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Religiöse Festkultur in Salzburg (Hans Paarhammer)

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Religiöse Feiern in freier Natur – Orte für die religiöse Feier

Bei allen Religionen sind so genannte „heilige Orte“ als dem Profanen entzogene religiöse Kult-, Gedenk- oder Begegnungsstätten bekannt. Sie gelten als Orte der Anwesenheit und Verehrung bzw. Anbetung Gottes, der Versammlung der Gläubigen, oft zugleich auch als Gerichts- und Asylstätten.

Religionsgeschichtlich umfasst der Begriff „Heilige Orte“ sowohl die natürlichen Stätten der religiösen Begegnung und des Kulte wie etwa Berge, Quellen, Seen, Flüsse, Bäume, als auch die von den Menschen geschaffenen bzw. angelegten Kultstätten wie Tempel, Kirchen, Friedhöfe, Gedenkstätten. Das geltende Kirchenrecht statuiert in c. 1205: „Heilige Orte sind solche, die für den Gottesdienst oder das Begräbnis der Gläubigen bestimmt sind durch Weihung oder Segnung, wie sie die liturgischen Bücher vorschreiben.“ Es kann jedoch Anlässe geben, die aus Gründen der Notwendigkeit und Nützlichkeit verlangen, dass Gottesdienste in freier Natur oder an anderen geeigneten Orten außerhalb von Gotteshäusern gefeiert werden.

Seit dem Beginn des Pontifikates von Papst Johannes Paul II. (1978) haben Gottesdienste in freier Natur weltweit einen hohen Stellenwert erhalten: auf historisch bedeutsamen Plätzen, in Sportstadien, auf Flughäfen, in Festhallen und Zelten.

Formen religiöser Feiern im Freien: Bergmessen, Andachten, Segnungen

Seit Menschengedenken gelten Berge als Sitz von Gottheiten oder als Orte der besonderen Nähe zu Gott. Das christliche Symbol des Kreuzes wird seit Jahrhunderten auf die Berggipfel gestellt. Bergmessen im Sommer und Herbst sind beliebte Wander- und Ausflugsziele. Naturerfahrung kann zur Gotteserfahrung werden. Die Feier der Mysterien des Glaubens kann an solchen Orten zu religiöser Vertiefung und Erneuerung führen.

Die Volksfrömmigkeit und persönliche religiöse Motive (Gelübde, Danksagung, Bitte, Gedenken) haben zur Errichtung von religiösen Kleindenkmälern wie Bildstöcken, Wetterkreuzen und Kapellen geführt. Diese werden von den Stiftern und ihren Nachkommen in Stand gehalten und zu bestimmten Zeiten aufgesucht, um im Gebet und in der Besinnung zu verweilen, um im Kreise der Familie oder der Nachbarschaft Andachten zu halten. Vielerorts erfreuen sich Maiandachten bei diesen religiösen Zeichen großer Beliebtheit.

Religiöse Feiern mit Bittgebeten an die Gottheit um Segen für das Wachsen und Gedeihen der Feldfrüchte sowie im Hinblick auf eine ertragreiche Ernte gehören zum religiösen Gemeingut der Menschheit. Das Christentum kennt in seiner liturgischen Tradition Gebete bei der Aussaat, die Bitte um Regen oder Sonnenschein sowie um die Bewahrung vor Schaden durch Unwetter. Im Messbuch finden sich auch Formulare für die Feier der Messe um Segen für die menschliche Arbeit.

Feldmessen – Gottesdienste im Freien

Unter Feldmessen versteht man Gottesdienste (Messfeiern) im Freien, um einer großen Menschenansammlung die Teilnahme an einer religiösen Feier zu ermöglichen und Anteil an einem mit religiösem Akzent versehenen Festakt geben zu können. Dies geschieht bei Jubiläumsfesten von Vereinen (manchmal in Verbindung mit einer Fahnenweihe).

Auch in Verbindung mit Segnungen im Bereich der Öffentlichkeit können solche Gottesdienste gefeiert werden; dies geschieht bei der Inbetriebnahme von Gebäuden, Geräten (z. B. Feuerwehr) und anderen Einrichtungen des öffentlichen Lebens (Seil- und Bergbahnen, Sportstätten, Schutzhütten).

