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5.7. Die Gasteiner Perchtengeschichte (Horst Wierer)

5.7.1. Kurztext[1442]

5.7.1.1. Die Entwicklung des Gasteiner Perchtenlaufes im 18. und 19. Jahrhundert

Erzbischof Firmian verfügte 1730 erstmals ein Auftrittsverbot der Perchten im Erzbistum Salzburg, das 1787 von Erzbischof Colloredo erneuert wurde. Die Einhaltung des Verbotes wurde von der Obrigkeit beaufsichtigt. Dennoch gelang es kleineren Perchtengruppen immer wieder, in der Nacht und im Geheimen die Läufe durchzuführen. Trotzdem verschwand das Perchtentreiben im 18. Jahrhundert weitgehend. Nur in Rückzugsgebieten, wie im Gasteinertal, blieb der Brauch in eingeschränkter Form erhalten. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Verbote aufgehoben und die Perchtenläufe wieder am Tag durchgeführt.

1837 besuchte Kaiser Ferdinand I. Gastein. Danach nahmen die Perchten einen hohen Stellenwert ein, und die Kappenträger wollten einander durch noch größere und prächtigere Kappen übertrumpfen. Diese Entwicklung wurde besonders unter Perchtenhauptmann Johann Niederreiter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gefördert. Die meisten der heute verwendeten Kappenformen stammen aus dieser Zeit. Die große Aufwertung der Perchten erfolgte aber vor allem durch das Erwachen nationaler Strömungen ab ca. 1850.

5.7.1.2. Die Gasteiner Perchten im 20. Jahrhundert

Der Gasteiner Perchtenlauf findet alle vier Jahre in den Gemeinden Bad Gastein und Bad Hofgastein an zwei Tagen statt. Die Teilnehmer sind ausschließlich Männer. Sie haben pro Tag und Lauf eine Gehzeit von 9 bis 10 Stunden und eine Strecke von jeweils 14 bis 16 Kilometern zu bewältigen. Die Zusammenkunft der Perchtenläufer ist jeweils um 6:30 Uhr. Nach Adjustierung der Figuren, Kontrolle und Zählappell werden die Perchtenläufer durch den Hauptmann zur Einhaltung der Perchtenordnung und zur Meidung von übermäßigem Alkoholgenuss angehalten. Der Zug setzt sich um ca. 7:30 Uhr in Bewegung, bei der Auflösung des Zuges ist es etwa 18 Uhr.

Am ersten Tag – dem Sonntag vor dem Dreikönigstag – wird der Perchtenzug von Bad Gastein bis nach Badbruck/Kötschachdorf geführt. Am zweiten Perchtentag, dem Dreikönigstag, führt die Strecke von Bad Gastein/Kötschachdorf über Remsach und Gadaunern ins Zentrum von Bad Hofgastein. Bei den Perchtenläufen werden keine Eintrittsgelder kassiert. Auch werden nicht nur die Tourismuszentren, sondern alle Ortschaften mit überwiegend ländlicher Bevölkerung wie Badbruck, Kötschachdorf, Gadaunern usw. besucht.

Bis in die 1920er-Jahre nahmen fast nur Perchtenläufer aus dem Kötschachtal, Kötschachdorf und Remsach, meistens aus dem bäuerlichen Umfeld, teil. Derzeit ist das Verhältnis zwischen Teilnehmern aus Bad Gastein und Bad Hofgastein ziemlich ausgeglichen. Die Teilnehmerzahl hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark vergrößert: 1944 nahmen 58 Personen teil, bis 1998 hat sich diese Zahl auf 137 Mitwirkende erhöht.

