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Fest, Brauch und Event. Regionale Brauchforschung des Amtes für rheinische Landeskunde Bonn (Alois Döring) – Langtext

Das Amt für rheinische Landeskunde – Zentrum für regionale Alltagskultur im Rheinland

Das im Jahre 1976 gegründete Amt für rheinische Landeskunde Bonn (ARL) ist eine Kultureinrichtung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Das ARL will zusammen mit den Rheinländerinnen und Rheinländern die Besonderheiten und Stärken des Rheinlandes erforschen, dokumentieren, herausstellen und aufzeigen, was die Region und ihre Menschen auszeichnen.

Nichts prägt das Profil der Region so sehr wie der Alltag: all das, was wir Tag für Tag erleben, wie wir sprechen, essen, arbeiten, feiern und miteinander leben. Der Alltag ist ein zentrales Element unserer Identität. Nach Fritz Langensiepen, Leiter des Amtes für rheinische Landeskunde, hängt regionale Identität „in größerem Maße, als manche glauben, von der Alltagskultur in der Region ab. In der Alltagskultur spiegelt sich die Regionalität wider. Und mit Alltagskultur meine ich den Lebensmodus der alltäglichen Erfahrungen, das Prinzip, das in der Region die Basis alltäglichen Miteinanders, des gesellschaftlichen, kollektiven Lebens abgibt. Alltagskultur ist die konkret erfahrbare Dimension des menschlichen Daseins mit hoher Prägewirkung und sie ist damit auch ein elementarer Verhaltens- und Orientierungsrahmen. Genau diese Punkte sind es, mit denen sich ein Zentrum für regionale Alltagskultur, wie es das ARL des Landschaftsverbandes (LVR) ist, zu beschäftigen hat. Und der Lebensmodus der alltäglichen Erfahrungen legt es nahe, die Region nicht an irgendeiner willkürlich gezogenen Staatsgrenze enden zu lassen – auch wenn es bei den Menschen ein Gefühl für diese Grenze gibt –, sondern die Region dem inneren Zusammenhang entsprechend weiter zu fassen.“[3580]

Ziel ist: das Profil der Region herausarbeiten und bewusst machen, die Ressourcen des Rheinlandes aufspüren und in ‚Image-Kapital‘ umwandeln, das Rheinland im Wettbewerb der Regionen nach vorne bringen, den Menschen zeigen, was die Region an Identitätswerten zu bieten hat. So formuliert Fritz Langensiepen: „Wenn wir die regionale Identität bewusst machen wollen, wenn wir der Region Profil geben und zeigen wollen, warum es sich lohnt, hier zu leben, dann müssen wir verstärkt daran gehen, die Gegebenheiten und Veränderungen der Alltagskultur mit neuem Mut und Zielstrategien vergleichend zu untersuchen und anschaulich zu dokumentieren.“[3581]

Das Amt für rheinische Landeskunde ist Service- und Kompetenz-Zentrum, Ansprechpartner in allen Fragen der regionalen Alltagskultur und Stadtgeschichte im Rheinland.[3582] Dazu tragen die Fachbereiche/Abteilungen mit ihren Forschungsschwerpunkten bei: Regional-Image, Regionale Identität als wirtschaftliche Ressource, „Regio-Trends aktuell“ (Regionalkommunikation); Dialekte und Umgangssprachen, Geheimsprachen, Sprachinseln, Fachsprachen und regionale Sprachgeschichte (Sprachforschung); „Rheinischer Städteatlas“, Studien zur rheinischen Städtegeschichte (Stadtgeschichte). Bleibt noch die Abteilung Volkskunde.[3583]

Abteilung Volkskunde

Die Volkskundler beschäftigen sich mit historischen, aber auch gegenwärtigen Phänomenen des Alltags im Rheinland. Schwerpunkte sind die Dokumentation der Erscheinungsformen und Entwicklungen der rheinischen Arbeitswelt (z. B. Industrialisierung), des gesellschaftlichen Lebens und Zusammenlebens (z. B. Bräuche, Festkultur, Formen sozialen Handelns), der Jugend- und Eventkultur (z. B. SMS/Handy, Halloween), der Nahrungskultur (z. B. Fast Food, Trinkhallen und Imbissbuden, Wandel der Nahrungskultur im Spiegel lokaler Berichte, Butterbrot). In den Blick rücken Fragen nach dem Zusammenleben in der interkulturellen Gesellschaft und dem Dialog mit anderen Kulturen, nach dem Verlust lokaler Identitäten und den soziokulturellen Bedingungen zur Schaffung neuen Heimatbewusstseins, nach der Renaissance von Brauch und Fest.

