Startseite: Bräuche im Salzburger LandFolge 2: Vom Frühling bis zum Herbst (in Arbeit)Folge 3: In Familie und Gesellschaft (in Arbeit)Begleitheft (in Arbeit)ZitierempfehlungVolltextsucheHilfe

4.21. Die Dürrnberger Weihnachtsschützen (Johann F. Schatteiner)

4.21.1. Kurztext

4.21.1.1. Von den Stachelschützen zu den Weihnachtsschützen

Die Weihnachtsschützen sehen, als jüngste Entwicklung des Dürrnberger Schützenwesens, ihre Hauptaufgabe im Weihnachts- und Neujahrsschießen mit Vorderlader-Handböllern. Gemeinsam mit der Bergknappenmusikkapelle Dürrnberg[1143] begleiten sie die Fronleichnamsprozession, das Erntedankfest, den Knappenjahrtag und die Schwerttänzer sowie private Lebensfeste. Sie prägen mit ihren Ausrückungen das gesamte festliche Geschehen am Ort. Heute sind alle Berufe unter Musikern und Schützen vertreten.

Seit 1601 sind Stachel-(Armbrust-)schützen am Dürrnberg nachweisbar, die um Ruperti (24. September) ein jährliches Wettschießen veranstalteten. 1612 existierten bereits Büchsenschützen, deren Büchsen von den Technikern des Bergbaues erzeugt wurden. Durch Preisstiftungen zu Jubiläumsschießen sowie aus Verordnungen in Unruhezeiten erfahren wir über den Fortgang des Schützenwesens. 1908/10 wurde ein bürgerliches „uniformiertes Schützen-Korps“ gebildet, das sich 1912/13 zu den „Prangerschützen“ umformierte. 1929 organisierten sich die Weihnachtsschützen mit einer Vorstufe der heutigen Uniform.

Das Dürrnberger Schützen- und Musikwesen war bis zum 19. Jahrhundert an den Stand der Bergleute gebunden und diente der Selbstdarstellung wie der Gestaltung von öffentlichen Anlässen. Im 19. Jahrhundert wurde das Weitertragen von Bräuchen zur bewerteten bürgerlichen Traditionspflege.

4.21.2. Langtext

Die Dürrnberger Weihnachtsschützen stellen die jüngste Fortentwicklung des bergmännischen Musik- und Schützenwesens dar. So erscheint es notwendig, die gesamte Entstehungsgeschichte aufzuzeigen und danach auf die Weihnachtsschützen einzugehen.

4.21.2.1. Die Bergknappenmusikkapelle Dürrnberg[1144]

Die genaue Entstehung der Dürrnberger Bergbande ist unbekannt. Wir wissen, dass wenige Schwörgler (Pfeifer) und Trommler die Schwerttanzdarbietungen im 16. Jahrhundert musikalisch umrahmt haben und vermuten, dass diese Musik seit dem Spätmittelalter existiert. Das Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung des Schwerttanzes – 1586 – wird gerne als Geburtsstunde der Dürrnberger Bergknappenmusik angesehen. Fritz Moosleitner hat falsche, ältere Zuweisungen korrigiert. Richard Wolfram nennt als erste urkundliche Aufzeichnung des Schwerttanzes das Jahr 1529, doch ist bisher keine Urkunde dazu bekannt.[1145]

Im 18. Jahrhundert wird die Bergmusik in Verbindung mit dem Schwerttanz und hohen Empfängen – kaiserliche, königliche und herzogliche Hoheiten, kirchliche Würdenträger und hochrangige Politiker – öfter erwähnt. Den ältesten Bildhinweis auf die Bergmusikanten finden wir auf der alten Bergfahne von 1750: Ein Schwörgler und ein Trommler, gekleidet in der alten maximilianischen Bergmannstracht, sind darauf abgebildet. Die ältere Fahne von 1670 gilt als verschollen. In einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1750 wird über eine Bezahlung der Musikanten berichtet: „Am 8. Juni ist Ihre Hochfürstlichen Gnaden Andreas Graf v. Dietrichstein am Hällein durchgeraisst, dahero die sammte Knappschaft am Hällein wiederum Paridiert, ist also denen 7 MuhsigCanten 8 fl 48 bezahlt worden. Den 2 Thämpors 2 fl 30, den 2 Pfeifern 1 fl 28.“ Häufig werden für die Zeit vor dem 19. Jahrhundert auch zwei Schwegelpfeifer und ein Tambour erwähnt.[1146]

Die Art der Erwähnung lässt vermuten, dass neben den sieben Musikanten – eine hohe Anzahl, die den Reichtum Halleins zeigt, denn noch im 17. Jahrhundert waren vier bis fünf Musiker in den Städten üblich – die Trompeter und Pfeifer auftraten. Trompeter und Pfeifer hatten ja auch im Alltag – etwa Ausrufung von Gesetzen, militärische Signale, höfisches Zeremoniell – vielfältige Aufgaben. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts besaß die Bergbande bereits Trompeten und Posaunen. Das bürgerliche Blasmusikwesen entwickelte sich erst langsam nach 1800 am Vorbild der erneuerten Militärmusik und auch hier war die Bergbande ein Vorreiter. Schon 1847 besaß sie Noten für 40 Konzertstücke und war damit Teil der bürgerlichen Feste in Hallein.[1147] Aus dieser Zeit dürfte auch die heute gespielte dreiteilige Schwerttanz-Polka stammen. Die älteste bekannte Aufzeichnung davon stammt vom Jahre 1909, nach der Art des Musikstückes wurde es im 19. Jahrhundert komponiert.[1148] Die Melodie ist im Salzkammergut als „Ausseer Hirterbubenmarsch“ bekannt. Die Anzahl der Bergmusikanten hat mit der Zeit stetig zugenommen und betrug im Jahre 1900 29 bis 30, im Jahre 1930 etwa 35 bis 40 und heute über 50 Personen.

