubigen-Seelen-Bruderschaft Präfekt, in dem S. Nicolai Kirchlein den ganzen Advent hindurch jeden Sonntag und täglich in der Michaels-Kirche das Rorateamt, morgens gleich nach fünf Uhr, als gesungenes Amt auf eigene Kosten halten.

Den ersten Adventsonntag wurde überdies in dem Gotteshaus zu Mülln von der Bruderschaft der schwarz ledernen Gürtel Mariæ Gottes Gebärerin und der heiligsten Mutter Monicæ, nach geendeter Vesper, das Hauptfest mit Generalprozession gehalten. Dazu erschienen die Brüder und Schwestern in ihren weißen „Säcken“ (Kutten), das Angesicht bedeckt von „Gugeln“ (Kapuzen). Gerade diese Fraternität (Bruderschaft) legte besonderen Wert auf eine prunkvolle Ausstattung ihrer Prozessionen. Reichlich Geld war da ausgegeben worden für das silberne Vortrage-Kruzifix, die prachtvolle Fahne mit dem Bild „Unserer Lieben Frauen“ auf der einen und der heiligen Monika auf der anderen Seite, die Windlichter und Pechpfannen, die Laternen mit farbigem Glas und die Stäbe mit teils vergoldeten Endknöpfen („Rundeln“). Die „Säcke“ waren aus guter Leinwand, die breiten Gürtel darüber aus Rindsleder; die Standespersonen trugen außerdem gerne Mäntel aus feinem Leder (Korduan).

3.3.2.2. Nikolaus

Viel Brauch und Glaube hat sich an einzelne Tag der Adventzeit geknüpft. Überliefert aus der Zeit ist die Begehung des 6. Dezember und die im katholischen Bereich obligate Kinderbescherung. Die Verehrung des heiligen Nikolaus von Myra ist in Salzburg schon allein bezeugt durch die Weihe einer Kirche, der St. Nikolauskirche in der Kaigasse 20, die 1603 Wolf Dietrich hatte abbrechen und neu erbauen lassen. Seine Volkstümlichkeit verdankte der Heilige der Legende von der nächtlichen Beschenkung dreier verarmter Töchter eines Edelmannes. Einkehr und Gabenspende waren in die Kinderwelt des Adels wie des gemeinen Volkes eingegangen. Das Aufstellen von besonderen Behältern vor die Türe, auf die Fensterbank oder vor das Bett am Vorabend seines Festes war in Salzburg genauso Kinderglaube wie in Vorarlberg. Allerdings erwarteten Kinder der Höhergestellten anstelle von Früchten, wie Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Nüssen, wertvollere Geschenke.

Nach seinem Besuch (1616) beim inzwischen zum Reichsfürsten avancierten Bruder Marx Sittich hatte Graf Kaspar von Hohenems an mancherlei kostspieligen neuen Gewohnheiten des Salzburger Hofes etwas auszusetzen. Vor allem aber beschwerte er sich über die Außerachtlassung des St. Nikolausbrauches in Salzburg: „Meine armen Kinder haben dem uralten, allgemeinen Brauch nach an St. Nikolausabend dem hl. Niklasen silberne Schüsselin aufstellen lassen.“ Sie hätten vermeint, St. Ruprecht, d. h. der Salzburger Fürsterzbischof sollte sich zu St. Nikolaus gesellen und es möchte besser abgehen als etwa zu Hohenems oder anderswo. Aber weit gefehlt: sie hätten weder St. Niklasen noch St. Ruprechten ersehen noch genießen mögen. Bei dem ärmsten Pfarrer hätten sie aufs wenigste Äpfel und Birnen bekommen, wenn er auch sonst nichts vermochte. Die Kinder meinten, sie würden ihr Lebtag an diesen St. Niklasen (ihres fürstlichen Onkels) denken.

Übersehen hat dabei Graf Kaspar die Neigung des geistlichen Bruders, die Verehrung der Heiligen, wie sein Chronist berichtet, der „heidnischen“, d. h. der überlieferten Gebräuche zu entkleiden, um sie in „christkatholische“ Bahnen zu lenken. Marcus Sitticus mag diesen althergebrachten Brauch übergangen haben, ansonsten zeigte er sich, der im Unterschied zu seinem Vorgänger kinderlos war und blieb, der hohenemsischen Verwandtschaft, vor allem gegenüber seinem nach Salzburg geholten, lebenslustigen und leichtsinnigen Neffen, dem ältesten Sohn von Graf Kaspar von Hohenems, überaus splendid. Exemplarisch aufgezählt seien hier das mehrfach gesteigerte Gehalt für den „Obrist Hofmarschalch“, dessen Unterbringung im sogenannte Neugebäude (gegenüber der Residenz), die Erbauung von Emslieb (in der Hellbrunner Allee), die konsequente Verfolgung und großzügige Finanzierung von Heiratsprojekten für Hannibal und in diesem Zusammenhang die Finanzierung von Werbung und Hochzeit in Teschen.

3.3.2.3. Weihnachtsabend, Christtag in den Stadtklöstern

Gemeinsames, reichliches Essen und Trinken gehörte und gehört bekanntlich zum Bestand aller Feste. Da waren und sind die Klöster nicht ausgenommen. In den Salzburger Klöstern, sofern sie über Eigenmittel und -leute verfügten, gab es schon in der Adventzeit für den Konvent viermal in der Woche Eier im Schmalz mit Brot, wobei zwei Eier pro Person berechnet wurden. Bei den Franziskanern und Augustinern sprang, um den weihnachtlichen Speiseplan aufzubessern, der Hof ein, der auch den Eremiten in Hellbrunn zu versorgen hatte. Sie bezogen im Advent vom Hofkastenamt Weizen und Hafer, Erbsen und Bohnen, Gerste und „geneuten Brein“ (enthülste, d. h. gestampfte Hirse) sowie zusammen 760 Pfund Schmalz.

An den sogenannten doppelten Feiertagen, wie Allerheiligen, Weihnachten, Beschneidung und Erscheinung Christi, erhielt das Gesinde immer fünf Gerichte und jede Person einen Becher Wein bzw. 5 Viertel Bier (ca. 7,5 l) auf einen Tisch. Bereits zwei Wochen vor Weihnachten wurde ausreichend Weizen in die Mühlen gegeben für die Semmeln, die zu Weihnachten gebacken werden sollten, damit das Mehl sich etliche Tage abliege. Am Weihnachtsabend und die folgenden Tage, d. h. bis zum Stephanitag und 27. Dezember (Johannes Evangelista) servierte man dem Konvent mittags und abends Semmeln, ebenso dem Hofgesinde. Auch Gäste und Hausleute erhielten am Weihnachtsabend und die folgenden Tage mittags und abends Semmeln zur Mahlzeit. Der Konvent bekam sie auch am Tag der Beschneidung Jesu und zu Dreikönig mittags und abends, das Gesinde nur zum Mittagessen.

