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5.6. Perchtenaufnahmen im Nachlass von Richard Wolfram (Andrea Bleyer)

5.6.1. Kurztext

5.6.1.1. Fotomaterial im Umfeld des „Ahnenerbes“

Die Aufnahmen der Pongauer Perchtenläufe von 1939, 1940 , 1942 und 1944 fallen zeitlich in das Umfeld, als Richard Wolfram für das „Ahnenerbe der SS Heinrich Himmlers“ tätig war. Innerhalb des „Brauchtumbereiches“ hatte das Perchtenwesen einen besonderen Stellenwert und wurde bis 1943/44 besonders gefördert.[1422] Vor diesem Hintergrund muss das Fotomaterial auch betrachtet werden.

Der Aspekt der Dokumentation stand bei den Fotos des SS-Ahnenerbes im Vordergrund. Richard Wolfram bemühte sich, Bräuche persönlich mitzuerleben, und fertigte dabei Fotografien und Filmaufnahmen an. Beschriftungen der Fotos sind – wenn überhaupt – nur spärlich vorhanden, da die Fotos für sich selbst sprechen sollten. So fehlen auch wertende Erklärungen. Eine erkennbare Inszenierungsabsicht findet sich in den Aufnahmen nicht, dennoch fügen sich die Fotos in die Programmatik des mythischen Ideologismus ein, Stimmungsbilder einer Veranstaltung, die das germanische Erbe zeigen sollten.[1423]

5.6.1.2. Der Gasteiner Perchtenlauf

Die Perchtenaufnahmen von Richard Wolfram aus den Jahren 1936, 1940, 1944 und 1962 zeigen auf der einen Seite die teilnehmenden Akteure und geben Einblick in Organisation und Ausführung, auf der anderen Seite versuchen sie auch, die Atmosphäre der Veranstaltung einzufangen. So wurde nicht nur der Umzug an sich fotografiert, sondern ebenso die Vorbereitungen des Sammelns und Ankleidens unmittelbar davor.

„Porträtaufnahmen“, die Perchten und Begleitpersonen in ihren Kostümen zeigen, sind gleichermaßen dargestellt wie „Aktionsszenen“, die vor allem dann einen zusätzlichen interessanten Aspekt bekommen, wenn Zuschauer in das Geschehen eingebunden sind.

Das Interesse für das Detail kommt einerseits bei Porträtaufnahmen, andererseits bei Figuren mit und ohne Gesichtsmasken zum Ausdruck. Das wissenschaftliche Interesse Wolframs zeigt sich auch darin, dass nicht nur die Vorderseite, sondern ebenso die Rückseite einiger Figuren Beachtung findet. Eine Veränderung der Wertigkeit in Bezug auf die Motive zwischen 1936 und 1944 kann nicht festgestellt werden.

5.6.1.3. Perchtenaufnahmen

Die Perchtenaufnahmen aus dem Wolfram-Nachlass sind aus mehrfacher Hinsicht interessantes Material. Es handelt sich bei den Aufnahmen um eine naturalistische Darstellung des Brauches ohne mythische Entrückung, wobei das Festhalten von Spielszenen ein wesentlicher Aspekt ist.

Die Fotos sind auf der einen Seite Dokumente, die die politische Instrumentalisation von Bräuchen zur Volkstumspflege aufzeigen – dementsprechend kritisch müssen sie an ihrem Entstehungsumfeld gemessen werden.

Auf der anderen Seite sind sie im Vergleich mit anderen Perchtenaufnahmen jener Zeit eine einzigartige Dokumentation zur Entwicklung dieser Bräuche wie auch des darauf zielenden öffentlichen Interesses in Salzburg. In diesem Sinne sind die Fotos Materialien zur Zeitgeschichte, deren vielschichtige Aussagekraft präsent sein sollte.