Seit den Napoleonischen Kriegen tragen die Musiker anstelle der Kniebundhose die damals moderne lange weiße Hose (die Pantalons der Arbeiter und Kanalräumer verdrängten ja die Culottes, die seidenen Kniehosen des Adels) und dazu einen schwarzen Bergkittel. 1829 wurde die Bergmusik von der k.u.k. Salinenverwaltung übernommen und durch den Knappenfonds und die Einkünfte der Bergbefahrung durch Touristen finanziell unterstützt. Unter dem Bergverwalter Paul Sorgo wurde die Bergbande 1899 neu organisiert. 1959 erfolgte unter Amtsvorstand Hofrat Friedrich Münzer eine Neuinstrumentierung. 1962 stießen die ersten Musikantinnen zur Kapelle. Im Jubiläumsjahr 1986 (400 Jahre Schwerttanz und Knappenmusik) erhielt die Musik ein Vereinsstatut und einen Pavillon. 1994 wurde das ehemalige Bergbefahrungsgebäude zum Musikhaus adaptiert. Die ersten Tonträger wurden 1980 produziert.

4.21.2.2. Das Dürrnberger Schützenwesen

Das Schützenwesen in Dürrnberg hat große Tradition. Bereits 1601 bestätigte Erzbischof Wolf Dietrich mit einem Befehl die übliche jährliche Zuwendung für das Schützenbest (Siegespreis) auf das „untertänigste Supplizieren der Stahel Schützen am Türnperg, das ihnen die vorhin von der Pfleg Hallein zum Pösten gegebene jährlich 7 fl. noch fernerhin ausgefolgt werden.“[1149] Da vielfältige Spekulationen über die Geschichte der Dürrnberger Weihnachtsschützen kursieren (sie sollen der Salzburger Landfahne des 15. Jahrhunderts entsprungen sein – welchen Irrtum schon Fritz Moosleitner 1982 aufgeklärt hat), folgt hier ein kurzer Überblick über das Dürrnberger Schützenwesen und seine historisch nachweisbaren Quellen.

4.21.2.2.1. Die Stachel-, Bolz- oder Armbrustschützen

Erzbischof Wolf Dietrich (1586–1612) erließ u. a. 1592 eine neue Instruktion und Bergordnung für den Dürrnberger Salzbergbau und 1603 eine neue „Stahlschützen-Ordnung“. In jener „Ordnung, wie oder was Massen sich die Stachl und Armbrust Schützen am Dürrnberg auf verwilligter gewöhnlicher Schießtadt [...] der Pfleg Hällein, halten sollen“, wird bereits das „Hosen- und Kränzelschießen“ erwähnt. Der Ablauf des Wettschießens – mit Armbrust und Stahlbolzen – ist in 30 Punkten genau geregelt; vielfach wird auf bestehenden „Schützen-Brauch“ verwiesen. Ungebührliches Benehmen, die Benützung der Waffen außerhalb der Wettkämpfe sowie den Wettbewerbsbedingungen zuwiderlaufendes Handeln werden mit Schussverbot, „Schützenstraff“ – nämlich hohen Geldstrafen bis zu 24 Gulden – bzw. dem Verfall (der Wegnahme) des „Schiess Zeug“ bedroht. Zwei Schützenmeister und der Zieler hatten die Einhaltung der Ordnung zu beaufsichtigen.[1150] Wie oben erwähnt wurde 1601 die jährliche Spende für das Best weiter gewährt. Im selben Jahr wurde auch „die alte Schießstätte in der Nähe der Kirche (Schulhausgarten bis Buchstall) erbaut“, wie in einem Tram (Balken) der jüngeren Bachbauern-Schießstätte vermerkt wurde.[1151]

4.21.2.2.2. Die Büchsenschützen

1612 existierten bereits zwei Büchsen-Schützenverzeichnisse und diverse Rechnungen sowie eine Bergfeiertags-Beschreibung. Eine Schützenverrechnung von 1614 nennt neben einer Zahlung von 1 fl 2 Sch. an Weingeld auch eine Lederhose um 5 fl, die von Erzbischof Markus Sittikus(1612–1619) für den erfolgreichsten Schützen beim Preisschießen gestiftet worden war. Weitere Hinweise auf Stiftungen zeigen uns die stete Entwicklung der Schützen auf. Deutlich wird daraus, dass der wesentliche jährliche Brauch der Schützen in einem Wettschießen bestanden hat, zu dem der Landesfürst Preisgeld stiftete, aus welchem häufig eine Lederhose – vorzustellen hat man sich darunter eine helle Sämischlederhose – angeschafft wurde. Zu welchen Anlässen des Jahres die Schützen als Ehrengarden aufmarschiert sind, erfahren wir leider nicht aus den Urkunden. Allerdings wissen wir, dass die Vermessungsinstrumente für den Bergbau und die Büchsen von demselben „Püchsenmaister und Ingenieur“ (z. B. 1670) erzeugt wurden.[1152]

4.21.2.2.3. Die Knappenschützen

1626 und 1636 werden „die sechs Knappen, welche zu Fronleichnam zu den vier Evangelien Salve geschossen, heissen die sechs Musketierer“ erwähnt. 1680 wird diesen „Schützen zu Fronleichnam“ ein zweiter Gulden Entgelt bewilligt.[1153] 1670 stiftete Erzbischof Max Gandolf dem uniformierten Knappenkorps auf dem Dürrnberg eine neue Bergfahne zu seinen festlichen Aufzügen am Fronleichnamstag und am Knappenfest, das Antlastag genannt wurde. Diese Fahne wurde erst durch jene von 1750 ersetzt. 1670 trug das Knappenkorps noch die weiße, maximilianische Bergmannstracht, Bergkappel, Zwilchkittel, Zwilchbeinkleid und Bergleder.[1154]

Aus dem Jahre 1675 sind zwei Schriftstücke erhalten, die weitere Informationen über das Schützenwesen bieten: der Hofkammerbefehl an das Bergamt, ein Verzeichnis jener Beamten und Knappen vorzulegen, die mit Büchsen versehen sind, der auch die Vorschrift enthält, dass sich kein Schütze außerhalb seines Hausangers oder bei einem „gemeinen Schießen“ (im Sinne von allgemein, öffentlich) mit dem Feuergewehr antreffen lassen dürfe. Die Antwort darauf ist das „Verzeichnis der Beamten und Bergknappen am Türnberg so mit Pichsen oder alten Hausgewehr versehen sind“. 1677 (wie auch 1686) suchte die Dürrnberger Knappschaft um „Ertaillung einiger Schützen-Vortl“, also Preise für das Bestschießen an, worauf eine „hochgnädige Resolution“ verfügte, dass das Schießen „dermalen in alten Stand belassen werde“.[1155] 1677 bitten die Dürrnberger Knappen um ein besonderes „Hosengeld“, da sie wegen der weiten Entfernung nicht immer „neben den Halleiner Schützen an ihrer [deren, Anm.] Schießstätte am Höllgarten, wie dies seit langer Zeit geschehen ist, um das fürstl. ‚Hosengeld‘ mitschießen können“. Dieser Brauch führte auch zur damals üblichen Redensart: „um meines Herrn Hosen schießen“.[1156]

