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Kapitel 7. Interviews

Inhaltsverzeichnis

7.1. Gespräch mit Ottilie Aigner (1929–2017)
7.2. Gespräch mit Michael Cecon
7.3. Gespräch mit Harald Dengg
7.4. Gespräch mit Erwin Eder
7.5. Sepp Eisl: Brauch ist keine Konserve
7.6. Marko Feingold: Weihnachten und Chanukka
7.7. Roland Floimair: Der Kern bleibt erhalten
7.8. Anton Grabmayr: Anglöckler in Oberndorf
7.9. Hella Hoffmann im Gespräch mit ihrem Sohn
7.10. Heinrich Kiener: Stiegl-Bräu und Weihnachtsbock
7.11. Roswitha Meikl: „Adventlieder schenken“
7.12. Franz Nikolasch: Adventmarkt in St. Leonhard
7.13. Michael Nußdorfer: Wilde Jagd
7.14. Arnold Pichler: Lungauer Bräuche
7.15. Franz Schausberger: Adventkranz und Würstlsuppe
7.16. Gespräch mit Karl Steinocher (1920–2013): Weihnachten in der Salzburger Arbeiterschaft
7.17. Gespräch mit Hans Strobl

7.1. Gespräch mit Ottilie Aigner (1929–2017)

VD OSR Ottilie Aigner (Kustodin „Franz Xaver Gruber Museum“ bis 2008, Arnsdorf) im Gespräch mit Marina Wimmer

Sie haben persönlich sehr intensiv mit Bräuchen und kulturellen Inhalten zu tun. Wie hat sich das ergeben?

Ich bin am Land aufgewachsen, da waren einfach Bräuche vorhanden. Als ich nach Arnsdorf gekommen bin, sind am 21. Dezember die „Klezi Klezi“ herumgegangen, Gestalten, die Speisen entgegengenommen haben. Die Anglöckler gab’s auch, aber in Arnsdorf direkt gab’s wenig Brauch. Da ist mein Mann auf die Idee gekommen, etwas zu machen, um auch Geld für die Schule zu bekommen, die sehr dürftig eingerichtet war. Da begann die Herbergssuche im ersten Jahr.

Im zweiten Jahr wurde mit den Schulkindern etwas gemacht: Die Kinder vom Kirchenchor sind an den ersten drei Sonntagen im Advent zu den Leuten gegangen und haben gesungen und jeder Familie eine brennende Kerze gebracht und dazu den Spruch gesagt: „Ein Lichtlein soll brennen in diesem Haus, und niemand soll es löschen aus, ein flammend Herzen soll es entzünden und euch von der großen Liebe des Heilandes künden, der bald auf Erden wird geboren und die Welt nicht geht verloren.“ Am Schluss wir noch von einem Kind der Haussegen gegeben. Dieser Brauch wird „Lichtbringen“ genannt und soll Weihnachten ankündigen. Dazu wird ein spezielles Lied gesungen – es fängt an mit „Jetzt kommt die schöne Weihnachtszeit“ und die zweite Strophe wurde von meinem Mann dazu gedichtet – passend zum Lichtbringen. Die Kleidung ist der der Anglöckler ähnlich.

Verstehen Sie sich eher als Hüterin, Bewahrerin, Weiterentwicklerin oder Neubegründerin von Bräuchen?

Das „Lichtbringen“ ist ein neuer Brauch, mit dem sehr viel Gutes für die Schule getan werden konnte. Unter anderem wurde auch eine Familie, die bedürftig war, unterstützt. Ebenso wurden nach Rumänien, Südafrika Spenden geschickt – durch den Brauch wurde also Menschen geholfen.

Was sind die Anliegen des „Franz Xaver Gruber Museums“ im Zusammenhang mit der Entstehungs- und Verbreitungsgeschichte des Weihnachtsliedes „Stille Nacht! Heilige Nacht“?

Wir haben in Arnsdorf noch das alte Schulhaus, das 1771 als Mesnerhaus erbaut wurde. Der Mesner war der erste, der eine Schule gehalten hat. 1807 war Franz Xaver Gruber der erste ausgebildete Lehrer, der als Mesner, Organist und Lehrer gewirkt hat. 1818 ist das Stille-Nacht-Lied entstanden, er hat in seiner Stube komponiert, es ist alles gleich alt geblieben. Meinem Mann kam die Idee, ein Museum daraus zu machen. Wir bekamen Möbel von der Familie Gruber, da die Familie ausgestorben war. Jetzt kämpfen wir darum, dass wir die alte Klasse bekommen, in der Gruber unterrichtet hat. Wir begeistern die Leute, jedes Mal wenn eine Gruppe kommt, wird ein Vortrag über das Leben Grubers und Mohrs gehalten, und wir halten das Andenken der beiden in Ehren, das ist das größte Anliegen. Wichtig ist auch, dass das Lied im Originalen gepflegt wird.

Steht nach Ihrer persönlichen Meinung eine besinnliche Adventzeit im Widerspruch zum Stille-Nacht-Tourismus im Dezember?

Ich sehe keinen Widerspruch, wir können dies noch gut bewältigen. Ich empfange meine Leute immer mit dem „Lichtbringen“, sie werden dann besinnlich eingestimmt und sind so vorbereitet, dass man durch das Museum gehen kann, ohne viel Lärm zu machen.

Welchen Einfluss hat das große Interesse an der Geschichte des Liedes auf die Gestaltung Ihres persönlichen Weihnachtsfestes?

Ich bin schon sehr gestresst, weil ab Mitte November kommen die Reporter. Am 24. Dezember ist um 16 Uhr noch eine Stille-Nacht-Feier, ich habe am Weihnachtstag und am Stephanitag keine Ruhe, da das Museum immer offen sein muss. Die beiden Weihnachtstage sind schon sehr stressig für mich.

Wie verbringen Sie persönlich die Weihnachtszeit und Weihnachten?

Da gibt’s natürlich auch Bräuche. In der Adventzeit sind in Arnsdorf Sonderveranstaltungen, die häufig besucht werden. Es wird gebetet, eine Andacht gehalten, das letzte Kerzlein am Adventkranz wird angezündet, viele Weihnachtslieder werden gesungen und es wird musiziert.

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