Mit den Flurprozessionen (Bittage, Fronleichnam, Erntedank) ist gelegentlich die Feier der heiligen Messe im Freien verbunden. Bei entsprechender Witterung findet am Palmsonntag die Palmweihe mit Palmprozession in freier Natur statt.

Erntedankfest und Hubertusmesse

Erntefeste und Danksagungsfeiern gehören zu den seit unvordenklichen Zeiten bei den Menschen begangenen und mit religiösen Riten verbundenen Kulthandlungen. Das Alte Testament enthält dazu schöne Anregungen und Zeugnisse.[453] Der christliche Erntedank dürfte auf römische Brauchhandlungen zurückgehen.

Der Termin für das Erntedankfest hängt nicht direkt mit dem Kirchenjahr zusammen, sondern ist nach Regionen verschieden festgelegt. Ortsbezogene Traditionen und Bräuche spielen bei der Gestaltung eine wichtige Rolle. Symbole wie die Erntekrone, das Schmücken der Altäre mit den Früchten der Erde und der menschlichen Arbeit, Ernteprozessionen oder Umzüge, Einladung zum Erntetanz und zu Festmählern gehören zu den nachhaltigen Gestaltungselementen von Erntedankfesten. In der Welt der Großmärkte (Brotfabriken) und der internationalen Konzerne (z. B. Handelsketten) hat das Erntedankfest nicht mehr jenen Stellenwert wie in der früheren Welt der kleinen Wirtschaftsgemeinschaften.

Im Herbst (meist Anfang November) feiert die Jägerschaft mancherorts bei einer dem Heiligen Hubertus, dem Schutzpatron des Jagdwesens, der Jäger und der Jagdhunde, geweihten Kapelle, meist im Freien, eine heilige Messe zur Danksagung für ein gutes Jahr. Die Gestaltung geschieht durch Jagdhornbläser, Jägerchor oder andere Sing- und Musikgruppen; der Altar wird gern mit einem kapitalen Hirsch geschmückt. Wie beim Erntedankfest soll auch bei der Hubertusmesse die enge Verbindung von Mensch und Natur, seine ethische Verantwortung gegenüber der Schöpfung zum Ausdruck kommen.

Begräbniskult und Totengedenkfeiern

Die Bestattungskultur hat in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts einschneidende Veränderungen erfahren. War früher die religiöse Feier angefangen von der Aufbahrung des Verstorbenen im Trauerhause, der Totenwache, dem Leichenzug zum Friedhof und der feierlichen Beisetzung wesentlich in den Lebensräumen außerhalb des Gotteshauses eingebunden, finden in der Gegenwart zunehmend „Beisetzungen oder Verabschiedungen der Verstorbenen in aller Stille“ statt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, nur im engsten Familien- oder Freundeskreis. Die Bedeutung des amtlichen Kultes der Kirchen und Religionsgemeinschaften scheint stark zurückzugehen. Dies stellt eine ernstzunehmende Herausforderung für die Gesellschaft, aber auch für die Kirchen dar.

Friedhöfe sind Orte des frommen Gedächtnisses und Gedenkens, Verweilräume zur Besinnung und zur Selbstfindung, Orte der Meditation und der Ermutigung zum bewussten Leben im Angesicht des Todes. Die Gräbersegnung zu Allerheiligen und Allerseelen verbunden mit einem allgemeinen Totengedenken zählt im Laufe des Kirchenjahres zu den bedeutsamen und pastoral sehr sensiblen religiösen Feiern in freier Natur.



[453] Im Buch Deuteronomium heißt es: „Mose sagte zu ganz Israel: Höre Israel! Wenn du in dem Land wohnst, das der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, dann sollst du von den ersten Erträgen aller Feldfrüchte etwas in einen Korb legen. Dann soll der Priester den Korb aus deiner Hand entgegennehmen und ihn vor den Altar des Herrn, deines Gottes, stellen. Du aber sollst vor dem Herrn, deinem Gott, folgendes Bekenntnis ablegen: Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Der Herr aber führte uns mit starker Hand und hocherhobenem Arm; er brachte uns an diese Stätte und gab uns dieses Land, ein Land, wo Milch und Honig strömen. Und siehe, nun bringe ich hier die ersten Erträge von den Früchten des Landes, das du mir gegeben hast, Herr.“Dtn 26, 4–5, 8–10.

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