1690 wurde den Schützen auferlegt, nach jedem Schießen die Schlösser herauszunehmen und die Rohre (Läufe) bei Gericht zu hinterlegen, die Büchsen also unbrauchbar zu machen. Im selben Jahre erteilte Erzbischof Johann Ernst, aus Furcht vor Wilddieben, auch eine strenge Weisung bezüglich der Aufnahme von Scheibenschützen. 1691 wurden schließlich nur noch begüterte und in gutem Ruf stehende Personen unter die Schützen aufgenommen.[1157] Auch 1695 wurden „abermalig“ die erbetenen „Schützen-Vortl“ von der Hofkammer nicht bewilligt, erst 1763 wurden sie wieder gestattet. Ob dieses rigorose Vorgehen gegen die Schützen mit der schon im 16. Jahrhundert erhobenen „Religionskritik am Dürrnberg“ zu tun hat, die sich in der Mitte des 17. Jahrhunderts von Au ausgehend dort wieder ausbreitete, ist nicht klar zu sagen. Hermann F. Wagner weist darauf hin.

Von der Mitte des Jahrhunderts an wurden zuerst vier Kapuziner berufen, 1694 dann Franziskaner. 1686 wanderten 70 lutherische Knappen vom Dürrnberg nach Nürnberg aus. 1691 erreichten die Knappen noch die „Abschaffung“ eines Schullehrers, der sich „zu viel mit Religionsunterricht“ abgab. Zwischen 1694 und 1796 wurden die Bergleute stärker überwacht und zeitweilig auch das Schießen bei Hochzeiten verboten, denn die Religionshändel zogen sich weiter. 1746 erging noch ein landesfürstlicher Befehl, die akatholischen Salzarbeiter zu entlassen und ab 1757 musste jeder Salzarbeiter bei seiner Einstellung das katholische Glaubensbekenntnis ablegen.[1158] Auch das Schützenwesen war, wie sich in dieser Darstellung mehrfach zeigt, von den politischen und religiösen Ereignissen betroffen.

Die „Salzburger Zeitung“ schilderte das Fest der Bergknappen am Dürrnberg, am 6. September 1858: den Festzug zur Kirche um 10 Uhr führte die türkische Musik der Knappen mit 14 Mann an, dafür erhielt jeder aus den Einfahrtsgeldern (der Touristen) 1 Gulden 20 Kreuzer, was bei einem Lohn von 18 Kreuzern für eine sechsstündige Schicht großzügig bemessen war. Neben einem gesonderten Schützenumzug, gab es Spiele für die Jugend, einen Tanz und das Scheibenschießen, dessen Beste wollene Tücher waren.[1159] Die Bergbefahrung der Touristen brachte nicht nur der Knappenmusik, sondern auch den Bergmannsfrauen bis zur Mitte unseres Jahrhunderts Einkünfte. Die Frauen trugen für Entgelt die Einfahrtskleidung der Touristen in Buckelkörben vom Ausstieg wieder zum Eingang den Berg hinauf.[1160]

1880 bestand bereits ein Schützenverein mit 54 Mitgliedern und 250 Gulden Vermögen.[1161] 1884 wurde ein Situationsplan erstellt, der die alte und die, anlässlich des Festschießens „am hohen Geburtstag seiner Majestät Kaiser Franz Josef“, geplante neue Schießstätte zeigte.[1162] Am 23. August 1885 erfolgte „die Übertragung der alten Schießstätte vom nächst dem alten Wirtshause [Anm. ehemals Hoftaverne und Hofhaus, dann Kloster, heute Volksschule] zum Bachbauern-Waldgrundstück, nächst Freudenbergstollen mit Schützenaufzug und gleichzeitigem Festschießen zum hohen Geburtstag“ der Majestät. Aus Anlass dieser Feierlichkeit wurde ein Schützenbuch angelegt.[1163] 1888 wurde eine neue Fahne, deren Fahnenband erhalten ist, geweiht.[1164]

Diese Daten zeigen, dass der alte Schützenjahrtag jeweils rund um den Herbstruperti stattfand und das Bestschießen zu Ehren des Landes- und Bergbaupatrones gehalten wurde. Unter der österreichischen Regierung wurde der Geburtstag des Kaisers zum würdigen Anlass. 1901 wurde die geplante 300-Jahr-Feier der Dürrnberger Schützen aus organisatorischen und finanziellen Gründen vertagt und erst 1907 mit einem Jubiläumsschießen am Schießstand beim ehemaligen Bezirksgericht am Georgsberg in Hallein nachgeholt. In diesen Jahren bemühten sich Bergmeister Romed Plank und Schneidermeister Florentin Rettenbacher um Aufbau und Erhaltung des Vereines, wofür sie 1911 geehrt wurden.[1165]

Der Oberbergmeister Romed Plank (1874–1949; seit 1901 am Dürrnberg) war Schriftführer und Ehrenmitglied der Prangerschützen, Gründer und Leiter des Kirchenchores, Kapellmeister der Bergknappenmusikkapelle (1901–1919) und vieles mehr. Sein Neffe und Ziehsohn Romedius Brandner (1947–1956 Bergbaubetriebsleiter, 1963–1972 Direktor) komponierte u. a. das „Halleiner Lied“ (1925, Text von Maria Ebner, geb. Lindner), den Dürrnberger Feuerwehrmarsch (1901), „Jubelndes Hallein“ (1930 zum 700-Jahr-Jubiläum), den „Glück auf-Marsch“ und vieles andere mehr. Bis heute wirkt die Tätigkeit dieser beiden Männer nach und zeigt, dass Kultur stetes lebendiges Zusammenwirken und Neugestalten ist.[1166]

1908 wurde von den Schützen ein Aufnahmebuch mit Statuten angeschafft,[1167] 1910 am 26. September das erste Protokoll einer Generalversammlung verfasst und am 26. Dezember der Entwurf für Statut und Uniform festgelegt.[1168] Diese Statuten von 1910 „des uniformierten Schützen-Korps in Dürrnberg bei Hallein“ sind erhalten und legen fest, dass das Korps aus „kaiserlich königlichen Bergknappen“ zu bestehen hat, ausgebildet nach den „vom k.k. Heer vorgeschriebenen Reglements“. Auch die Ehrenbezeugungen für das Herrscherhaus sowie alle uniformierten Heeresangehörigen und Beamten sind von den Mitgliedern, wenn sie Uniform tragen, nach dem militärischen Dienstreglement zu leisten. Die Mitglieder müssen bei der Aufnahme mindestens 16 und maximal 40 Jahre alt sein, verpflichten sich bis zu ihrem 55. Lebensjahr im Korps zu verbleiben und können jederzeit zu Landsturmdiensten einberufen werden.