Am Vorabend des Weihnachtsabends sollte der Küchenmeister für Konvent und Gesinde für zwei Mahlzeiten Sulzfische vorbereiten lassen, nämlich für den Weihnachtsabend und den nächsten Tag. Um auch Personen außer Haus mit solchem Fischgericht zu beehren, sollte der Küchenmeister sich mit genügend Fischen versehen lassen. Solche Zustellungen ins Haus von höhergestellten Personen bestanden aus einer Schüssel mit drei bis vier Stück Fisch und einem Maß Wein. Am Weihnachtsabend erhielten zudem alle Handwerker, die im Kloster arbeiteten, das Opfergeld und eine Reinanke. Die Bediensteten wurden am Weihnachtsabend mit fünf Gerichten verköstigt, nämlich Suppe, Kraut, Fisch (jeder eine Reinanke), Mus (Pfannensterz) und Gerste (gedünstete Stampfgerste), dazu erhielt jeder einen Becher Wein, desgleichen auch am Weihnachtstag selbst.

Bereits zu Sankt Nikolaus sollte der Küchenmeister die Fischer anweisen, die Weihnachtsfische (Reinanken) früh morgens am Weihnachtsabend oder ein oder zwei Tage vorher zu bringen. Zum Sulzen sollten zudem genug Hechte zur Verfügung stehen. Auch sollten für Weihnachten soviele Schweine geschlachtet werden, damit man ausreichend mit Würsten, Eisbein und Rippeln für die Feiertage versehen sei. Am Tag des Evangelisten Johannes brachte der Küchenmeister die Gerichte zwischen den Messen zur Segnung, „nach Vorschrift der Liebe des Johannes“, ein Bediensteter zudem den für die Brüder und das Gesinde zu segnenden Wein. Zum Fest der Beschneidung Jesu bekamen die Drescher aus der Klosterküche eine „Abwindsuppe“, nämlich Rippeln und Bratwurst auf einer Suppe, Kraut und einen Saukopf samt den Kinnbacken, dazu 5 Viertel Bier.

3.3.2.4. Weihnachten (Christabend, Christfest)

Drei Messen gilt es zum Weihnachtsfest zu feiern: die Mitternachtsmette („in nocte“), die zweite Messe bei Morgengrauen („in aurora“) und die dritte „in die nativitatis Domini“ als eigentliche Festmesse.

Der Fürst und sein Hofstaat feierten am Christabend die „Metten“ in der Franziskanerkirche: IHFG kam aus seinen Räumen in der Residenz herunter in die Pfarrkirche, in Begleitung des ganzen Gesindes, nach deren Eintreffen spielte die Hofmusica samt der Trommetten das Te Deum laudamus. Eine große Anzahl andächtiger Besucher war bereits in der Kirche versammelt. Die nachfolgende „allerfröhlichste Christi Nativität“ celebrierte der Fürst selbst, „da es solennissimum Pallij Festum, mit Fürgehung der löblichsten gebräuchlichen Ceremonien“. Bei diesem Hochamt speiste der Erzbischof „viel beiderlei Geschlechts Personen, hohen und niederen Stands“, mit dem „Brot der Engel“. Darbei ließ sich die hochfürstliche Musica und Trommetterei wiederum „triumphierlich hören“. Der Andrang der Salzburger zu dem hohen Rang dieses Festes entsprach bald den Erwartungen des Landesherrn. Insgesamt sollen es jeweils einige hundert Personen gewesen sein, die in diesen Weihnachtsfeiertagen die Kommunion aus den Händen des Fürsten empfangen haben.

Der Mette 1616 konnte der Fürst wegen der großen Kälte, die ihm bald darauf eine Alteration (fiebrige Erkrankung) eintrug, nicht mehr beiwohnen. Der Hofprediger hielt diesen Abend vor der Vesper eine Predigt „von der genadenreichen Geburt des zartesten Christkindleins Jesu“. Dazwischen musizierte die Hofmusica zu gelegnem, ihnen angedeutetem Intervallo (Pause), zu „freudenreichem Triumph und Jubel solcher der ganzen Christenheit heilsamen Geburt“, das Weihnachtlied.

In einem anderen Jahr hielt der Hofprediger am Christtag, nach Mittag um zwei Uhr, eine Predigt von der genadenreichen Geburt Christj: Und als er zu der Auslegung des englischen Lobgesangs Gloria in excelsis Deo gekommen, war eine überaus liebliche Musica auf der Orgel zu hören, als ob die Engel in den Lüften singen und musizieren würden. Inzwischen ruhte der Prediger, als ob er entrückt, hernach setzte er die Predigt fort und brachte sie zu einem Ende.

Am Christabend kam die Aufforderung, zur Christmette zu gehen, altem Gebrauch nach, von den großen Stuck (Geschützen) auf dem „hochfürstlichen Hauptschloß“, der Veste Hohensalzburg, von wo aus kräftig geschossen wurde. Hernach erst ging IHFG samt Dero Herrn, Adel und Hofgesind in die Kirchen zur Mette hinab. Die „Neue Feuer= und Auflaufordnung“ von 1619 enthielt allerdings, dass in Zukunft, da „das Raketen Werfen, Abschießen der Büchsen und Rohre, großer und kleiner, in der Stadt bei Tag und Nacht gefährlich, und den Leuten schröcklich, alles Raketen Werfen und Schießen, es sei beim Wasser oder anderer Orten der Stadt, bei hoch= und niedern Stands Personen, auch selbst Unserer eignen Guardien (Leibwachen), außer bei Notzeit, sonderlich aber den Mißbrauch, so in der hl. Weihnacht Metten, dazumaln man dem andächtigem Gebet billicher auswarten solle, als mit abergläubigen unnützen Schießen fürgehen zu lassen, bei Vermeidung Unserer Ungnad und schwerer Straf verboten und abgestellt“ sei.

Auch bei St. Peter feierte man das gesungne Hochamt mit stattlicher Musica. Ab 1617 übernahm hier Pater Sylvanus Herzog, novi Gymnasij Rector, das Predigtamt, der sich selbstverständlich zum Thema seiner ersten Weihnachtspredigt das neugeborne „Christkindlein Jesu“ aussuchte.

Auf die Weihnachtszeit 1617 erlangten vier Patres Professores des neueröffneten Gymnasij auf höchsten Befehl vom Consistorio die Licentiam (Erlaubnis), Beichte zu hören; dies hatte man auch wohl vonnöten, wie der Chronist meint, wegen der überaus großen Anzahl an Beichtwilligen, die „der österlichen Zeit zu vergleichbar gewesen“, nicht allein in der Pfarrkirche (Franziskanerkirche), der damaligen Domkirche, sondern auch bei den Benediktinern in St. Peter, den Kapuzinern, und den Augustinern zu Mülln, und sogar in den kleineren Kirchen und Gottshäusern. Bei der Stadtbevölkerung haben sowohl die Rekatholisierung wie die bedrohlichen Zeiten solchen religiösen Eifer hervorgerufen.

Der auf einer vom fürstlichen Onkel in Salzburg finanzierten Bildungsreise durch Italien weilende Hannibal von Hohenems und seine Reisebegleitung erlebten am Heiligen Abend in Genua eine merkwürdige öffentliche Zeremonie: Der ganz in Rot gekleidete Doge warf in Gegenwart seiner 24 Senatoren im Hofe des Dogenpalastes eine Hand voll Konfetti in ein Feuer und goss in einer Karaffe roten Wein hinein. Ein Prokurator wünschte dem Dogen im Namen der Republik gute Feiertage. Deren Inaugurierung durch Kanonenschüsse und Gewehrfeuer dürfte den Salzburgern da schon vertrauter gewesen sein.