5.6.2. Langtext

5.6.2.1. Bestandsaufnahme

Das Salzburger Landesinstitut für Volkskunde ist – 1986 per Legat und 1996 de facto – mit dem Gesamtnachlass von Richard Wolfram auch in den Besitz eines umfangreichen Bildnachlasses gekommen. Dieser Bestand, dessen Systematisierung derzeit noch ausständig ist, beinhaltet auch Fotomaterial über Perchten. Nicht bei allen Fotos, Dias und Serien kann der Urheber mit Sicherheit festgestellt werden. Neben Richard Wolfram, der sich zu einem großen Teil selbst als Fotograf betätigte, scheinen Bruno Kerschner sowie Luise Hess und Karl Fiala[1424] – als ehemalige Mitarbeiterin bzw. Arbeitspartner – als Urheber der Fotos auf. Bei den zahlenmäßig umfangreichen und qualitativ guten Aufnahmen des Salzburger Fotografen Bruno Kerschner konnte bisher noch nicht ausgemacht werden, auf welchem Weg dieser Bestand in die Sammlung Wolfram gekommen ist.

Die Ordnung und Systematisierung gestaltet sich in vielen Fällen als schwierig, da die Foto- und Diabestände wenig innere Ordnung aufweisen und Beschriftungen häufig fehlen. Damit ist nicht nur gemeint, dass Bestände verschiedenen Inhalts vermischt sind, sondern auch ein Großteil der Perchten-Dias, die zwar fortlaufend gereiht sind, in sich keine Ordnung haben. Da der Bestand aus Mangel an Infrastruktur noch nicht aufgearbeitet ist, könnten sich in weiterer Folge Änderungen ergeben.

Das Fotomaterial zur Perchtenthematik wurde in verschiedenen salzburgischen Ortschaften, zum Teil über mehrere Jahre hinweg, aufgenommen. Diese Fotoserien bieten eine Fülle an Information zur Perchtenforschung. Aufnahmen desselben Ereignisses in verschiedenen Jahren erlauben die Möglichkeit eines Vergleichs. Das Material umfasst Pinzgauer Masken, Perchtenläufe in Gastein, St. Johann im Pongau und Unken, Perchtentänze der Tresterer und Stelzperchten, Brotperchten und Scherzzieher aus Piesendorf sowie Schnabelperchten aus Rauris. Einen umfangmäßigen Schwerpunkt bilden die Aufnahmen des Gasteiner Perchtenlaufes, die in den Jahren 1936, 1939/1940, 1944 und 1962 entstanden sind. Die Fotos des Perchtenlaufes von 1936 fanden anlässlich der 500 Jahr-Feier Bad Gasteins statt.

5.6.2.2. Fotomaterial im Umfeld des „Ahnenerbes“

Die Aufnahmen der Pongauer Perchtenläufe von 1939, 1940, 1942 und 1944 fallen zeitlich in das Umfeld, als Richard Wolfram für das „Ahnenerbe der SS Heinrich Himmler“ tätig war. Das Perchtenwesen hatte innerhalb des „Brauchtum-Bereiches“ einen besonderen Stellenwert und wurde bis 1943/44 besonders gefördert.[1425] Vor diesem Hintergrund soll das Fotomaterial auch betrachtet werden.

Die Aufgabe der 1935 von Heinrich Himmler gegründeten Forschungsvereinigung „Ahnenerbe“ war es, die nationalsozialistische Ideologie historisch zu begründen und durchzusetzen und das germanische Erbe aufzuarbeiten.[1426] Die Volkskunde fand im Ahnenerbe ein ergiebiges Arbeitsgebiet, indem sie in Lehr- und Forschungseinrichtungen des Ahnenerbes sowie in der Veröffentlichung von Beiträgen in wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Zeitungen der SS tätig wurde.[1427] Richard Wolfram war zwischen 1938 und 1945 Leiter der „Lehr- und Forschungsstätte für germanisch-deutsche Volkskunde“, die zunächst in Salzburg und nach Kriegsbeginn zusätzlich in Wien angesiedelt war. Zudem wurde Wolfram 1939 zum Professor für germanisch-deutsche Volkskunde in Wien ernannt. Eine der Mitarbeiterinnen in Salzburg war Dr. Luise Hess in der Zeit vom Frühjahr bis Sommer 1939.[1428]