Zu den Pflichten der Mitglieder zählt die Begleitung des Leichenbegängnisses aktiver und nicht aktiver Mitglieder, die Teilnahme an den drei jährlichen und den auf die Begräbnisse folgenden Seelenämtern sowie viermal jährlich eine Kirchenparade, und zwar am Karsamstag, Fronleichnamsfest, Ruperti- und Danksagungsfest. Die weiß-grüne Korpsfahne zeigte Bilder der unbefleckten Empfängnis (avers) und des heiligen Sebastian (revers), des Patrons der Schützen. Im Punkt V. werden „Uniformierung und Bewaffnung“ abgehandelt, die gewöhnliche Uniform bestand aus einer Bluse aus dunkelgrauem Tuch mit grünen Parolis, einer schwarzen Hose und einem steifen schwarzen Hut mit schwarzen Federn. Die Offiziere trugen weiß-grüne Portepees an den Hosen, Distinktionen und einen Offizierssäbel an gelber Lederkuppel.[1169]

4.21.2.2.4. Die Prangerschützen

Die Einflüsse der Heimatkunde- und Brauchtumsbewegung im Lande trugen offenbar auch dazu bei, das Schützenwesen neu zu organisieren bzw. zu erweitern.[1170] 1912 wurde der Knappenschützenverein in ein Schützenkorps „Prangerschützen“ umgebildet. Protektor war Dr. Johann Nusko sen., Landesfinanzdirektor in Linz (1857–1933).[1171] Die Umbildungsfeierlichkeiten von der Knappenschützengesellschaft in das Schützenkorps „Prangerschützen“ fanden am 20. Juli 1913 statt. Dabei wurde die restaurierte Vereinsfahne von 1888 gesegnet und ein Gruppenfoto aufgenommen.[1172] Trotz der offiziellen Auflösung der Knappenschützengesellschaft wurde diese inoffiziell von begüterten Bewohnern Halleins (Beamte von Forst, Bergbau und Gemeinde, Stadtbürger – also unterschiedliche Berufsgruppen) bis 1938 eingeschränkt weitergeführt und erst 1943 endgültig aufgelöst.[1173] Der alte Titel und das Image der Knappen wurden wohl höher bewertet als der neue Titel „Prangerschützen“. Am Ostermontag des Jahres 1931 brannte das Vereinslokal und die Fahnenherberge im Gasthof Bergmannstreu ab. Dem Brand fielen die Fahne von 1888, Utensilien, Protokolle und Urkunden zum Opfer. Durch die Spendenfreudigkeit der Dürrnberger Bevölkerung und Halleiner Geschäftsleute konnte noch im selben Jahr, am 15. August, eine neue Fahne mit einem St. Sebastian-Motiv geweiht werden. Auch davon ist ein Gruppenfoto erhalten.[1174] 1938 wurden die Dürrnberger Prangerschützen, wie alle anderen Vereine auch, durch das NS-Regime aufgelöst.

1947 wurde das 1913 errichtete Vereinshaus in der Vorderramsau durch Bedienstete des Salzbergbaues abgebrochen und mit den noch verwendbaren Ziegeln das neue Bergbefahrungshaus errichtet.[1175] 1949 wurde am 12. Juni der neue Verein „Dürrnberger Weihnachtsschützen, angeschlossen Prangerschützen und Trachtenverein“ gegründet.[1176] Damit kündigte sich das Ende des alten Schützenvereines an. 1962 traten letztmalig die Prangerschützen-Veteranen in ihren ordensdekorierten Uniformen und mit der Vereinsfahne beim Erntedankfest auf. 1963 wurde die Fahne dem neu gegründeten Dürrnberger Weihnachtsschützenverein übertragen.

4.21.2.2.5. Die Weihnachtsschützen

Die Dürrnberger Weihnachtsschützen sind der in der Entwicklung jüngste Schützenverein. Vereinzelt traten solche ab der Mitte des vorigen Jahrhunderts in nicht organisierter Form auf. Erst um 1900 bildeten sich kleinere Gruppen und 1929 wurde der Dürrnberger Weihnachtsschützenverein gegründet und nach bayerischen Satzungen und dortiger Schützentracht ausgerichtet.[1177] Das Weihnachts-, Silvester- und Neujahrsanschießen, jeweils Ehrensalutschießen und nicht heidnischer Brauch, wurde – so beschreibt es der langjährige bayerische Heimatpfleger und Volkskundler Rudolf Kriss – aus Berchtesgaden auf den Dürrnberg übertragen. In Berchtesgaden hat es eine fast 300-jährige Tradition, die Kriss an der Erfindung des deutschen Steinfeuerschlosses 1517, dem 1628 nachweisbaren Büchsenmacher Paul Wurm in Schönau und der ersten Erwähnung der Berchtesgadener Weihnachtsschützen im Jahre 1666 festmacht. Von dort breitete sich dieser Brauch offensichtlich aus, denn 1718 werden in der Schellenberger Fronleichnamsprozession 24 Fronleichnamsschützen erwähnt.[1178]

Die wirtschaftlichen Verbindungen erklären den Übertritt des Brauches auf den Dürrnberg. Seit dem 13. Jahrhundert besteht das „Erbbergarbeiten- oder Bergschichtenrecht“, eine vertragliche, erbliche Beschäftigungserlaubnis für berchtesgadische Untertanen am Dürrnberg. Mit Abschluss der Salinenkonvention von 1829 – einem länderübergreifenden Wirtschaftsvertrag – wurden die Beziehungen vermehrt, dazu kam noch das wechselseitige Einheiraten der Bergleute über die Landesgrenze. Die Akkulturation war damit erleichtert. Die Identität von Tracht und Brauch (Stand- und Handböller, Durchführung) im heute bekannten Weihnachtsschießen lassen auf eine sehr späte organisierte Übernahme schließen.