Die Dokumentationen geschehen über mündliche Interviews und schriftliche, neuerdings auch Online-Befragungen. Gerade Fragebogenerhebungen dienen dazu, systematisch Vergleichsdaten charakteristischer Elemente der Überlieferungen der Alltagskultur zu gewinnen und über das „Rheinische Volkskundearchiv“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.[3584] Mit dem Rheinischen Volkskundearchiv, das weit mehr als 500.000 schriftliche und fotografische Dokumente speichert, verfügt das ARL über ein für das Rheinland einzigartiges Dokumentationszentrum zur Alltagskultur. Das Archiv ist darüber hinaus ein wesentliches Instrument der Öffentlichkeitsarbeit, der fachlichen Beratung und des wissenschaftlichen Services. Es steht dem volkskundlich arbeitenden Wissenschaftler und dem Journalisten ebenso wie dem Heimatforscher und jedem an der rheinischen Alltagskultur interessierten Bürger offen.

Die Forschungsergebnisse werden in Aufsatz-, Buch- und Online-Publikationen vorgestellt und in Filmdokumentationen präsentiert. Über 250 Dokumentarfilme, die über ein eigenes Internet-Portal nach und nach digital erschlossen werden, zeigen Arbeitswelten in Handwerk, Industrie und auf dem Lande sowie die überlieferten regionalen Feste, die modernen Events oder das Zusammenleben in der interkulturellen Gesellschaft.

Die Volkskunde-Abteilung stellt auch thematische Highlights in Wander-Ausstellungen sowie im Internet vor. Der öffentlichkeitswirksamen Präsentation von Ergebnissen regionaler oder internationaler Forschungsprojekte kommt eine wichtige Bedeutung adressatenorientierter Dienstleistung zu. Zur Aufgabenstellung gehört auch die fachliche Beratung lokaler Experten und kommunaler Kultureinrichtungen sowie die Begleitung und Förderung örtlicher Vorhaben.

Brauchforschung regional – Dokumentationen des Fachbereichs Volkskunde an aktuellen Beispielen

Bräuche haben eine historische und eine soziale, eine strukturale und eine funktionale Dimension. Das bedeutet: Bräuche haben eine Geschichte und sie sind Angelegenheit einer Gemeinschaft. Sie setzen sich aus Formelementen wie Umzug, Maskierung, Spiel oder Lied zusammen. Und sie dienen einer Zweckbestimmung wie etwa der Repräsentation, der Geselligkeit oder der Erziehung, sie bewirken näher hin Folgendes: Gemeinschaft fördern, Erinnerungen wach halten, Zeit strukturieren, Rechtsregeln fixieren, Lebensfreude bieten und Lebenshilfe leisten, Leib und Seele ansprechen, Glaubensinhalte vermitteln/unterweisen und Religiöses verankern, Tourismus/Wirtschaft fördern, Gegenwelten zum Alltag schaffen, soziale Kompetenz/Sozialverhalten einüben, Integration fördern, Sich-Darstellen.[3585]

Das Wort Ritual bezeichnet „‚Brauch‘ als geformte und tradierte Verhaltensmuster“, als symbolische Gebärden und Handlungsvollzüge, Zeremonien und Alltagsgewohnheiten – ein „Set von überlieferten und neu entwickelten Verhaltensregeln.“ Rituale erlangen in jüngster Zeit enorme Bedeutung für die Lebenshilfe.[3586]

Events werden als „planmäßig erzeugte Ereignisse“ charakterisiert, „die entweder aus kommerziellen oder weltanschaulichen Interessen … veranstaltet, von einer professionellen Organisationselite vorbereitet und perfekt, unter Einsatz moderner technischer Hilfsmittel … durchgeführt“ werden. Wie Brauch und Fest sind sie aus dem Alltag herausgehobene Ereignisse, haben sie funktionale Dimensionen. Events wollen überregional, global erscheinen, ein Merkmal, das auch Bräuche/Feste übernehmen können.[3587]

Ausgehend von diesen grundsätzlichen Überlegungen, was Brauch, Fest, Event und Ritual ausmachen können, richtet sich das Augenmerk der Forschungs-, Vermittlungs- und Dokumentationsvorhaben des ARL auf thematische Schwerpunkte des kulturellen Wandels. Es nimmt Feste im historisch-politischen Kontext (z. B. Erntedankfest, Weinfest); traditionelle, trendig-eventisierte oder alternative Brauchformen im Festkreis (z. B. Martinsfest, Maibrauch, Ostern, Weihnachten, Karneval), von Jugendlichen (z. B. Abi-Gag, LAN-Party, Junggesellenabschied) oder der schwul-lesbischen Szene (z. B. Christopher-Street-Day, Euro Pride, Love Parade); Kultur-Import und Globalisierung (z. B. Valentin, Halloween); Brauchleben und Frömmigkeitsstile von ausländischen Mitbürgern jüdischer, muslimischer, griechisch-orthodoxer und äthiopisch-orthodoxer oder katholischer Religionszugehörigkeit (z. B. Taufe, Hochzeit, Semana Santa, Bestattungsriten) unter die Lupe. – Im Folgenden werden aktuelle Forschungsarbeiten beispielhaft vorgestellt.