5.7.2. Langtext[1443]

Die Perchten, geheimnis- und sagenumwobene Gestalten, sind seit Urzeiten in der Gedankenwelt der Menschen vorhanden. Die mir schon oft gestellte Frage: „Seit wann gibt es in Gastein Perchten?“ möchte ich hiermit zu klären versuchen. Bei der Lösung dieser Frage sind zwei Begriffe zu unterscheiden:

5.7.2.1. Die Perchten als mythologische und nicht greifbare Wesen

Die Menschen zu allen Zeiten glaubten an überirdische Kräfte, die ihr Leben beeinflussen. Sie bauten sich ein Weltbild voller Geister und Dämonen auf, die ihnen Gutes, aber auch Böses wollten und damit ihr Leben prägten. Da auch heute noch, in unserer aufgeklärten Zeit, jeder Mensch von mehr oder weniger unheimlichen und beunruhigenden Vorgängen beeinflusst wird (Krankheit, Zukunftsängste, Lebensängste im Allgemeinen), kann man es den Menschen früherer Zeiten nicht verdenken, dass sie sich eine Welt, beherrscht von Dämonen, aber auch von guten Geistern aufbauten und vorstellten. Ob diese Dämonen – in den germanisch besiedelten Gebieten Bercht, Trud, Schrat usw. genannter Wesen – nur in der Vorstellung vorhanden waren oder auch als Figuren dargestellt wurden, weiß man nicht.

5.7.2.2. Die Perchten als dargestellte Figuren

Zur Besänftigung dieser für die Menschen so bedrohlich und unheimlich wirkenden Geisterwelt wurden Kostümierungen verwendet. Die ersten schriftlichen Hinweise darauf finden wir beim Übergang von den Naturreligionen zum Christentum beim berühmten Kirchenlehrer Augustinus (354–430) sowie bei Caesarius von Arles (um 470–542). Ersterer schreibt von wunderlichen Vermummungen: „Sie [Anm.: gemeint sind die Menschen] hüllen sich in Tierfelle und setzen Tierhäupter auf, damit ward gezeigt, dass nicht nur ihr Kleid sondern auch ihr Sinn tierisch sei.“ Caesarius von Arles schreibt in seinem Sermo 192 von einem Hirsch, von Tierfellen und Tiermasken. Weiterhin führt er aus: „Andere kleiden sich in Felle von Vieh, andere setzen sich Köpfe wilder Bestien auf, sie vergnügen sich und springen herum, so als ob sie sich in wilde Tiere verwandelt hätten und Menschen sich nicht zeigen sollten.“

In diesen ältesten schriftlichen Hinweisen auf Verkleidungen, welche immer um das Epiphaniasfest (6. Jänner) durchgeführt werden, finden wir aber kein Dokument, welches die Bezeichnung Percht oder eine Abwandlung dieses Namens trägt. Die früheste Erwähnung einer „Giperchtennacht“ findet man in Glossen aus Mondsee, die man ins 11. bis 12. Jahrhundert datiert. Es wird hier die Giperchtennacht mit dem Tag bzw. Abend und der Nacht vor Epiphanias, dem Tag an dem die Erscheinung Christi gefeiert wird, angegeben. In der die Zeit zwischen 1250 und 1309 umfassenden Reimchronik des Ottokar von Steiermark wird der Perchtentag ebenfalls erwähnt. Es heißt dort: „Do der obrist Tag kam, den wir den perhtag nennen hie.“

In der vom Südtiroler Hans Vintler geschaffenen und 1486 erschienenen Handschrift mit Inkunabeln werden bereits „Frau Perchta mit der langen nas“ sowie teufel- und schnabelperchtenähnliche Figuren dargestellt. Diese auf die Dämonenwelt des Mittelalters hinweisenden Figuren, welche bei Umzügen und Festen in schönen und auch schiachen Gestalten umherzogen, waren in weiten Teilen Europas verbreitet. Durch die überaus beliebten, von der Kirche unterstützten Nikolo-, Weihnachts- und Volksspiele des 16. und 17. Jahrhunderts wurden sehr viele Figuren aus dem bäuerlichen Alltagsleben, wie Handwerker, Händler, Jäger und Wilderer, in diese, immer katechetisch wirkenden Volksstücke eingebracht.