Ein allgemeines Salutschießen (aus Büchsen und Gewehren) zu den drei großen Weihnachtsfeiertagen, 25. Dezember, 1. und 6. Jänner sowie am Fronleichnamstag, hat aber schon länger in Salzburg existiert und ist von allen Schützengesellschaften gepflegt worden. So erfahren wir ab 1626 über das Schießen bei der Fronleichnamsprozession, und ab ca. 1750 wird laufend berichtet, dass beim Einlangen des Vortragkreuzes diverser Wallfahrten am Dürrnberg bis zu neun Pfund Pulver verschossen wurden. Für Pulver und die Schützen wurden dafür stets 32 Pfennig bezahlt.[1179] Vom 4. Dezember 1781 ist ein Verbot des Schießens in den Rauchnächten durch Erzbischof Hieronymus Colloredo für das ganze Erzbistum bekannt. Das Verbot ist streng gehalten und macht den jeweiligen Viertlmann (ein Gebietsvorsteher) für alle Übertretungen haftbar; vor allem zeigt es, dass schon in früheren Jahren Verbote ergangen waren.

„Es ist zwar in gemässheit mehrerer Verordnungen das sogenannte Weyhnacht Schüssen in denen Rauch-Nächten allschon öfters bey Straffe verbothen worden. Zumahlen aber dieser Missbräuch ie länger ie mehr sich wiederum einschleiche, als hat die hochfürstl. Oberstiägermeisterey in einer unterm 3.ten curr. Anhero erlassenen Signatur an diese Stelle eröffnet, wie S: Hochfürstl. Gnaden pp gnädigst anbefolchen haben, dass obiges Verbott mit beygesetzter Schärffe erneuert werden solle, dass wann ein dergleichen Schuss gehört würde, in dem Orts aufgestellter gewöhnlicher Viertlmann dieset wegen genau obsicht tragen, sofort dafür haften, auch im Fall selber den Thäter nicht namhaft machen könnte, bestraft werden solle.“[1180]

Vom 9. März 1807 ist ein Verbot des Schießens in den sogenannten Rauchnächten, bei Hochzeiten und an Tünzltagen [Anm. Ka.: Zunftjahrtagen] durch die österreichische Regierung bekannt. Erlaubt bleibt das Paradieren und Abfeuern in Städten und Märkten sowie auf dem Lande, nur am Fronleichnamstag, und nur durch Bürger- oder Schützencorps, wenn diese sich mit dem Militär ins Einvernehmen setzen und der Stationskommandant die Oberaufsicht hat.[1181]

Der älteste Dürrnberger Quellenhinweis findet sich in den Aufzeichnungen des k.u.k. Bergamtes Dürrnberg 1829. Bei den Feierlichkeiten zum Abschluss der Salinenkonvention am 28. März 1829 und am Knappenjahrtag im September dieses Jahres wurden die hohen Gäste von der „Bergband“ (Musik) und mit Salutschüssen begrüßt. Als Schützen fungierten Knappen, die vom Bergamt das Pulver für die Böller (vermutlich Legböller mit Pulverlunte) erhielten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dürfte sich nach den Forschungen des Autors langsam das Weihnachts-, Silvester- und Neujahrsanschießen mit Vorderlader-Handböllern (mit Gewehr- oder Pistolenschlosstechnik) am Dürrnberg etabliert haben. Die Freude jener Zeit an „alten Bräuchen“ und das direkte Vorbild Berchtesgadens – wo diese Bräuche sowohl durch den frühen Tourismus, als auch durch das fördernde Wohlwollen des Herrscherhauses angeregt und unterstützt wurden – sind wohl der Grund dafür.[1182]

Der ehemalige Weihnachtsschütze und Vereinsvorstand von ca. 1918 bis 1925, Altbürgermeister Kilian Neureiter (1879–1966), stand dem Autor in den 1960er-Jahren mit vielen Auskünften zur Verfügung (Neureiter ist auch der Konstrukteur der heutigen Dürrnberger Knappenkrippe, die er als „Grubermühlkrippe“ zwischen 1920 und 1930 anfertigte und in seinem Haus mechanisch betrieb). Nach seiner Erinnerung gab es bis zur Gründung im Jahre 1929 weder Verein, Tracht noch Statut. Die 10 bis 15 Böllerschützen traten zu verschiedenen kirchlichen Anlässen auf, ihr Standplatz war die Raspenhöhe in der Plaick. Beim Silvester- und Neujahrsanschießen wurde jeweils auch ein Vaterunser gebetet. Die Böller wurden, wie heute auch, in Berchtesgaden gekauft. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die nachfolgende wirtschaftliche Rezession stagnierte der Brauch.

Erst 1929 wurde der Weihnachtsschützenverein begründet, seine Initiatoren waren Matthias Stangassinger vulgo Schützinger (1904–1977), Klemens Gebhardt vulgo Thanner (1899–1970), Eduard Schörghofer vulgo Sperl (1907–1944), Georg Stanggassinger vulgo Raspen, Sebastian Lindtner u. a. m. Johann Angerer vulgo Bachbauern Hansei (1884–1942, wohnhaft im „Zielerhäusl“ – dessen Vulgarname ebenfalls treffend auf die Schützentradition hinweist) reorganisierte Mitte der 1930er-Jahre erneut die Weihnachtsschützen, motivierte junge Schützen und rüstete den Verein mit einer Tracht nach berchtesgadnischem Vorbild aus. Er war gewählter Vereinsvorstand von 1925 bis 1939.