Am Christtag (25. Dezember) selbst hielt der Erzbischof morgens nach sechs Uhr die zwei Messen in seinem Oratorio nacheinander und hernach um acht Uhr „sang er das Hochamt“: Wiederum gaben die „hochfürstliche Hofmusica und Trommetterei samt der Hörpauggen“ den festlichen Rahmen ab.

Weihnachten war seit 1616 für die Corporis Christi Confraternität (der „roten“ Christi Fronleichnams Bruderschaft, so genannt wegen ihrer roten Prozessionskutten) ein besonderes, solennisches Fest, an dem die Mitglieder zu beichten und communiciern, um des hierüber erteilten Ablasses empfänglich zu werden, innerhalb ihrer Statuten schuldig waren. Daher erschienen zu den durch den Patrem Sylverium nacheinander gelesenen drei Messen viele Brüder und Schwestern in der Bruederschaft Kapelle (in der Kaigasse).

Das Salzburger Bruderschaftswesen war nach 1613 durch Marcus Sitticus, der selbst Mitglied der „roten“ und der „weißen“ Bruderschaft wurde, faktisch neubegründet worden. Der Erzbischof hatte auch hier die Anregung sicherlich von seinem Aufenthalt in Italien (Rom, Mailand, Bologna) mitgebracht. Die Fraternitäten pflegten von Anfang an, neben der traditionellen lateinischen Kirchenmusik (von Choralisten oder „Revenallern“ und „Korporalknaben“ ausgeführt), deutsche geistliche Lieder. Den dafür eingesetzten „teitschen ordinari Singern in der Kirchen“ stand selbstverständlich zum Neuen Jahr, dafür dass sie am heiligen Weihnachtstag und zu Neujahr in der Bruderschaftskapellen „unter dem Gottesdienst etlich Mal schön gesungen“, ein Trinkgeld zu.

Am Weihnachtstag 1618 trat, zum Erstaunen der Anwesenden, Marcus Sitticus, der besser Italienisch als Deutsch konnte, auf die Kanzel und hielt „ein Sermon, dessen Thema er genommen aus dem Evangelio des Evangelisten Lucæ: Annuncio vobis gaudium magnum, welches Thema IHFG mit geliebter Kürze erkläret hat.“ Es war lange her, dass ein Erzbischof den Salzburgern gepredigt hatte. Es sollte freilich nicht die letzte Ansprache dieses geistlichen Fürsten sein: Knapp ein Monat später wandte sich der Fürst, angesichts der böhmischen Ereignisse, wiederum an seine „liebsten Salzburger“ mit der vielbeachteten „Erinnerung von gegenwärtig gefährlichen Stande“, die auch im Druck erschien.

An die Weihnachtsansprache des Fürsten schloss am 26. Dezember die Predigt des Pater Remigius an, zu gewöhnlicher Vormittagsstund, der sich auf das Evangelium von dem glorwürdigen Heiligen Stephano bezog und darüber hinaus von dem Frieden handelte, den die „himmlischen Geister“ (Engel) den Hirten in ihrem Englischen Lobgesang verkündiget: nämlich Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibus bonæ voluntatis [Lk 2,14], „welchen Frieden wir mit Gott, unsern Nächsten und uns selbsten heilsamlich halten, und wesgestalt wir solchen anstellen sollen.“ Im Mittelpunkt der Betrachtung stand der Wunsch nach Frieden: ein naheliegender Wunsch angesichts der Ereignisse.

Zu Eingang des Monats Dezember hatte zudem ein „Cometstern mit einem langen Schwanz an dem Himmel“ den Salzburgern kommendes Unheil angekündigt. Die Himmelserscheinung war nicht nur hier allein, sondern auch anderer Orte, als zu Wien, Augsburg, Venedig etc. gesehen worden. Da über diesen Kometen bereits im Druck „calculierte astronomische Discurse“ herausgekommen waren, wollte der Chronist dieser Ursache wegen über ihn keine weiteren Überlegungen anstellen, meinte aber anmerken zu müssen, dass die Bedeutung und künftige Wirkung dieses Sterns allein dem allwissenden Gott bekannt sei und wünscht, dieser wolle allen gnädig und barmherzig sein, auch die für die Sünden wohlverdienten Strafen abwenden.

3.3.2.4.1. Besuch der Stadtklöster

Die Weihnachtsfeiertage, genauer die Feiertage zwischen 26. und 28. Dezember, bedeuteten für den Salzburger Erzbischof immer auch, einen dichten Besuchsreigen absolvieren zu müssen: Am Festtag des „Erzmarterers“ Stephanj (26. Dezember) – Stephan starb als erster Märtyrer der Christenheit und wird deshalb Erzmärtyrer genannt – stattete der Fürst regelmäßig dem Kloster St. Peter einen offiziellen Besuch ab, um in dem Chor die Messe zu halten und dabei „die Religiosen und die meisten der Officiere (Beamten) und Diener des Klosters, eigner Hand, mit dem „zarten Christi Fronleichnam“ zu speisen“ (d. h. ihnen die Eucharistie zu spenden).

Am Fest des heiligen Apostels und Evangelisten Joannis (27. Dezember) oder am 28. Dezember, an der Heiligen unschuldigen Kindlein Tag, setzte sich IHFG zur Aufgabe, das Unser Lieben Frauen Gotteshaus zu Mülln zu visitieren. Dazu benutzte IHFG regelmäßig, in Begleitung von Adel und Hofgesind, acht vom Hofstall bereitzustellende Kutschen. Bereits 1599 hatte Wolf Dietrich „den Hochen Weg hinaus gen Mülln zwischen den zweien Toren vor dem Klausentor, welches ein unflätiger enger Weg gewesen, daß nit wohl ein Wagen für den andern gemocht hatte, schön eben herrichten, was hinderlich gewesen, hinwegtun und solchen Weg allen zu einer weiten Straße, daß man geraum mit Gehen, Reiten und Fahren wohl füreinander kommen kann, richten, auch solchen Weg allenthalben pflastern lassen“. Hier in Mülln feierte der Erzbischof mit den Patres das Messopfer und versah und „stärkte sie mit der göttlichen Himmelspeis“.

3.3.2.4.2. Weihnachtsspiel

Unter der Regentschaft des Erzbischofs durfte es auch am Weihnachtstag nicht ohne theatralische Veranstaltung am Hofe abgehen. Das wussten die Mitglieder des Hofstaates sich zunutze zu machen, durch eine Darstellung der Geburtsszene in einem der fürstlichen Räume. Die übliche (Szenen-)Abfolge eines Weihnachtsspiels war die folgende: Engelsverkündigung, Hirtenprozession und Anbetung des Kindes in der Krippe.