Als Wiege dieser Volks- und Lehrspiele kann man Nord- und besonders Südtirol betrachten. Die vielen farbenfrohen, prächtig gekleideten Umzugsgestalten können ihren mediterranen Ursprung nicht verleugnen. Über Südtirol gelangten diese Figuren nach Nordtirol. Bedingt durch die von Erzbischof Leopold Firmian in den Jahren 1731 bis 1745 erzwungene und durchgeführte Emigration der einheimischen protestantischen Bevölkerung, wurden von ca. 4.100 Einwohnern im Gasteinertal 659 Personen zum Verlassen des Tales gezwungen. Bedingt durch diesen Aderlass war es unbedingt notwendig, neue Bewohner ins Tal zu holen. Die Auswahlkriterien waren äußerst streng. Salzkammergütler, Kärntner sowie viele andere waren – „da zuwenig fest im Glauben“ – vollkommen ausgeschlossen. Nur Bayern und vor allem Tiroler waren willkommen. Diese bekamen nach eingehender Glaubensprüfung leer stehende Bauernhöfe zu besonders kulanten Bedingungen. Diese zugewanderten Tiroler brachten die Umzugs- und Fasnachtgestalten ihrer Heimat ins Gasteinertal mit. So sind mit ihnen die Schönperchten, der Ölträger, der Baumwerker und viele andere Figuren zu uns gekommen.

Eine weitere, bis heute nicht genau erforschte Beeinflussung des Perchtenlaufes erfolgte mit Sicherheit durch den jahrhundertelang betriebenen Saumhandel über die Pässe der Alpen. Von der Schweiz bis zu den Hohen Tauern wurde reger Handel betrieben, der für viele – vom Schmied bis zu den Bauern, die Pferde und Ställe gegen Entgelt zur Verfügung stellten – eine Einnahmequelle war. Mit dem Austausch von Gütern kamen aber auch Gedanken und Bräuche des Südens zu uns. Ein typisches Beispiel dafür sind die bekannten Bad Ausseer Flinserl, welche in der Faschingszeit auftreten. Sie sind ein Element des venezianischen Karnevals und wurden mit dem Saumhandel ins Salzkammergut gebracht. Heute erinnert man sich gerne dieser Verbindung und die Flinserl wurden bereits von der Stadt Venedig zum Karnevalsumzug eingeladen.

Zusammenfassend kann man davon ausgehen, dass die besonders bunten und farbenprächtigen Figuren des Gasteiner Perchtenlaufes aus dem Südtiroler und italienischen Raum über Nordtirol bzw. den Saumhandel zu uns gekommen sind. Es wäre sicher wünschenswert und eine zukünftige Aufgabe, genaue Forschungen über das Herkunftsgebiet einzelner Figuren anzustellen.

5.7.2.3. Die Entwicklung des Gasteiner Perchtenlaufes im 18. und 19. Jahrhundert

Im Jahre 1730 wurde von Erzbischof Firmian erstmals ein Auftrittsverbot der Perchten im Erzbistum, und damit auch in Gastein, verfügt. Erzbischof Hieronymus Colloredo erneuerte 1787 dieses Verbot. Da Gastein zu den Tälern mit dem höchsten Anteil an Evangelischen gehörte, war es nicht verwunderlich, dass hier die Rekatholisierung von der Kirche strengstens überwacht und die Einhaltung des Verbotes von Perchtenläufen von der Obrigkeit beaufsichtigt wurden. Trotzdem gelang es kleineren Perchtengruppen immer wieder, den Kontrollorganen ein Schnippchen zu schlagen. Insbesondere, da die Perchtenläufe nur mehr in der Nacht und unter besonderer Geheimhaltung durchgeführt wurden.