Ein Foto von 1936 zeigt die damalige Tracht, an der besonders die umgeschlagene rote Schürze auffällt. Im Sommer wurde die kurze ausgenähte Lederhose (heute eine schwarze hirschhäutene Kniebundhose, weiß ausgestickt) getragen, dazu weißes Hemd mit (heute seidenem) Bindl, blaugraue Lodenjoppe (die heute grün eingefasst ist), Wadlstutzen (heute grau und handgestrickt), schwarze Allgäuer Schuhe und der Berchtesgadener Rundscheiblinghut mit Gams- oder Hirschbart. Heute werden auch Schildhahn- oder Reiherfeder, nach dem Gesteck des Lamberghutes, verwendet. Der Hut wird heute Berchtesgadener Schützenhut genannt. Diese bayrische, von der frühen Touristen- und Vereinsbewegung stark geprägte Kleidung war bis 1913 ja auch beim vorrangigen Salzburger Trachtenverein Alpinia und noch lange danach bei anderen Vereinen sehr beliebt.[1183]

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und der Einzug der Männer zum Militär unterbrach das Weihnachtsschießen. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges gab es lange kein Wiederaufleben, denn einerseits bestand Trauer um die Gefallenen und andererseits waren ja auch die amerikanischen Besatzer anwesend. Erst 1949 begann ein halbes Dutzend junger Männer, in Zusammenarbeit mit dem Schuhplattlerverein und dem Gebirgs-Trachtenerhaltungsverein „Zinkenstoana“, sowie mit Erlaubnis der Besatzungsmacht und der Sicherheitsdirektion Salzburg, mit der Reorganisation. Der Verein expandierte langsam, seine Ausstattung verbesserte sich. Von 1949 bis 1954 stand Johann Kurz vulgo Hallersbichl, von 1954 bis 1956 Anton Brüggler vulgo Untereggl dem Verein vor.

Nach dem Kriege, im Zuge von Wiederbelebungen, wurde das Weihnachtsschießen germanisierend weiterhin als „Lärmbrauchtum“ bezeichnet. 1963 schlossen sich die Weihnachtsschützen bei der Vereinsumbildung des „Gebirgstrachten Erhaltungs- und Schuhplattlervereins Zinkenstoaner“ unter einem neuen Statut zum „Weihnachtsschützenverein Dürrnberg, angeschlossen Prangerschützen- und Trachtenverein“ zusammen. Als Vereinszweck wird 1. die Ausrückung am Prangersonntag, zum Erntedankfest sowie das Böllerschießen zu Weihnachten, Silvester und Neujahr, sowie 2. die Erhaltung und Verbreitung der Gebirgstracht genannt.

Die Anzeige der Wiederbegründung bzw. Vereinsumbildung erfolgte bei der Bezirkshauptmannschaft Hallein, als Fahne wurde jene der aufgelösten Prangerschützen übernommen. 1994 wurde, nach langen Finanzierungsverhandlungen, die Vereinsfahne von 1931 um 50.000 Schilling restauriert und am 3. Oktober 1994 gesegnet. Am 24. Dezember 1995 wurde nördlich der Dürrnberger Kirche erstmals ein elektrisch beleuchteter Weihnachtsstern aufgestellt. Die aus dem Jahr 1964 stammende Konstruktion war den Dürrnberger Weihnachtsschützen von den Berchtesgadener Freunden aus dem angrenzenden Oberau überlassen worden.[1184]

4.21.2.2.6. Die Schützenrequisiten und das Böllerschießen heute

Auch heute wird die oben beschriebene Tracht getragen. Dazu kommt Pulvertasche oder Rucksack, gefüllt mit Patronen, Zapfen und Kapseln, wie der Holzschlägel. Die Böllerschüsse werden entweder einzeln, reihenweise hintereinander oder im Generalsalut gemeinsam abgefeuert. Die 3 bis 6 kg schweren Vorderlader-Handböller mit Schlossvorrichtung werden aus vorgefertigten Patronen befüllt. Diese Patronen aus Zeitungspapier sind mit Schwarzpulver oder Sprengsalpeter gefüllt und verschlossen. Nach dem Pulver wird der Böllerlauf mit einem etwa 10 cm langen Holzzapfen mit dem Schlägel verschlossen. Danach wird ein Vorderlader-Zündhütchen auf das Brandrohr gesetzt und das Schloss aufgezogen. Beim Abziehen schlägt der Hahn auf das Zündhütchen und löst den Schuss aus. Die Böller wurden zwischen 1910 und 1940 vom Voggenreiter in der Votzenschmiede Berchtesgaden erzeugt, von 1944 bis 1974 vom Bergschmied Georg Walch am Baderlehen in Oberau sowie von 1947 bis 1980 von Rupert Hallinger und Alois Kamper in Hallein. Bis heute erzeugen Richard Stanggassinger aus Oberau (seit 1959) und Siegfried Gradl am Dürrnberg (seit 1963) die Böller.

4.21.2.2.7. Die Aktivitäten der Dürrnberger Weihnachtsschützen

In den letzten Jahren haben die Schützenbräuche viel Überliefertes eingebüßt: u. a. das Wetterschießen, das Schützenkranzl sowie seit den 1960er-Jahren auch den Opfergang bei der Pumpermette – am Dürrnberg wird die Christmette so bezeichnet. Dieser Opfergang wurde 1997, am Stephanitag, vom Autor wieder eingeführt. Das Weihnachtsschießen erfolgt am Heiligen Abend um 15 Uhr und kurz vor der Christmette, am Platz beim Kelten-Café. Vor dem Turmblasen durch die Bläser der Bergknappenmusik werden Einzelschüsse, danach einige Schnellfeuer- und Generalsalven abgegeben. Anschließend nehmen die meisten Weihnachtsschützen an der Mette teil. Am Weihnachtstag geben die Schützen von ihren Häusern aus Einzelschüsse ab.

Am Silvesterabend ab etwa 18 Uhr gehen drei Passen (Gruppen) von Schützen durch die Ortsteile Plaick und Winterstall, Kranzbichl sowie Fischpointleiten. Sie ziehen von Haus zu Haus und wünschen mit ihren Salven den Freunden und Gönnern des Vereines „guat’s neu’s Joahr“. Die Spenden, die sie dafür bekommen, decken die Ausgaben für den Schießbedarf und eine finanzielle Reserve. Um Mitternacht wird das neue Jahr mit Dauerfeuer und Salutschüssen lautstark willkommen geheißen. Von nah und fern ist das Böllergetöse zu hören, in das sich die Schüsse der Berchtesgadener Weihnachtsschützen und jene der Prangerstutzenfeuer aus der Stadt Salzburg und dem Salzachtal mischen.