Der Aspekt der Dokumentation stand bei den Fotos des SS-Ahnenerbes im Vordergrund. Die Film- und Fotodokumentation des Ahnenerbes war geleitet von einer visuellen Programmatik des Nazismus und war symbolmotivische wie auch politische Arbeit.[1429] Wolfram bemühte sich, Bräuche persönlich mitzuerleben und fertigte dabei Fotografien und Filmaufnahmen an. Für ihn war Fotografieren eine Möglichkeit, das zu dokumentieren, was durch Worte und Texterfassung nur unzulänglich möglich gewesen wäre. Er versuchte das „Eigentliche einer Kultur“ – aus persönlicher wie ideologischer Sicht – einzufangen.[1430] Da die Fotos zudem für sich selbst sprechen sollten, sind sie nur sparsam oder gar nicht beschrieben – das trifft nicht nur auf die Perchten-Serien zu, sondern auf den gesamten Bildnachlass im Landesinstitut für Volkskunde. Wertende Erklärungen fehlen. Eine erkennbare Inszenierungsabsicht findet sich in den Aufnahmen nicht, dennoch fügen sich die Fotos in die Programmatik des mythischen Ideologismus ein, Stimmungsbilder einer Veranstaltung, die das germanische Erbe zeigen sollten.[1431]

5.6.2.3. Bestandsübersicht

  • Krimml: Masken

  • Rauris: Masken, Nikolaus 1946

  • Tresterer

  • Piesendorf: Brotperchten und Scherzzieher, um den Ersten Weltkrieg

  • Schnabelpercht in Rauris 1947

  • Unken: Perchtenlauf 1949

  • Perchtenlauf anlässlich der 500 Jahr-Feier von Gastein im Juni 1936

  • Gastein: Perchten 1939[1432]

  • Gasteiner Perchtenlauf am 6. Jänner 1940[1433]

  • Gasteiner Perchtenlauf 1944

  • Gastein: Perchtenlauf, undatiert (vermutlich 1940er-Jahre)

  • Gasteiner Perchtenlauf 1962

  • Perchtenlauf in St. Johann am 8. Jänner 1939[1434]

Dias gerahmt:

  • Gasteiner Perchtenlauf und Perchtenlauf in St. Johann im Pongau, undatiert

  • Masken u. a.

  • Unken

  • Tresterer

  • Rauris

  • St. Johann im Pongau: Perchtenlauf 1939 (zumindest Teile decken sich mit Motiven der Wolfram-Aufnahmen)

  • Gastein: Perchtenlauf, undatiert

  • Bischofshofen: Perchten, undatiert

  • Rauris: Perchtenlauf, undatiert

5.6.2.4. Der Gasteiner Perchtenlauf

Exemplarisch für die Perchtenaufnahmen von Richard Wolfram sollen die Fotoserien der Gasteiner Perchtenläufe aus den Jahren 1936, 1940, 1944 und 1962 beschrieben werden. Diese Abbildungen stellen ein umfangreiches Bild der Perchtenläufe dar. Sie zeigen nicht nur die teilnehmenden Akteure und geben Einblick in Organisation und Ausführung, sondern sie versuchen auch, die Atmosphäre der Veranstaltung einzufangen. Ein interessanter Aspekt zeigt sich darin, dass nicht nur der Umzug an sich fotografiert wurde – „das fertige und präsentierbare Endprodukt“ –, sondern ebenso die Vorbereitungen des Sammelns und Ankleidens unmittelbar davor. In dieser Weise unterscheiden sich die Serien von Richard Wolfram von denen gewerblicher Fotografen.