Im 18. Jahrhundert ließ das nachlassende Interesse der Bevölkerung an Perchtenläufen wie auch die ständigen Kontrollen und Bevormundungen das Perchtentreiben in weiten Teilen des Landes immer mehr verschwinden. Nur in Rückzugsgebieten, wie eben auch im fast abgeschlossenen Gasteinertal, blieb der Brauch in stark eingeschränkter Form erhalten. Aus dieser Zeit der ständigen Bedrohungen und Verfolgungen stammt auch die Bezeichnung „Perchtenlauf“, denn die Perchten mussten bei ihren nächtlichen Umzügen tatsächlich laufen, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Um die Zeit der Säkularisation, Anfang des 19. Jahrhunderts, wurden die Verbote aufgehoben und die Perchtenläufe wieder am Tag durchgeführt.

Als Perchtenläufer seit 1958 war es mein Hauptanliegen, über die Herkunft der Perchten im Allgemeinen wie auch über die Entwicklung der einzelnen Figuren Nachforschungen zu betreiben. Beim Lauf 1962 und auch noch 1966 nahm Herr Georg Weinig, vulgo Gori (1923–1986) aus dem Kötschachtal in Bad Gastein am Perchtenlauf teil. Gori Schorsch, der der bedeutendsten Perchtenfamilie im Gasteinertal entstammte und dessen Vorfahren bis ins 18. Jahrhundert Perchtenläufer waren, erzählte mir dazu:

„In unserer Familie wurde schon immer geperchtelt. Im 18. Jahrhundert waren die Teilnehmer hauptsächlich die Nachbarn aus dem Kötschachtal bzw. einige aus Kötschachdorf und Bad Bruck. Alle stammten von Bauern ab und es wurden fast nur Bauernhöfe aufgesucht. Unsere Familienmitglieder nahmen bereits beim Besuch Kaiser Ferdinands im Jahre 1837 teil. Anlässlich seines Besuches in Bad Gastein wurden – von der Gemeindevorstehung in Ermangelung anderer Attraktionen – die Kötschachtaler Perchten ersucht, vor dem Kaiser aufzutreten. Sie machten ihren Auftritt sehr gut, jedem Perchtenläufer wurde vom Kaiser wohlwollend gedankt und diese zum Essen und Trinken eingeladen. Dieses Ereignis war mit ein Grund, dass die Perchten mit einem Schlag aufgewertet wurden! Denn was einem Kaiser gefällt, kann so schlecht nicht sein. Die Kappen zu jener Zeit – so wurde es in unserer Familie weitergegeben – waren sehr klein. Sie wiesen nur eine Höhe von 30 bis 40 cm auf.“

Soweit die Ausführungen von Georg Weinig. Wir können daher davon ausgehen, dass bis ca. 1810/20 die Schönperchten auch im Gasteinertal ähnlich den Pinzgauer Schönperchten gekleidet waren. Die wahre Herkunft dieser – in weiten Teilen des Landes Salzburg verwendeten – Kappenform aus dem Tiroler Raum ist offensichtlich und auch für Laien nachvollziehbar. Zur besseren Organisation der nun größer werdenden Perchtenläufe wurde ab dieser Zeit auch die Nominierung eines Perchtenhauptmannes notwendig.

5.7.2.4. Der Besuch von Kaiser Ferdinand 1837 in Gastein und seine Folgen

Hauptsächlich bedingt durch den hohen Stellenwert, den die Perchten nach dem Kaiserbesuch einnahmen, wollte jeder Kappenträger den anderen übertrumpfen und eine neue Kappe – noch größer und schöner als die des Nachbarn – sein Eigen nennen. Besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts förderte Perchtenhauptmann Johann Niederreiter diese Wünsche der Perchtenläufer und animierte sie, immer größere und prächtigere Kappen zu bauen. Die meisten der heute verwendeten Kappenformen stammen aus dieser Zeit. Der ewige Wunsch des Menschen, besser als der andere sein zu wollen, war somit die eigentliche Wiege der Gasteiner Schönperchtenkappen. Bemerken möchte ich dazu, dass dieser Trend zu riesigen Kappen niemals abgerissen ist. Ich musste in meiner langen Zeit als Perchtenläufer feststellen, dass zum Teil Kappen gebaut wurden, die heute – ihres Gewichtes wegen – keinen Träger mehr finden.