Der Chronist schreibt: Am Weihnachtstag 1618, „zu Abends um acht Uhr, wurde zu Hof durch Ihrer hochfürstlich Gnaden teils Kammerdiener, teils Musicos, privatamente [d. h. ohne die ansonsten geladene Zuhörerschaft aus Adel und Bürgerschaft] in Deroselben und etlicher Herrn und Hofgesinds Gegenwürtigkeit das schöne Spiel Von der genadenreichen Geburt des Christkindleins Jesu repräsentiert.“ In diesem Pastoral in musica traten auf: etliche Hirten, die Mutter Gottes Maria mit ihrem in der Krippen liegenden Jesulein und dem alten Joseph, „in einem artlich formierten Stall und schöner Perspectiva.“ In einer Wolke erschien ein Engel, der den Hirten die große Freude des neugebornen Christkindleins verkündete. Dieser samt andern Engeln musicierte zum Abschluss einen herrlichen Lobgesang. Das abschließende Urteil lautete: „Ist überaus schön und andächtig zu sehen gewesen.“

3.3.2.4.3. Krippendarstellungen

Die figürliche Darstellung der Geburtsszene importierte Marcus Sitticus – wie anderes auch – aus Italien; sie war für Salzburg eine Novität und blieb vorerst dem kirchlichen Raum vorbehalten. 1617 sind auf die Weihnachtfeiertage, wiederum, „zu Erweckung mehrer Devotion und Andacht des Volks, sonderlich des gemeinen einfältigen Manns und der Jugend, schöne Repræsentationes und herzbewegliche schöne Fürstellungen der genadenreichen Geburt Christi des Herrn, nämlich des neugebornen Christkindleins, im Kripplein liegend, bei den Kapuzinern und den Augustinern zu Mülln geschehen, und ganz zierlich aufgerichtet und exhibiert worden.“ Die Augustiner waren als dritter Bettelorden 1605 von Wolf Dietrich nach Salzburg geholt worden. Wie den Franziskanern und Kapuzinern galt auch den Augustiner-Eremiten die Seelsorge als ihre wichtigste Aufgabe.

Diese „zur Devotion bewegende Fürstellungen“ wurden dann auf das hohe Fest des Neuen Jahrs etwas verändert, und die Beschneidung des zarten Jesulein, „artlich und wohl accommodiert [angepasst] fürgestellet: wie ebenmäßig auf das hernachgefolgte Fest Epiphaniæ, die Ankunft der morgenländischen Herrn, nämlich der Heiligen Drei Könige samt ihren Leuten, durch Wegleitung [Führung] des erschienen Sterns gen Bethlehem Judæ, und wie sie dem zarten Jesu, als neugebornem König der Juden, vor ihm auf ihre Knie niederfallend, und ihn als wahren Gott anbetend, ihre königlichen Geschenke, Gold, Weihrauch und Myrrhen verehrt und geopfert haben.“

1618 waren die aufgestellten Krippen noch „schöner und stattlicher“. Und wieder galt die Bewunderung der Krippe bei den Franziskanern, die sie in deren Oratorio eingerichtet hatten, auf dessen Altar „diese heilige Zeit ein großes, künstlich geschnitten, mit Farben und Gold stattlich geziertes Marienbild samt zwei Verkündigungsengeln stand, das durch eine andächtige kunstreiche Person verehrt worden“ war. Es beteiligten sich dieses Jahr die Augustiner in Mülln, dazu die Kapuziner und das Kirchlein Sanctorum Antonij et Hieronymi bei den Siechen oder Aussätzigen. Auch die Professoren des neu errichteten Gymnasiums wollten nicht beiseite stehen und stellten eine Krippe im Sacellum auf.

Die Verehrung des Christkindes durch die Nonnen auf dem Nonnberg, ihr Spiel mit dem Jesukind zur Weihnacht, geschah traditionsgemäß in der Verborgenheit der Klausur, nicht in der öffentlichen Darstellung: ein Brauch, der sich durch die Jahrhunderte in den Frauenklöstern hielt. Auf dem Choraltar lag schon während der Mette auf weißem Polster gebettet ein wächsernes Kindlein mit silbernem Schleier zugedeckt. Hernach stieg die Äbtissin von ihrem Stuhl, ging zum Altar, legte da Stab und Krone nieder und nahm mit ehrfürchtigem Kuss das Kindlein, drückte es an die Brust und trug es ins Kapitel. Die Nonnen folgten singend und musizierend in den Kapitelsaal. Hier knieten vor der Säule, fast lebensgroß, die Figuren von Maria und Josef, daneben waren weidende Schafe auf grünem Rasen zwischen Blumen aufgestellt und in der Mitte stand eine goldene Wiege, in deren seidene Kissen die Äbtissin das Kindlein legte und zu wiegen begann. Dann reichte sie das Wiegenband der ihr im Range am nächsten kommenden Mitschwester weiter, bis auch die jüngste unter ihnen den Bräutigam, unter Freudentränen, hatte wiegen dürfen. Dazu spielten einige der Herumstehenden Schlummerlieder, darunter sicher auch das sogenannte Kindlwiegen. Gesungen und musiziert wurden bei diesem „Kindlwiegen“ Wiegenlieder, z. B. „Josef, lieber Josef mein“.

Die Melodie mit dem lateinischen Text „Resonet in laudibus“ bzw. dem populären deutschen „Josef, lieber Josef mein“ findet sich auch unter dem Titel „Weihnachtslied“ und „Wiegenlied“ und war im Salzburgischen überaus beliebt, teils verbreitet in „zersungenen“ Fassungen. Dieses, eines der frühesten Weihnachtslieder in deutscher Sprache, verfasst von einem als „Mönch von Salzburg“ bezeichneten Lyriker der Zeit um 1380, gilt als musikalische Umrahmung dieser Andacht zum Jesukind. Die Nonnen sahen sich zugleich als Braut, Mutter und Schwester des Herrn Jesu Christi. Diesen Brauch der Frauenklöster hat ein lutherischer Prediger 1608 als „Götzen- und Narrenwerk“ bezeichnet.

Das Kindlwiegen war so populär, dass es auch die Szene für einen Fastnachtsumzug abgeben konnte, ohne befürchten zu müssen, die religiösen Gefühle des geistlichen Landesherrn zu verletzen: Die Darstellung des Kindes in der Krippe, samt dem berühmten Lied des Mönchs von Salzburg als Motiv aufzugreifen, dargestellt von Hofbediensteten, hatte sicher die Billigung von Marcus Sitticus, der dieses närrische Treiben von den Fenstern der Residenz aus regelmäßig verfolgte, wenn er nicht gar die Programme solcher „ehrlichen Kurzweilen und Freudenfesten, als allerlei schöner und lustiger Mascharatten, Aufzüge und dergleichen zulässige Zeitverkürzungen“ mitgestaltet hat.

Im Fastnachtsumzug des Jahres 1618 erschien jedenfalls als „dritte Invention“ das Hofkelleramt „mit einem Halbschlitten, der von vier Pferden gezogen wurde. Darauf war eine Kohlenkraxen gestellt, und da lag auch ein gefäschtes großes Kind, mit grünem Tuch bedeckt und hatte einen Bogen über dem kleinen Köpfel. Neben ihm standen zwo alte Unholden, die eine oben beim Kopf, die andere saß bei seinen Füßen. Bei sich hatten sie eine sehr große Pfanne mit Koch oder Mus, sambt einem kleinem Schepperl und Kindsdutten, ungefähr 14 Viertel beinhaltend. Da es nun Zeit und das Kind nicht mehr schweigen wollte, wurde ihm, der Gebühr nach, das Koch oder Mus, wie auch das Trinken mitgeteilt.“ Die Musik bestand aus einem Schallmeier und einem Sackpfeifer, die das Kindlwiegen pfiffen.