Am Neujahrstag ziehen die Schützen ab 10 Uhr in zwei Gruppen durch den Ortsteil Dürrnberg-Dorf und treffen kurz vor Mittag beim Kurhaus St. Josef zusammen, wo sie prominenten Kurgästen mit Donnerknall eine Reverenz erweisen. Am Mittag werden abermals Schnellfeuer und Salute abgefeuert und abschließend ziehen sich die zum Teil „angeschlagenen“ Schützen ins Dorfwirtshaus zurück. Heute besteht der Weihnachtsschützenverein aus dem Vorstand, 46 aktiven und sechs unterstützenden Mitgliedern.

Zu den weiteren Aktivitäten im Jahreslauf zählen Ausrückungen für kirchliche Feste, besonders Fronleichnam und Erntedank, das Knappenjahrtag- und Schwerttanz-Einschießen (seit 20 bis 30 Jahren) sowie die Begleitung der Begräbnisse von Mitgliedern, das Brautleuteweck- und Hochzeitsschießen und das Taufschießen. Bei allen Festen werden gerne prominente Dürrnberger „angeschossen“. Dabei richtet der Schützenhauptmann einen „Anwunsch“ an den Geehrten, die Schützen schießen ihre Salve, danach spielt die Bergmusik ein Präsentierstück. Die Geehrten kennen die Spielregeln des Rituals und wissen, wie und mit welcher Summe sie sich für die Ehre zu bedanken haben.

Ein Beitrag über das Weihnachtsschützenwesen wäre lückenhaft, würde man nicht jenen Mann erwähnen, der es über fünf Jahrzehnte richtungsweisend prägte: der Bergmann, Schützenhauptmann und Vereinsvorstand (1956–1981) Hans Ebner sen., vulgo Fritzen Hans. 1914 als erstes Kind der Fritzengutbesitzer Johann und Theresia Ebner in der Plaick am Dürrnberg geboren, trat der gelernte Maurer schon 1932 dem drei Jahre zuvor gegründeten Weihnachtsschützenverein bei. Schon in seiner Jugend betätigte er sich als Ranggler, Sportler und Schuhplattler. Von 1936 bis 1970 (Pensionierung als Materialverwalter) arbeitete Ebner beim Salzbergbau. Von 1938 bis 1943 war er zum Gebirgsjägerregiment 137 in Salzburg eingezogen und wurde mit schwerer Krankheit entlassen. Ebner war seit 1990 an den Rollstuhl gefesselt und verstarb 1996.

Hans Ebner war eine „Institution bergmännischen Brauchtums“ und seinen Arbeits- und Vereinskollegen ein leuchtendes Vorbild. Neben seinem Einsatz für den Weihnachtsschützenverein war er u. a. Gründungsmitglied des Dürrnberger Knappenchores und aktiver Sänger von 1951 bis 1959 sowie von 1962 bis 1967. In der Bergknappenkapelle schlug er von 1958 bis 1977 die große Trommel und die Becken. Von 1957 bis 1974 war er ein unvergessener Hochzeitslader. Darüber hinaus war der Nebenerwerbsbauer auch als Humorist, Mundartdichter und Nothelfer in allen landwirtschaftlichen Belangen bekannt.[1185]

Der Überblick über das Dürrnberger Schützenwesen zeigt, dass dieses bis zum 19. Jahrhundert an den Beruf, an den Stand der Bergleute gebunden war und u. a. auch zu dessen festlicher Selbstdarstellung im Zusammenhang mit staatlichen und kirchlichen Feiern diente. Die Schützen vertraten bei Ehrenbezeugungen und Ehrengeleiten ihren Stand nach außen und erbrachten die gebotenen Reverenzen für diesen Stand. Mit der Auflösung der Klassengesellschaft änderte sich diese Situation. Das Weitertragen von Bräuchen war nicht mehr Standessache, sondern unterlag dem persönlichen Gutdünken von Gesellschaftsgruppen oder Einzelpersonen. Die Zeitzeichen und Strömungen der einzelnen Epochen spielten bei der Umgestaltung und öffentlichen Bewertung der einzelnen Vereine und Bräuche eine große Rolle.



[1143] Die Bergknappenmusikkapelle Dürrnberg hat ihre Vorläufer in den Trommlern und Schwegelpfeifern des 16. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert ist eine Knappenmusik nachweisbar, die – gemeinsam mit den Schützen – bei öffentlichen Festen und Aufzügen paradierte. Im 19. Jahrhundert entwickelte sie sich zu einer bürgerlichen Blasmusik mit Konzertrepertoire, die heutige Formation wurde 1899 begründet.

[1144] Dieser Artikel ist eine teils gekürzte und im Schützenwesen erweiterte Neuauflage von: [Schatteiner 1998]. – [Schatteiner 2001].

[1145] [Birsak/KönigM 1983], S. 310. – [Moosleitner 1982]: Moosleitner bezieht sich dabei auf: [Schiestl 1865]. – [WolframR 1954b]: Er bezieht sich dabei auf einen Hinweis von Archivdirektor Herbert Klein von 1965. – SLIVK, Nachlass Wolfram, Länderkartei Schwerttanz (zit. als Länderkartei). – Als wesentliche Quelle muss [Schiestl 1865] gelten.

[1146] Vgl. [Kurz/Zinnburg 1981]. – SLIVK, Richard Wolfram: Länderkartei, dort: [HartmannAu/Abele 1880], S. 76 und S. 130. – Das Kürzel fl. bedeutet Gulden von „florina“.

[1147] [Birsak/KönigM 1983], S. 43, S. 85 ff., S. 23 ff.

[1148] [Lexikon der Musik 1978], Bd. 6, S. 302: Die Gattung Polka entstand um 1830 in Böhmen, das Wort ist tschechisch und wurde zu jener Zeit als Synonym für Galopp verwendet. Die Polka ist verwandt mit Ecossaise und Krakowiak.

[1149] SLA, Repertorium des Salzbergbaues Dürrnberg, 1400–1800. – Salzbergarchiv, Nr. 4098, Schreiben des k.k. Statthalters in Salzburg vom 16. 07. 1881 an die Salinenvorstehung in Hallein, um Rückgabe des „Gnädigsten Befehls“ Litt E, Titel I, Bund 5, Nr. 1 von 1601, der 1832 dem Bericht Nr. 1580 beigeschlossen wurde und seither vermisst wird. Herrn Direktor Dr. Fritz Koller ist herzlichst für Beratung und Unterstützung zu danken.