Die große Aufwertung der Perchten erfolgte aber nicht nur durch den erwähnten Besuch des Kaisers in Gastein, sondern vor allem durch das Erwachen nationaler Strömungen ab ca. 1850. Jacob Grimm beschreibt 1853 die Erklärungen für Perchtengestalten in seiner Deutschen Mythologie. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm waren bekanntlich die Sammler deutscher Märchen. Mit der bereits zu dieser Zeit einsetzenden Begeisterung für die germanische Götter- und Sagenwelt wurden die Perchten zum Inbegriff für diese hochgejubelt.

In den in großer Zahl erschienenen Büchern zum Thema Perchten – von Viktor Waschnitius zu Richard Wolfram, Heinrich von Zimburg bis Kuno Brandauer, um nur einen ganz kleinen Teil der Autoren zu nennen – war man doch hauptsächlich bemüht, die germanischen Wurzeln der Perchten hervorzuheben. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Nachweis der germanischen Herkunft schließlich zum Dogma erhoben.

Andererseits glaubten viele Forscher, in den Perchten eine die Fruchtbarkeit fördernde Brauchhandlung zu erkennen und vertraten daher die Thesen eines Fruchtbarkeitskultes. Als Befürworterin dieser Richtung sei stellvertretend Marie Andree-Eysn genannt, die auch einen anschaulichen Bericht über den Perchtenlauf 1902 in Hofgastein lieferte. Erst in heutiger Zeit, wo alle Archive geöffnet werden, kann man die sich aus sehr vielen verschiedenen Strömungen und Einflüssen zusammensetzende Herkunft des Perchtenkultes besser verstehen lernen.

5.7.2.5. Die Gasteiner Perchten im 20. Jahrhundert

Mit Sicherheit nachgewiesene Perchtenläufe fanden in den Jahren 1898, 1902, 1907, 1912, 1922, 1928, 1936, 1940, 1944, 1948, 1951, 1955, 1958, 1962, 1966, 1970, 1974, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998 und am 30. Dezember 2001 (Bad Gastein–Bad Bruck) sowie am 6. Jänner 2002 (Bad Bruck–Bad Hofgastein) statt. Bis in die 20er-Jahre nahmen fast nur Perchtenläufer aus dem Kötschachtal, Kötschachdorf und Remsach, meistens aus dem bäuerlichen Umfeld, teil. Mitwirkende der Gemeinde Hofgastein finden sich bis in die 20er-Jahre kaum. Das Verhältnis zwischen Bad Gasteiner und Bad Hofgasteiner Teilnehmern ist derzeit ziemlich ausgeglichen. Leider melden sich aus Dorfgastein sehr wenige Männer, welche am Perchtenlauf Interesse finden, obwohl es dazu jederzeit die Möglichkeit gäbe.

Eine große Veränderung zeigt sich vor allem in der gestiegenen Zahl der teilnehmenden Perchtenläufer. Im Jahre 1944 nahmen 58 Personen, davon acht Kappenträger teil. Bis 1998 erhöhte sich diese Zahl auf 137 Mitwirkende, davon 30 Kappenträger. Anzumerken ist, dass bei der Vergabe von Funktionen im Perchtenlauf länger Teilnehmende ein Vorrecht gegenüber Jüngeren haben. Auch die Figuren der Gsellinen (Frauen) werden von Männern dargestellt. Beim Perchtenlauf in der Gastein – wie auch in allen anderen Perchtenorten – nehmen daher ausschließlich Männer teil. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in früheren Zeiten die Rollenverteilung der Geschlechter sehr streng gehandhabt wurde. So war es für Frauen im Regelfall z. B. nicht möglich, die Jagd auszuüben, Wirtshausbesuche zu machen usw.