3.3.2.5. Silvester und Neujahrstag

Den letzten Sonntag und Tag des durch den heiligen Papst Syluestrum beschlossenen Jahrs vergaß Pater Sylverius nicht, seine Zuhörer zu ermahnen, dass sie Gott Dank sagen sollten, „daß uns sein göttliche Majestät, das ganze Jahr hinum an Leib und Seel genädigist erhalten und vor so tausendfältigen Übel und Unglücksfällen bewahret.“ Am Oktavtag von Weihnachten wurde die Beschneidung des Herrn (circumcisio Domini) gefeiert. Die am Neujahrstag geübten Zeremonien und Bräuche können nicht getrennt werden von denen seines Vortags, der nach dem 335 verstorbenen Papst Silvester benannt ist.

Mit dem „trifachen Opfer“ an den Weihnachtsfeiertagen, d. h. den drei Hochämtern, aber hatte dieser Erzbischof nicht Genüge: In Vigilia hatte „Unser Herr und Landesfürst“ nachmittags um drei Uhr die Vesper celebriert, wo die Hofmusica mit „abgewechsleten Chören“[217] musiziert, wie dann zu dem Magnificat sich auch die Hoftrommetter dazugesellt. Am Neujahrstag selbst, einem „besonders hoch= und fürtrefflichen, der heiligen Salzburgerischen Kirchen Pallij Festum“, holten den Fürsten der Bischof von Chiemsee, der Domdechant und andere anwesende Domherrn, dann Joachim Buchauer, der Abt des Klosters S. Petri, in seinem Zimmer ab und geleiteten ihn in die Pfarrkirche hinab, voraus ging ein Kanoniker, der das gewöhnlich vorgetragene silberne und vergoldete Pontifical-Kreuz trug. Nach geendetem Officio solenni kehrte der Fürst in gleicher Begleitung in seine Räume zurück. Die Hofmusik war diesmal in vier Chöre aufgeteilt worden und gestaltete, zusammen mit den „darein blasenden Trommettern“, das Hochamt „überaus künstlich und lieblich“. Während des Hochamtes hatte der Fürst mehr als zweihundert Personen, hohen und niederen Standes, das „hochheiligste Engelbrot in eigener Person ausgeteilt, ihnen also das allerköstlichste, beste und würdigste Neue Jahr, so im Himmel und auf Erden befunden werden kann, zu ihrer Seelen ewigem Heil verehrt.“

3.3.2.5.1. Rechtfertigung des Jahresbeginns am 1. Jänner

Der Jahresbeginn und die damit verbundenen Gebräuche waren christlich zu rechtfertigen, da ja die Kalendae Januariae die große Festzeit im alten Rom gewesen waren. Darum bemühte sich der Chronist Stainhauser in jeder seiner, an den Landesherrn gerichteten Jahreseinleitung – mit stereotypen Argumenten (gleichen Inhalts): „Mit was Freudenfesten die unglaubigen Heiden, sonderlich aber die so berühmten Romaner ihre Jahr angefangen, und was für sonderliche Festa sie deswegen celebriert und begangen, findet man hin und wieder bei den Scribenten. Wir Christen aber, die wir, aus höchsten Gottes Gnaden, das wahre Licht des alleinseligmachenden Glaubens empfangen, fragen nichts nach der ungläubigen Heiden abgöttischen Feste und Gottesdienste, deren sie zu Eingang des Jahres begangen: sondern wir haben unsere besonderen, herrlichen und überaus gnadenreichen, durch unser heilige Mutter, der christkatholischen, apostolisch römischen, allein seligmachenden Kirche, aus Eingebung Gottes Heiligen Geists aufgesetzten und uns hochfeierlich zu begehen anbefohlenen Feste und Feiertäg.“

3.3.2.5.2. Schmückung mit grünen Zweigen

Die Stainhauser-Chronik erwähnt auch das Schmücken mit Grün an diesem Festtag: War es auch verboten worden, nach heidnischem Brauch am Tag Kalendarum Januarij mit einem Lorbeer oder anderen grünenden Baumästen die Häuser zu zieren, so scheinen diese „durch die christkatholische Kirchen allerlöblichst abgestellten und verdammten abgöttischen und heidnischen Mißbräuche“ unausrottbar gewesen zu sein. Die Verwendung von Zweigen, von Wintergrün, zum Schmücken des Hauses und der Wohnräume gehört zum Bestand der Feste. Ihr alter Ursprung, im Heidnischen, musste die Kirche zu Gegenmaßnahmen, d. h. zu Verboten veranlassen.

Im alten Rom schenkte man sich zu Neujahr Segenszweige, strenae, deren Bezeichnung später auf alle Arten von Neujahrsgeschenken überging, worauf der Chronist Stainhauser ausdrücklich zu sprechen kommt. Die christliche Aus- und Umdeutung im Sinne dieses bildungsbewussten, an der antiken Überlieferung geschulten Chronisten erscheint oft reichlich umständlich, zugeschnitten auf den im Erzstift verfolgten gegenreformatorischen Eifer seines Dienstherrn.

3.3.2.5.3. Neujahrswünschungen, Geschenke an Kinder und Gesinde

Neujahr war der eigentliche Gabentag. Dieser Tag hatte eine gute Vorbedeutung für das kommende Jahr, mit pädagogischem Anstrich, neben der Glück- und Segenswünschung. Im Vordergrund standen die Geschenke an die Hausgenossen. „Kalendergaben“, im Sinne der römischen Kalendergeschenke, waren auch im Mittelalter an den deutschen Fürstenhöfen sehr verbreitet gewesen und vor allem von Höhergestellten an die Gefolgsleute vergeben worden, immer unter dem Begriff „Neujahr“.

Stainhauser begründet den alten Brauch so: „Solche Neuen Jahrs Wünschungen auch desto besser und löblicher zu bestäten, haben zu Erhaltung des uralt ruhmbwürdigen Brauchs und christlicher Gewohnheit die große Herrn, ja Hausväter und Eltern, ihren wohlverdienten Dienern, Kindern und Ehehalten ein Präsent, Geschank oder Neues Jahr (wie es gemeinglich pflegt genannt zu werden,) verehrt und geschenkt, hierdurch ihre nit allein das vorige Jahr erzeigte treu gewächtig fleißige Dienst, Mühe und Arbeit zu remuneriern [vergüten] und mit Dank anzuerkennen: sondern sie auch zu gleichmäßigen, und noch mehrern Fleiß und treue Dienstbarkeit das hernach kommende Jahr zu stimuliern und antreiben: der Ursachen sich dann die Diener, Kinder und Gesind hierauf gleichsam das ganze lange Jahr hinum von Herzen freuen, auch ihren Herrn und Eltern desto willig= gehorsam, fleißig= und getreuer sein.“

3.3.2.5.4. Almosen an die Armen

Üblich war, dass vermögende Bürger im Testament bestimmten, den Armen, nämlich jenen in den vier Armenhäusern des Bürgerspitals, Bruderhauses, Kapitelspitals und des Siechenhauses, 30 Kreuzer auszuteilen mit der Ermahnung, für den Erblasser zu beten, da das Gebet der Armen „nit wenig fruchtet, kraft der Heiligen Schrift gleichsam die Wolken durchdringt“. Gleichermaßen sollte den Armen, die vor den Kirchen sitzen und „Zeichen haben“, drei Kreuzer auf die Hand gegeben werden. Und auch die sogenannten hausarmen Leute, „die sich des Bettlen schamen“, der milden Gaben jedoch ebenso „hochnotdürftig“ waren, sollten bedacht werden.