„Porträtaufnahmen“, die Perchten und Begleitpersonen in ihren Kostümen zeigen, sind gleichermaßen dargestellt wie „Aktionsszenen“, die vor allem dann einen zusätzlichen interessanten Aspekt bekommen, wenn Zuschauer in das Geschehen eingebunden sind. So raubt der Schneider einem Mann aus dem Publikum mit der Streckschere den Hut, der Scherenschleifer preist seine Waren an, der Jäger, der Wilderer und eine Hexe balgen sich auf der Straße und eine Schnabelpercht tanzt mit einer Frau aus den Reihen der Zuschauer. Eine Schiachpercht und ein Hanswurst haben sich eine junge Frau geangelt und der Rösslreiter reitet auf seinem Holzpferd, während er mit seiner Peitsche schnalzt. Spektakuläre Szenen zeigen der Baumwercher, der auf Häusern in beachtlichen Höhen herumkraxelt, und der Kaminkehrer, der – auf einem Dach stehend – Schnee in den Kamin kehrt.

Das Interesse für das Detail kommt zum einen bei Porträtaufnahmen, zum anderen bei Figuren mit und ohne Gesichtsmasken zum Ausdruck. Beispiele hierzu wären der Bärentreiber mit dem Bären, eine Schönpercht mit Begleiterin, das Körblmandl und der Scherenschleifer. Bei einigen Figuren fand nicht nur die Vorderseite, sondern auch die Rückseite Beachtung. So wurden die großen Rollen einer Schiachpercht und das Traggestell einer Kappenpercht fotografiert. Hier zeigt sich auch das wissenschaftliche Interesse Wolframs, eine Gesamtdokumentation zu erstellen.

Ein immer wiederkehrendes Motiv ist der Tanz der Schönperchten. Eine Folge von zwölf Fotos zeigt die Abfolge des Tanzes mit der spielenden Musikkapelle. Die Schönperchten stellen sich nahe einem Bauernhof „zum Tanz auf“, erweisen den Bewohnern und Besuchern mit einer Verneigung „ihre Reverenz“ und beginnen zu tanzen.

Eine Veränderung der Wertigkeit in Bezug auf die Motive zwischen 1936 und 1944 kann nicht festgestellt werden. Es ist allerdings auch nicht schlüssig, ob Negative und Abzüge fehlen und wenn ja, wie viele, da die Serien nicht unbedingt vollständig sein müssen. Die Nummerierung der Negative legt eine derartige Vermutung nahe. Die Aufnahmen aus dem Jahr 1962 sind von einer wesentlich schlechteren Qualität, was vorwiegend das verwendete Material betrifft. Die Farbdias sind mittlerweile stark rotstichig und haben wesentlich weniger Tiefe als die Schwarzweißfotos aus den Jahren 1936 bis 1944. Die Motive sind sehr ähnlich, aber mit weniger Details.

5.6.2.5. Fotomaterial und schriftlicher Nachlass

Es handelt sich bei den Aufnahmen um eine naturalistische Darstellung des Brauches ohne mythische Entrückung des Geschehens, im Gegensatz zu den Schwerttanz-Serien, bei denen diese mythische Entrückung inszeniert ist. Die Auswahl der Motive ist weder wertend noch selektierend. Es stellt sich die Frage, ob es Wolfram um die Dokumentation eines lebendigen Brauches oder um eine museale Dokumentation geht. Im Gegensatz zur heutigen Pressefotografie, die vorwiegend statische Aufnahmen zeigt, liegt bei Wolfram ein wesentlicher Aspekt im Festhalten von Spielszenen. Es ist denkbar, dass es hier einen Zusammenhang mit einem Forschungsschwerpunkt Wolframs, dem Volksschauspiel, gibt. Ebenso kann das Forschungsthema Trachtenforschung und -dokumentation in den zahlreichen Porträt- und Detailaufnahmen der Kostüme ausgemacht werden.

Im schriftlichen Nachlass finden sich Berichte der Perchtenläufe von St. Johann im Pongau (1939) und Gastein (1940).[1435] In St. Johann machte Wolfram 1939 laut eigenen Aufzeichnungen 180 Leicaaufnahmen und 45 Farbaufnahmen,[1436] zusätzlich waren etwa 36 Fotografen und fünf Filmgesellschaften anwesend, die Wolfram als „störendes Element“ empfand. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu klären, welchen Grund es für einen solchen Andrang an Fotografen und Filmgesellschaften gegeben hat. Zum einen ist offen, ob und wenn ja, welche Funktion das „Ahnenerbe“ dabei gehabt hat, zum anderen kann die Position Wolframs nicht eindeutig geklärt werden.