5.7.2.6. Der heutige Ablauf des Perchtenlaufes in der Gastein

In der Zeit vor dem Hofgasteiner Kirchtag, der immer am 21. September durchgeführt wird, findet die Hauptversammlung der Gasteiner Perchtengruppe statt. Dieser Termin wird deshalb gewählt, um den Perchtenläufern einerseits genügend Zeit für eventuelle Reparaturarbeiten zu geben und andererseits, um am Kirchtag wichtige Personen zu treffen, von denen man gegebenenfalls Schmuckgegenstände, fehlende Gamsbärte usw. ausleihen könnte. Bei dieser Gelegenheit wurde auch schon so mancher junge Mann von einem Perchtenläufer angesprochen, um bei ihm als Gsellin (Nachtanzer) zu fungieren.

Früher war der Sammelplatz beim ehemaligen Reitlgut in Bad Gastein. Bei den heutigen Läufen finden sich die Teilnehmer am ersten Tag – dieser ist immer der Sonntag vor dem Heiligen Dreikönigstag – um ca. 6.30 Uhr am Sammelplatz beim Haus Silberkrug in Bad Gastein ein. Nach Adjustierung der einzelnen Figuren, Kontrolle und Zählappell durch den Hauptmann werden die Perchtenläufer durch diesen zur Einhaltung der Perchtenordnung und zur Meidung von übermäßigem Alkoholgenuss angehalten. Die Schiachperchten werden u. a. belehrt, ihre Larven während des ganzen Tages nicht abzunehmen. Dann setzt sich – nach einigen Probetänzen und Dankesreverenzen – um ca. 7.30 Uhr der Zug in Bewegung. Traditionell wird der Perchtenzug am ersten Tag von Bad Gastein bis nach Bad Bruck/Kötschachdorf geführt.

Am zweiten Perchtentag, dem Heiligen Dreikönigstag treffen die Teilnehmer zum noch anstrengenderen Perchtenlauf um 6.30 Uhr am Sammelplatz in Bad Gastein/Kötschachdorf beim Möbelhaus Sendlhofer ein. Die Strecke führt nun über Remsach und Gadaunern ins Zentrum von Bad Hofgastein. Seit 1994 übernimmt der Schäferhundeverein Gasteinertal unter Obmann Anton Moises (Brenner) die Bewachung der wertvollen Kappen und Ausrüstungsgegenstände in der Mittagspause.

Der Perchtenlauf findet alle vier Jahre in den Gemeinden Bad Gastein und Bad Hofgastein an zwei verschiedenen Tagen statt. Die Teilnehmer haben pro Tag und Lauf eine Gehzeit von neun bis zehn Stunden und eine Strecke von jeweils 14 bis 16 Kilometer zu bewältigen. Daher ist der Gasteiner Perchtenlauf für seine Mitwirkenden der anstrengendste und am längsten dauernde in Österreich. Die Zusammenkunft der Perchtenläufer ist jeweils noch bei Dunkelheit um 6.30 Uhr, bei Auflösung des Zuges durch den Hauptmann um ca. 18 Uhr ist es bereits wieder finster.

Im Gegensatz zu vielen ähnlichen Veranstaltungen in Österreich werden bei den Gasteiner Perchtenläufen keine Eintrittsgelder kassiert. Es werden auch nicht nur die Tourismuszentren, sondern auch – nach überlieferter Tradition – alle Ortschaften mit überwiegend ländlicher Bevölkerung, wie Bad Bruck, Kötschachdorf, Remsach, Gadaunern usw. besucht.



[1442] Kurzfassung von Andrea Bleyer.

[1443] Dieser Artikel des Gemeindearchivars Horst Wierer aus Bad Hofgastein stellt einen Auszug aus folgendem Buch dar: [Hochwarter 2001] (Verlag Franz Hochwarter St. Johann). © Alle Rechte vorbehalten! ISBN: [978-]3-9502097-7-8. Preis: € 35,97. Erhältlich bei: Buchhandlung Feichter, Bad Gastein; Kurverwaltung Bad Gastein; Trafik Ingrid Rainer, Bad Hofgastein; Foto Wolkersdorfer, Bad Hofgastein; Kurverwaltung Bad Hofgastein; Trafik Gstrein, Dorfgastein; Tourismusbüro Dorfgastein.

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