Die Armen und Bettler waren bereits auf Weihnachten hin beschenkt worden. Am vierten Adventsonntag, um 2 Uhr am Nachmittag, hielt der Kapuzinerpater und Hofprediger auch in dem Bürgerspital, „dahin auch die Armen aus dem Bruderhaus S. Sebastian gehen mögen, und andere Arme, so vor der Kirchen sitzen und das heilige Almusen annehmen, gekommen sind, ein schöne Predigt, darinnen er die Armen ihrer schuldigen Gebühr nach ermahnte, nämlich wie sie sich in ihrer Armut verhalten und dieselbe willigist tragen, sich auch darinnen erfreuen und trösten sollten.“

Angemerkt sei, dass laut Kammer-Raitung des Stadtkämmerers „dem Herrn Kaspar Hann, Bürgermeister,“ die nicht gerade überwältigend hohen „Unkosten über die armen Personen“ von fl 23 ß 3 d 6, die der Herr im Zeitraum vom 21. Jänner bis 23. Dezember ausgegeben, jeweils aus der Stadtkasse ersetzt wurden.

3.3.2.5.5. Neujahrswünschung des Hofes, fürstliche Geschenke

Eleonore Philippine von Hohenems schickte am Stephanstag über ihren Sohn Hannibal an den fe. Schwager einige „Gläsle“ Latwerge als Neujahrspräsent und trug auf, sie dem Erzbischof in einem Handbecken (kleine Schüssel zum Händewaschen bei den Mahlzeiten) zu überreichen, und ihrem Ältesten ein Kreuzle mit Heiltum (Reliquie) zu einem Guten Jahr und zu einem Denkzeichen mit der Bitte, es um den Hals zu tragen, „damit er öfters gesegnet sei.“ Das Gesundheitwünschen war – angesichts der frühen Sterblichkeit – mehr als nur der Austausch von Höflichkeitsformeln. Eleonore von Hohenems ermahnte einmal ihren leichtsinnigen Sohn: „Bedenke: heute gesund, morgen tot!“

Latwerge war eine Arznei in Breiform, sie wurde, wie bei Grimm steht, mehr in welschen als in deutschen Apotheken bereitet. Ihre Wirkung war, dass sie, meist Knoblauch mit Honig vermischt, „aus allen Orten und Enden“ des Körpers die Krankheit austreibt, vor allem sei sie „trefflich gut zu dem langwierigen Husten“. Die Südtirolerin Eleonore Philippine von Welsburg-Primör wusste wahrscheinlich, dass ihr Schwager die um diese Zeit in Salzburg herrschende Winterkälte wenig vertrug und schon manchmal sich während dieser hohen Feiertage im Bischofsamt vertreten lassen musste. Im Übrigen konnte man – dann später zur Fastenzeit – Latwerge auch als Beigabe zu Fisch verwenden.

Außerdem schickte die Mutter des Tunichtgut in Salzburg, um den fürstlichen Onkel zu versöhnen, „ein silbernes Körble und ein Taffet [Taft] von des heiligen Karls Bildnus und Wunderzeichen [Wundertaten] daran“, welches man ihr erst vor Kurzem von Mailand geschickt habe. Sie meinte: „Wann es nicht zu schlecht [schlicht, einfach] wär, künntest es Ihr hochfürstlich Gnaden von meinetwegen zu dem Haupttuch und Nachthauben überantworten [überreichen].“

Zugleich bat sie ihren Sohn, die Gaben dem empfindsamen hohen Herrn allein zu übergeben, da sie fürchte, man lache sie aus. Sie wusste jedoch ganz genau, wie sehr dem Hohenemser Grafengeschlecht, und da vor allem Marcus Sitticus, die Pflege des Andenkens des jüngst (1610) heilig gesprochenen Mailänder Erzbischofs Carlo Borromeo (de’ Medici), einem Halbbruder der Mutter, eine Herzensangelegenheit war. Der Fürst erhob den Gedenktag des Heiligen zum Salzburger Feiertag (4. November) und widmete ihm eine Kapelle in der Franziskanerkirche, die in der Zeit zwischen Brand und Wiedererrichtung des Doms als Pfarrkirche diente.

IHFG revanchierte sich bei der Schwägerin dieser vielfältigen Aufmerksamkeit entsprechend mit einem „stattlichen Neuen Jahr“. Auch zur Jahreswende 1618 zeigte sich Marcus Sitticus gegenüber seinem Neffen überaus großzügig: Dessen frisch angetraute Gemahlin Anna Sidonia verehrte er zum guten Neuen Jahr einen in Silber eingefassten Schreibtisch, Hannibal ein auf 300 Taler geschätztes Pferd und ein Kleinod.

Im nächsten Dezember bedankte sich die Mutter für ein schönes Buch und die Neujahrswünsche des Sohnes und schickt ihm als Gegengabe ein Paar Handschuhe für den Winter. Die Schwestern werden diesmal ebenso bedacht, sie hätten ansonsten „ein schlechtes Gutjahr einzunehmen gehabt, wenn das aus Salzburg nicht eingetroffen wäre“. Und schließt mit dem Wunsch: „Gott geb uns allen weiter sein Gnad!“ Graf Kaspar bedankte sich im Januar 1613 für die Neujahrsglückwünsche seines Sohnes und brachte ihm dabei die Beachtung des vierten Gebotes in Erinnerung.

Am 31. Dezember 1617, nach der Vesper, begaben sich, wie der Chronist Stainhauser ausführlich beschreibt, die hochfürstlichen Edelknaben in „Ihr gräflich Gnaden, dem Herrn Obersten Hofmarschalch Jakob Hannibal von Hohenems, Palatium,“ den sogenannten Neubau gegenüber der fe. Residenz, um demselben samt seiner Frau Anna Sidonia, einer geborenen Herzogin von Teschen, ein glückseliges freudenreiches Neues Jahr zu wünschen. Angetan waren sie mit Kleidern aus weißer Leinwand, die schön mit allerlei Blumen bemalt war. Alle trugen sie auf ihren Häuptern schöne versilberte und vergoldete Morioni (Sturmhauben), auf denen hohe weiße Federbüsche steckten. In der linken Hand führten sie Rapiere, in der rechten Dolche, wie zum Fechtkampf gerichtet. Vor den sechs Edelknaben her ging Cupido, in der einen Hand Pfeil und Bogen haltend, an der Seite hing der Köcher voller Pfeile, in der andern, der rechten Hand, hatte er eine goldene Kette, an der die Edelknaben, sozusagen als seine Ritter und Diener, angekettet waren.

Zu Beginn trug Cupido in deutschen Versen die Ursache ihrer Ankunft vor und warum er sie also gefangen und an Ketten gebunden halte: dass sie nämlich seiner höchsten Gewalt, dem Feuer und den Strahlen sich freventlich widersetzt und somit seine Gottheit verachtet hätten. Weil sie, die Ritter, aber gebeten hatten, dass sie möchten samt ihren Waffen der jüngst aus Teschen angekommenen herzoglichen Prinzessin vorgestellt werden, in der Hoffnung, Cupido werde durch deren Autorität, vortreffliche Schönheit und vollkommene Tugenden bewegt werden und vermittels ihrer Fürsprache ihnen die Freiheit wieder geben. Und nachdem die Ritter freigelassen, nahmen sie, auf Befehl Cupidos, die Waffen in ihre Fäuste und führten zu Ehren der Fürstin einen schönen, kunstvollen Tanz vor.