Neben der Beschreibung der Reihenfolge der Teilnehmergruppen, der Darsteller und des Perchtenlaufes finden sich auch Textpassagen, deren Ursprung im Einfluss der „Wiener Mythologischen Schule“ zu suchen sind und die die mythisch-magischen Wurzeln des Perchtenbrauches zeigen sollen.[1437] Wolfram spricht bewertend von den Vorbereitungen für den Lauf „bis ins Kleinste genau nach dem alten Herkommen“ und von der „Reinheit der Überlieferung“, auf die in St. Johann besonders geachtet worden sei, während die „Brauchtumsträger“ in Gastein bereits vom Fremdenverkehr „angekränkelt“ seien. Der Brauch sollte auch, wie seit jeher, nur von den Bauern (vgl. die Selbstdefinition der Nationalsozialisten als Bauernvolk!) ausgeführt werden, da hier „noch dunkle Ahnungen von der einstigen Bedeutung als Unterton mitschwingen“. Im Bericht wird auch die drohende Abschaffung des Feiertages am 6. Jänner besprochen, die dazu führen würde, dass die „urtümlichsten Bräuche aus germanischer Überlieferung“, gefährdet wären.

Die Beschreibung des Gasteiner Perchtenlaufes[1438] von 1940 enthält vorwiegend eine Darstellung des Perchtenzuges. In der kurzen Einleitung dieses Berichts sind die Wurzeln der Wiener Mythologischen Schule unverkennbar. Wolfram schreibt „vom Glauben an die dämonische Besessenheit der Maskenträger, einem Urrest einer früheren Kulturstufe, der noch gar nicht solange verloschen sei“ oder auch „der Perchtentag – der 6. Jänner – ist von alters her Tag für die Umzüge seltsam maskierter Menschen im Salzburger Gebirgsland“.

Das persönliche Interesse und die Wertigkeit des Perchtenbrauches für Wolfram wird in der Beschreibung einer Filmaufnahme des Gasteiner Perchtenlaufes, die nachträglich – vermutlich ab Ende der 1970er-Jahre – verfasst wurde, deutlich: „Das Gasteiner Perchtenlaufen ist äußerlich und der inneren Haltung nach einer der großartigsten Bräuche Österreichs.“[1439] Hinweis auf die Zeit, in der jener Bericht verfasst wurde, geben sowohl das verwendete Briefpapier wie auch ein Literaturzitat am Ende des Berichts. Wolfram war zu dieser Zeit bereits pensioniert. Hier wurden nicht mehr mythische Ursprünge aufgezeigt, sondern lediglich eine Beschreibung des bestehenden Brauches verfasst, auch wenn die Terminologie der NS-Zeit noch vielfach vorhanden ist. Diese Tendenz zeigt sich bereits im Bericht vom Perchtenlauf in Bischofshofen aus dem Jahr 1950,[1440] als es nicht mehr notwendig war, den Perchtenlauf für nationalsozialistische Zwecke zu instrumentalisieren.

Die Perchtenaufnahmen aus dem Wolfram-Nachlass sind aus mehrfacher Hinsicht interessantes Material. Sie sind auf der einen Seite Dokumente, die die politische Instrumentalisation von Bräuchen zur Volkstumspflege aufzeigen – dementsprechend kritisch müssen sie an ihrem Entstehungsumfeld gemessen werden. Auf der anderen Seite sind sie im Vergleich mit anderen Perchtenaufnahmen jener Zeit eine einzigartige Dokumentation zur Entwicklung dieser Bräuche wie auch des darauf zielenden öffentlichen Interesses in Salzburg. In diesem Sinne sind die Fotos Materialien zur Zeitgeschichte, deren vielschichtige Aussagekraft präsent sein sollte.[1441]



[1422] [Haas 1996b], hier S. 369.