[1150] SLA, Laa III/11, Ordnung wie oder was Massen sich die Stachl und Armbrost Schützen am Duernperg auf verwilligter Gewöhnlicher Schießtadt, [...], Pfleg Hällein, halten sollen. 1603. 8 Bl. mit 30 Punkten. – SLA Laa III/11, Ordnung der Stachlschützen 1603. – SLA, Repertorium des Salzverweseramtes Dürrnberg, ca. 1400–1800.

[1151] Salzbergbau Dürrnberg als Leihgabe an Archiv Schatteiner, Schützenbuch der privaten Schützengesellschaft Dürrnberg von 1885. – Vgl. [WagnerHF 1908].

[1153] Pfarrarchiv Dürrnberg, HS: [Lackner Kirchengeschichte].

[1155] SLA, Repertorium des Salzverweseramtes Dürrnberg, ca. 1400–1800. – [WagnerHF 1908].

[1156] Keltenmuseum Hallein: [WimmerS 1883].

[1157] [WagnerHF 1908]. – Keltenmuseum Hallein: [Lindner 1909].

[1158] Keltenmuseum Hallein: [Lindner 1909]. – SLA, Repertorium des Salzbergbaues Dürrnberg, 1400–1800. – [WagnerHF 1908]. – Salzbergarchiv, Nr. 4098, Schreiben des k.k. Statthalters in Salzburg vom 16. 07. 1881 an die Salinenvorstehung in Hallein, um Rückgabe des „Gnädigsten Befehls“ Litt E, Titel I, Bund 5, Nr. 1 von 1601, der 1832 dem Bericht Nr. 1580 beigeschlossen wurde und seither vermisst wird.

[1159] Keltenmuseum Hallein: [Lindner 1909], er zit.: 1858 beschreibt Anton von Schallhammer in der [Salzburger Zeitung] Nr. 205–206 das Fest der Bergknappen am Dürrnberg, am 6. September.

[1160] Für diesen Hinweis ist Frau Mag. Loimer-Rumerstorfer herzlich zu danken.

[1161] Keltenmuseum Hallein: [Lindner 1909].

[1162] Situationsplan von 1884, Ebner.

[1163] Salzbergbau Dürrnberg, Schützenbuch der privaten Schützengesellschaft Dürrnberg von 1885.

[1164] Mitgliederverzeichnis von 1911, Archiv Schatteiner.

[1165] Salzbergbau Dürrnberg, Schützenbuch der privaten Schützengesellschaft Dürrnberg von 1885, Dankschreiben und Ehrenmitgliedschaft. – Gesuch an den Kaiser um Vereinsumbildung von 1912.

[1166] Herrn HR DI Romedius Brandner danke ich für die Überlassung des Nachlasses von Romed Plank, der neben geschichtlichen und geologischen Abhandlungen Zeitungsausschnitte, Bilddokumente und ein Kompositionsarchiv enthält. Ihm und seiner Frau Annemarie danke ich weiters für die aussagereichen Gespräche. – Salzbergarchiv und Markscheiderei Dürrnberg.

[1167] Aufnahmebuch mit Statuten von 1910.

[1168] Entwürfe der Schützenkorpsstatuten von 1910. – Entwürfe der Korpsuniform 1910 von Romed Plank, aus dessen Nachlass.

[1169] Statuten des uniformierten Schützenkorps in Dürrnberg Hallein, am 26. 12. 1910 gestempelt von der Bezirkshauptmannschaft Hallein.

[1171] Gesuch der Knappenschützen an Kaiser Franz Josef um Vereinsumbildung vom 28. 10. 1912, unterzeichnet vom Vorstand Romed Plank.

[1172] Protokollbuch 1912–14. – Gruppenfoto der Fahnensegnung am 20. 07. 1913, Privatbesitz Gracher.

[1173] Drei Journalbücher der Knappenschützengesellschaft von 1933 bis 1943.

[1174] Vereinsfahne der Weihnachtsschützen von 1931 und Gruppenfoto der Fahnenweihe am 15. 08. 1931 aus Privatbesitz Gracher.

[1175] Salzbergbau Dürrnberg, Schützenbuch der privaten Schützengesellschaft Dürrnberg von 1885.

[1176] Kassabuch der Dürrnberger Weihnachtsschützen von 1949.

[1177] Kassabuch der Dürrnberger Weihnachtsschützen von 1949.

[1179] Pfarrarchiv Dürrnberg, HS: [Lackner Kirchengeschichte].

[1180] SLA, Pfleg Werfen 2 (1776–1810), Rep. 21–11/47 (188), Fach 38, Bund 9/Nr. 561/Karton 291, Verbot vom 04. 12. 1781. Dieses und das nachfolgende Gesetz von 1807 wurde von Frau Mag. Gerda Dohle im SLA gefunden und freundlichst zur Verfügung gestellt.

[1181] SLA, Pfleg Werfen 2 (1804–1807), Rep. 21–11/47 (188), Karton 294, Verbot vom 09. 03. 1807, ausgegeben durch die k. u. k. gross Landesregierung, Salzburg.

[1182] Vgl. [Hellmuth 1998]: er weist auf die Übernahme von (bergmännischen) Bräuchen in das bürgerliche Kulturleben der Stadt Hallein hin.

[1183] Gruppenfoto der reorganisierten Weihnachtsschützen von 1936, Privatbesitz Gracher. – Vgl. [Kammerhofer-Aggermann 1993a] und [Kammerhofer-Aggermann 1993b], bes. S. 67 f.

[1184] Sicherheitsdirektion für das Bundesland Salzburg, Z: VB-5129/63.

[1185] Für Beratung, Auskünfte und Überlassung von Unterlagen danke ich herzlich: Herrn HR DI Romedius Brandner (1911–1996) für die Überlassung des Nachlasses von Romed Plank (1874–1949), Familie Josef und Gerda Gracher für Gruppenfotos, Herrn DI Dr. h. c. Ernst Penninger (1920–1995), Frau Maria Ebner, Herrn Kilian Neureiter (1879–1966), Herrn Leonhard Glattharr, Bregenz und dem Salzbergbau Dürrnberg für die Überlassung des Schützenbuches von 1885.

This document was generated 2019-11-28 15:36:10 | © 2019 Forum Salzburger Volkskultur | Impressum