Nach vollendetem Tanz und Wettstreit sagte einer aus den Rittern in deutschen Versen erstlich dem Gott Cupidini, nach gebetener Verzeihung des wider ihn verübten Verbrechens, für die ihnen erteilte Freiheit höchsten Dank und versicherte dem Gott zugleich für die Zukunft demütigst ihre Dienstbarkeit, nachmals auch Gleiches der Prinzessin, weil Cupido, ihrethalben bewegt, die Ritter auf freien Fuß gestellt habe: Schließlich erwünschten sie alle von dem Allmächtigen Deroselben samt Ihrer gräflich Gnaden, ihren herzgeliebten Gemahl, ein glückseliges, gesundes und mit aller zeitlichen, sowohl ewigen Wohlfahrt erfülltes Jahr. Erwartungsgemäß wurden die Edelknaben für ihre Darstellung und der Tanzmeister für Vortrag und Einstudierung vom gräflichen Paar wohl bedacht.

Einstudiert hatte die Aufführung ihr Tanzmeister Santino Ventura. Im Besoldungsregister des Hofes wird der aus Venedig stammende Ventura namenlos, abschätzig als „Danzerle“ geführt und erhält auch ein weit unter dem der Sänger und Musiker der Hofkapelle liegendes Gehalt von monatlich 10 Gulden. Ein Jahrzehnt später wird es Santino Ventura zum Tanzmeister des kaiserlichen Hofes in Wien gebracht haben.

Diese Vorführung war sozusagen die Generalprobe. Denn: Anderntags zu Abend nach dem Essen um halb acht Uhr haben die Knaben diesen Tanz auch in IHFG Zimmer, auf Deroselben Befehl, vorgeführt. Die Begeisterung für Theater und Spiel veranlasste Marcus Sitticus zur Einrichtung einer Hofbühne in der Residenz. Hier in diesem Theater, das am 27. Jänner 1614 eröffnet werden konnte, fanden die ersten Opernaufführungen außerhalb Italiens statt. Jedoch: Nicht alle waren gleich angetan von dieser neuen Unterhaltung, vor allem der sparsam veranlagte Bruder aus Hohenems, Graf Kaspar, zeigte sich wenig beeindruckt von der Italianità am Salzburger Hof, wie ein Schreiben vom 8. Dezember 1616, unmittelbar nach seiner Abreise aus Salzburg, bezeugt: „Viele reden übel“, meint er da, „von dem großen Geld, so ungespart welschen Musikanten, Komödianten und dergleichen Leuten angehängt wird, und wann sie nit selbst kommen, sogar beschickt werden, und daß eine fürstliche Person wider ihre Reputation selbst große Zeit mit Präparierung solcher Komödien unter diesem Gesindel zubringe.“

Die Anschauung „wie Neujahr so das ganze Jahr“ ist weitverbreitet. Von Bedeutung ist die erste Begegnung am Neujahrstag: Ein Knabe bringt Glück. Daher standen bewusst die Edelknaben an der Spitze des Gratulationscours der Hofbediensteten. Auf Stärke, Gesundheit und Schönheit wird besonderer Wert gelegt. Denn: Das Glückwünschen ist nicht nur ein Akt der Höflichkeit. Dem Glückwunsch entspricht das Geschenk als gutes Omen, das hier in christlich begründeter Einkleidung weiterhin Gültigkeit hat. Die Edelknaben erschienen am Abend des ersten Tages im Jahre 1618 wie die Hirten, mit Pelzen von Lämmern bekleidet. Sie überreichten IHFG, unter Rezitierung etlicher Verse in italienischer Sprache, allerlei Blumen, wie Lilien und Rosen. Ihre Musik bestand aus einem Harfenisten und einem Violinisten, die überaus lieblich auf ihren Instrumenten spielten, nämlich anfangs eine schöne Intrada. Hernach machten sie einen neuen Tanz, den die Knaben erst jüngst erlernt und zur großen Zufriedenheit IHFG herrlich getanzt haben.

Hierauf kam der Auftritt der Italiener: „sie zogen auf mit zwei Tiorben, darauf sie wohl gespielt.“ Insgesamt waren deren zwei Compagnien. Die einen rezitierten einen welschen Dialog, der einem halben Theaterstück glich, und war auf IHFG Lob gerichtet. Die andern brachten einen Dialogo in musica mit Begleitung einer Tiorba. Beide wurden von IHFG beschenkt. Die hochfürstlichen Kammerdiener und Leibbarbierer, sieben an der Zahl, hatten zu ihrer Musica drei Lauten. Hier trat zuerst ein türkischer Bassa auf, artig (kunstvoll) bekleidet mit einem Turban, dazu Pusigan (Streitkolben) und Säbel. Ihm folgten nach sechs Schiavi (Sklaven) oder gefangne Christen, „zween und zween“, in blau und gelben Röcken – den hohenemsischen Hausfarben – bekleidet, und hatten gleichfarbene Häublen auf. Die Christen präsentierte der Bassa im Namen seines Kaisers, der nun mit den Christen Frieden geschlossen, IHFG als einem der vornehmsten Reichsfürsten.

Die Bedrohung Mitteleuropas durch die Osmanen war sicher noch allen im Gedächtnis. Was lag näher, als einen Stoff zu wählen, in dem noch dazu die Größe des Landesherrn überhöht werden konnte. Erinnert sei daran, dass 1578 Bauern im Lungau zur Besetzung der Gebirgspässe gegen einen befürchteten Einfall türkischer Streifscharen aus Kärnten aufgeboten worden waren. Unmittelbar erfahren hatten die türkischen Kriege die salzburgischen Besitzungen in der Untersteiermark. Die sogenannte Türkensteuer, außerordentliche Geldmittel wegen der Türkengefahr, war von der Landtafel 1592 nur sehr widerwillig akzeptiert worden. Die Bedrohung Mitteleuropas durch die Osmanen, der große Türkenkrieg 1592 bis 1606, der von den Habsburgern mit wechselndem Erfolg geführt wurde, hatte zwar den Osmanen den Nimbus der Unbezwingbarkeit genommen, die Bedrohung bestand aber weiterhin.

Doch folgen wir der Schilderung des Chronisten weiter: „Darauf sagten die Sklaven, jeder insonderheit, Gott dem allmächtigen, der Erledigung [Freilassung] halber, höchsten Dank“, zugleich erzählten sie das in der Sklaverei ausgestandene große Elend: letztlich untergaben sie sich gehorsamst Ihrer hochf. Dienstbarkeit (traten sie in den Dienst IHFG) und wünschten Derselben, neben aller glückseligster Wohlfahrt, langwierige Gesundheit, eine löbliche und friedliche Regierung, samt einem freudenreichen Neuem Jahr: Auch diese haben ein gutes Neues Jahr darvon getragen.