[1424] Karl Fiala war Leiter der „Arbeitsgemeinschaft für Sippenforschung und Sippenpflege“ (gegründet im November 1938) und seit 1938 Leiter des „Gauamtes für Rassenpolitik“. Vgl. [Kerschbaumer 1996b], hier S. 266.

[1425] [Haas 1996b], hier S. 369: Interview mit Friederike Prodinger.

[1426] [LixfeldG 1994], hier S. 219.

[1427] [LixfeldG 1994], hier S. 227.

[1428] [Kerschbaumer 1996b], hier S. 271 f.

[1432] Diese Datierung deckt sich nicht mit den offiziell durchgeführten Perchtenläufen von 1936, 1940 und 1944. Folgende Rückschlüsse ergeben sich daraus: 1) Der Perchtenlauf findet an zwei Tagen statt: am 6. Jänner und am Sonntag davor, der somit im „alten“ Jahr sein konnte. 2) Die Datierung ist falsch. 3) Die Aufnahmen wurden im Rahmen einer politischen Veranstaltung inszeniert oder die Perchten wurden im Auftrag des Ahnenerbes lediglich zum Fotografieren vorgeführt. 4) Für die Produktion von Postkarten wurden 1939 Szenen aus dem Lauf nachgestellt, die Postkarten erschienen jedoch zum Perchtenlauf 1940. Freundliche Auskunft von Franz Hochwarter am 24. September 2001. Siehe dazu: [Hochwarter 2001]. – Die Serie, die laut Beschriftung unvollständig sein muss (Blatt 11–13), zeigt Einzelaufnahmen der Akteure sowie Ausschnitte des Umzugs.

[1433] Vgl. SLIVK, Nachlass Richard Wolfram, Schriftlicher Nachlass, Schuber 49/W49/BA10-Sbg/10: Wolfram, Richard: Bericht über den Perchtenlauf am 6. und 7. I. 1940 im Gasteiner Tal. – SLIVK, Nachlass Richard Wolfram, Schriftlicher Nachlass, Schuber 43/W43/BA4-Sbg/4: (vermutlich Ende 1970er-Jahre nachträglich verfasster) Bericht zur Filmaufnahme: Das Perchtenlaufen in Gastein. Aufgenommen am 7. I. 1940.

[1434] Vgl. SLIVK, Nachlass Richard Wolfram, Schriftlicher Nachlass, Schuber 50/W50/BA11-Sbg/11: Wolfram, Richard: Das Perchtenlaufen in St. Johann i. P. am 8. Jan. 1939.

[1436] Einschließlich der Aufnahmen vom Ebenseer Glöcklerlauf.

[1437] Perchtenforschung im Allgemeinen war Schwerpunkt im Werk Wolframs, was seine Begründung wahrscheinlich in seiner Herkunft aus der Wiener Mythologischen Schule hat, deren Ziel es u. a. war, mythisch-magische Hintergründe von Bräuchen zu suchen; siehe [Kammerhofer-Aggermann 1998d], hier S. 312.

[1438] Vgl. SLIVK, Nachlass Richard Wolfram, Schriftlicher Nachlass, Schuber 49/W49/BA10-Sbg/10: Wolfram, Richard: Bericht über den Perchtenlauf am 6. und 7. I. 1940 im Gasteiner Tal.

[1439] SLIVK, Nachlass Richard Wolfram, Schriftlicher Nachlass, Schuber 43/W43/BA4-Sbg/4: (vermutlich Ende 1970er-Jahre nachträglich verfasster) Bericht zur Filmaufnahme: Das Perchtenlaufen in Gastein. Aufgenommen am 7. I. 1940.

[1440] Vgl. SLIVK, Nachlass Richard Wolfram, Schriftlicher Nachlass, Schuber 48/W48/BA9-Sbg/9: Wolfram, Richard: Kundfahrtbericht, 06. 01. 1950. Perchtenlauf in Bischofshofen, veranstaltet von den „Hochgründeckern“.

[1441] An dieser Stelle sei Dr. Ulrike Kammerhofer-Aggermann für die fachliche Betreuung herzlich gedankt.

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