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7.3. Gespräch mit Harald Dengg

Prof. Harald Dengg (Leiter des Referates für Volkskultur im Amt der Salzburger Landesregierung von 1974 bis 2000, langjähriger Chorleiter des Salzburger Volksliedchores sowie langjähriger Vorsitzender des Salzburger VolksLiedWerkes) im Gespräch mit Verena Trifich

Welche Bedeutung hatte und hat für Sie das „Salzburger Adventsingen“ in der Vorweihnachtszeit?

Diese umfassende Fragestellung muss man etwas unterteilen, und zwar in die Bedeutung für die Stadt Salzburg, für den Tourismus, Bedeutung für das Adventgeschehen, für die Musik dieser Zeit und für die Mitwirkenden. Man muss auch unterscheiden zwischen Adventsingen früher und heute. In der Anfangszeit hat es kaum Volksmusik auf der Bühne gegeben, erst in der Nachkriegszeit. Volksmusik auf der Bühne war ein neuer Weg. Das Adventsingen ist von der Musik ausgegangen, um dem Publikum Weihnachtslieder näherzubringen. Das Adventsingen von Tobi Reiser Ende der 40er-Jahre hat mitgeholfen, dass Volksmusik wieder wichtiger geworden ist. Das Salzburger Adventsingen ist Vorbild geworden für eine Vielzahl von ähnlichen Veranstaltungen.

Das Salzburger Adventsingen hat einen eigenen Weg beschritten, der sich nur mehr zum Teil und sehr schwer hat nachmachen lassen. 1960 erfolgte die Umsiedlung in das Festspielhaus, das hat die Veranstalter herausgefordert, eine Verbindung von Volkskultur und Hochkultur zu schaffen. 1974 wurde Tobi Reiser d. Ä. von Tobi Reiser d. J. abgelöst. In die Aneinanderreihung von Lied und Musik mit dem Hirtenspiel hat man versucht, Bräuche einzufügen wie das Frautragen etc. Vor fünf Jahren war ein starker Schritt in Richtung Oper sichtbar. Meinem Empfinden nach ging das einen Schritt zu weit, man sollte eher wieder zum Ursprung finden.

Das Adventsingen hat klar dazu beigetragen, dass die Volksmusik in der Adventzeit sehr stark wieder belebt wurde. Für die Musikgruppen war das auch eine große Aufforderung. Salzburg hat dadurch in der Adventzeit auch sehr viel Tourismus bekommen.

Sie haben persönlich sehr intensiv mit Bräuchen und kulturellen Inhalten zu tun. Wie hat sich das ergeben?

Ich komme aus einer Familie, wo seit 200 Jahren das Volkslied eine große Rolle gespielt hat. Deshalb bin ich da hineingewachsen. In der Stelle als Referatsleiter für Volkskultur habe ich eine schöne Aufgabe gesehen.

Verstehen Sie sich eher als Hüter, Bewahrer, Weiterentwickler oder Neubegründer von Bräuchen, oder spielen – je nachdem – alle diese möglichen Zugänge bei Ihnen eine Rolle?

Als Weiterentwickler verstehe ich mich selber nicht. Ich war früher eigentlich überzeugt, dass das Volkslied im Jahr 2000 so nicht mehr existiert. Man hat aber dann gespürt, dass das Volkslied bei einem breiten Publikum Interesse weckt und man hat sich dadurch aufgefordert gefühlt, für diese Menschen vieles, wie zum Beispiel Kurse und Weiterbildungsveranstaltungen, anzubieten.

Wie verbringen Sie persönlich die Weihnachtszeit und Weihnachten?

Ich bin in die Adventsingzeit hineingewachsen und habe immer viel musiziert. In der Adventzeit war durch die Mitwirkung im Chor für mich nicht die Möglichkeit, den Advent sehr beschaulich zu verbringen. Ich habe aber versucht, diese Zeit schon bewusster zu nutzen, vor allem innerhalb der Familie und habe mich bemüht, dass die Kinder frühzeitig auch selber zum Musizieren finden. Heute finde ich, obwohl man den Kitsch in der Weihnachtszeit auch negativ sehen kann, trotzdem beachtlich, wie in der Stadt die Geschäfte und die Straßen geschmückt sind. Leider ist teilweise nur mehr die Hülle geblieben. Es ist aber leichter, mit einer Hülle wieder zum Inhalt zu kommen als ohne Hülle. Jeder muss versuchen, für sich das herauszuholen, was einem Freude macht.

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