Auf diese kamen die andern Hofdiener und die Mundköche, bestehend aus dem Fürschneider, auch Scalco tituliert, den Meister- und Pastetenköchen, alle als Soldaten verkleidet, samt einem Tross. Der Steinmetz Peter Lenz, der Hofgärtler Michael Spandl und der Kammerportier Hans Willibald Guetrater, der wie ein welscher Doctor aus der Commedia dell’arte kostümiert war, rezitierten italienische Verse, welche alle und jeder IHFG ein glückseliges Neues Jahr in deutschen Reimen gewünscht haben, zugleich ihren Beruf und ihr Handwerk belobten: und nach empfangnen Neuen Jahr, welche Geschenke allerdings ungleich ausgefallen, untertänigsten Dank gesagt haben.

Wie nun alle anwesend und begabt worden waren, haben IHFG unter sie alle, ehe sie sich verabschiedeten, an die zwei Dutzend Taler ausgeworfen, darum ein „freundliches“ Gebalge entstand. „Schließlich haben sie auf IHFG Gesundheit etlichmal ein fröhliches Viva, Viva, Viva geschrien und sind darauf in Fröhlichkeit abgezogen.“ War das Münzen-unter-das-Volk-Werfen zwar altrömischer Brauch, den auch die Päpste fortgeführt haben, so dürfte dieses „freundliche“ Gestreite seiner älteren und jüngeren, hoch- und niederrangigen Hofbediensteten um die herum(f)liegenden Münzen den Landesherrn überaus amüsiert haben, der an Veranstaltungen und Festen zu allen Zeiten großen Gefallen fand.

3.3.2.5.6. Fürstliche Unterhaltungen

Öffentliche Belustigungen wurden, trotz der Distanzierung zu den „heidnischen“, sprich: römischen Gebräuchen und Festlichkeiten, in den Tagen des Jahresausklangs nicht als unpassend empfunden, zudem dann, wenn es galt, einen adeligen Gast zu beeindrucken.

An den Abenden des 27. und 28. Dezember des Jahres 1616 fuhr Graf Jakob Hannibal von Hohenems, oberster Salzburger Marschalch, mit seiner jung angetrauten Gemahlin im „stattlichst gezierten“ Schlitten in der Stadt umher. Ihm angeschlossen hatten sich die Kammer= und andere Hofherrn, die in den „auf das Beste ausstaffierten“ Schlitten das „adeliche Frauenzimmer“ bei sich sitzen hatten. Hernach kehrte man zum Tanz in eines der Gasthäuser ein.

Den letzten Dezember und Jahrstag 1618, zu Abends um halb fünf Uhr, „nach geendeter, durch IHFG selbst in pontificalibus solennissime gesungener Vesper,“ langte Ihre Durchleuchtigkeit Herzog Wilhelm von Teschen und Großglogau, von Innsbruck kommend, in Salzburg ein. Graf Jakob Hannibal zog seinem Schwager entgegen, in Begleitung etlicher Hofherrn, der hochfürstlichen Stallpartei und einer Truppe von Archibugierreitern oder Carabinern aus der hochfürstlichen Leibgarde, insgesamt waren dies über sechzig Reit- und Kutschenpferde. Einfugiert (einquartiert) wurde der junge Herzog zu Hof. Den anderten Januar, nach Mittag um zwei Uhr, wurde Ihren fürstlich Gnaden zu Ehren vor dem Neubau ein Ringelrennen gehalten. Ihr fürstlich Gnaden selbst, Jakob Hannibal von Hohenems und alle Kammer- und Hofherrn fanden sich ein und nahmen am Wettbewerb teil. Graf Hannibal gewann das erste und Herr Stadler, Ihrer gräflichen Gnaden Fürschneider, das anderte Pretium (Preis). Auch der junge Herzog von Teschen war „zierlich und wohl gerannt, doch er hat das Glück nit gehabt, ein Prämium [Preis] zu erlangen.“ Hernachfolgenden dritten Januar fuhren Ihr fürstlichen Gnaden und Graf Jakob Hannibal, zusammen mit etlichen Kammer- und Hofherrn, im Schlitten in der Stadt umher. Den achten hernach reiste der junge Herzog um die Mittagszeit von hier nach München weiter.

3.3.2.6. Der Oberstag

Am 6. Jänner feiert die Kirche seit alters her die Erscheinung des Herrn (Epiphania Domini) und die Huldigung der Magier. Der 6. Jänner ist der Zwölfte nach dem Christfest und gilt als Abschluss der weihnachtlichen Festzeit. Er heißt daher im Salzburgischen der Oberstag, d. h. er ist der oberste (= letzte) Tag. Am Dreikönigstag war in Salzburg Bischofsamt, mit abends zuvor gesungener Vesper. Auch an diesem Tag hatte die hochfürstliche Hofmusica die kirchliche Feier „mit lieblichen Concerten“ zu gestalten.

Verwendete Literatur

[Gockerell 1998] Gockerell, Nina: Il Bambino Gesù. Italienische Jesuskindfiguren aus drei Jahrhunderten, Sammlung Hiky Mayr. Katalog zur Ausstellung im Palais Harrach Wien, 25. November 1998 bis 31. Jänner 1999. Adaption einer Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums 1997/98. 2. Aufl. Wien 1998.

[Dopsch/Spatzenegger 1988] Dopsch, Heinz; Spatzenegger, Hans (Hg.): Geschichte Salzburgs. Stadt und Land. Bd. II/1: Neuzeit bis zum Ende des geistlichen Fürstentums (1803). 2. Aufl. Salzburg 1988.

[GrimmJ/GrimmW 1971] Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Deutsches Wörterbuch. 33 Bde. Nachdr. der Erstausg. Leipzig 1854–Berlin 1954. München 1971–1984 (dtv 5945).

[Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 1987] Bächtold-Stäubli, Hanns (Hg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bde. Unveränderter photomechanischer Nachdr. Berlin [u. a.] 1987.

[Klieber 1999] Klieber, Rupert: Bruderschaften und Liebesbünde nach Trient. Ihr Totendienst, Zuspruch und Stellenwert im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben am Beispiel Salzburg 1600–1950. Frankfurt am Main [u. a,] 1999 (Schriftenreihe des „Erzbischof-Rohracher-Studienfonds“ 4).

[Nauwerck 1998] Nauwerck, Arnold (Hg.): Speisen wie die Äbte und essen wie die Mönche. Ein Mondseer Kochbuch aus dem 15. Jahrhundert und andere Zeugnisse der Küchenkultur des Klosters Mondsee in älteren Zeiten. Neumarkt am Wallersee 1998.

[Rainer 2012] Rainer, Werner: Marcus Sitticus. Die Regierung des Fürsterzbischofs nach der Chronik von Johannes Stainhauser. Salzburg 2012 (Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Ergänzungsbd. 29).

[Schmeller 1985] Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch. Sonderausg. Nachdr. der 2. Ausg. München 1872–1877. München [u. a.] 1985–1996.

[Schmidt 1962] Schmidt, Leopold: Das deutsche Volksschauspiel. Ein Handbuch. Berlin 1962.

Weber-Kellermann, Ingeborg: Das Weihnachtsfest. Eine Kultur- und Sozialgeschichte der Weihnachtszeit. Luzern [u. a.] 1978.

[Welti 1963] Welti, Ludwig: Graf Kaspar von Hohenems 1573–1640. Ein adeliges Leben im Zwiespalt zwischen friedlichem Kulturideal und rauher Kriegswirklichkeit im Frühbarock. Innsbruck 1963.



[217] D. h. im abwechselnden und gemeinsamen Musizieren.

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