Brauch: interkulturell

In ganz besonderem Maße trifft die Bezeichnung Schmelztiegel der Kulturen auf das Rheinland zu. Gerade im Rheinland sind fremde Kulturen längst Bestandteil des alltäglichen und festlichen Lebens. Dennoch gibt es die Erfahrung, dass sich an der Stelle von Vertrauen Misstrauen findet, an der Stelle von Geborgenheit Intoleranz, an der Stelle von Sympathie Egoismus. Diese Probleme hängen unter anderem damit zusammen, dass die Menschen unterschiedlicher Herkunft sich nicht kennen und aus der Fremdheit negativ wirkende Vorurteile entstehen. Diese Gegensätze aufzuheben heißt, sich der Kultur der anderen in der Nähe zuzuwenden und ihr die Fremdheit zu nehmen. Denn: Aus dem Erkennen kommt das Anerkennen.

Fragen nach dem Zusammenleben in der interkulturellen Gesellschaft, vor allem unter den besonderen rheinischen Bedingungen, gehören deshalb zu den entscheidenden Zielsetzungen gegenwärtiger Forschung der ARL-Volkskundler, die in den letzten 15 Jahren die besonderen Ausprägungen und Einflüsse anderer Kulturen auf das Zusammenleben im Rheinland in den Mittelpunkt vielfältiger Untersuchungen gerückt haben. Dabei stehen Fragen im Vordergrund, wie sich das Zusammenwachsen der verschiedenen Kulturen im Rheinland äußert, ob es besondere rheinische Ausprägungen gibt, wie ausländische Mitbürger ihren privaten Alltag und wie ihren Arbeitsalltag erleben und gestalten, welche Chancen und Möglichkeiten Schulen und Kindergärten bieten.

Die UNESCO hatte das Jahr 2001 unter das Motto „Internationales Jahr für den Dialog zwischen den Kulturen“ als Beitrag zur Verwirklichung einer Kultur des Friedens, der Toleranz, der Begegnung und der Zusammenarbeit gestellt. In diesem Zusammenhang führten die ARL-Volkskundler eine Tagung durch, die unter der Frage „Zu Hause in der Fremde?“ den Dialog der Kulturen in den Mittelpunkt stellte, aber auch eine Veranstaltungsreihe gemeinsam mit dem „UNESCO-Club Region Bonn e.V.“, die sich besonders an Schülerinnen und Schüler richtete.

Gerade der Film ist ein ausgezeichnetes Medium, unbekannte Elemente des Alltagslebens bekannt zu machen. Filmdokumentationen behandeln das islamische Freitagsgebet in Baesweiler, die Kinderspiele an Rhein und Maas, die Feier der griechisch-orthodoxen Taufe in Siegburg, das griechisch-orthodoxe Osterfest in Bonn-Beuel, den spanischen Palmsonntag in Köln, die italienische Karwoche in Köln, das Vereinsleben im Aachener Steinkohlerevier oder eine griechisch-rheinische Hochzeit, die eine beispielhafte Brücke zwischen Menschen, Religionen und Kulturen baut.

Theódoros und Tanja – Eine griechisch-rheinische Hochzeit[3588]

Der griechisch-orthodoxe, in Griechenland geborene Rheinländer Theódoros und die katholische Rheinländerin Tanja sind ein lebendiges Beispiel für den gelungenen Dialog der Kulturen im Rheinland.

Junggesellenabschied – rheinisch

In Griechenland kennt man den Brauch des Junggesellenabschieds nicht, der im Rheinland voll im Trend liegt. Die Freunde des Brautpaares organisieren die Fete, wobei sie unter anderem ein originell bedrucktes T-Shirt mit witzigem Fotomotiv, lustigen Sprüchen und vielen Unterschriften als Andenken an die Single-Zeit schenken.

Kirchliches Zeremoniell – griechisch-orthodox

Im griechisch-orthodoxen Hochzeitsritus gibt es kein gesprochenes Ja-Wort. Mit dem Erscheinen vor der griechisch-orthodoxen Metropolie in Bonn-Beuel signalisieren die Brautleute „Wir wollen heiraten“. Der Geistliche nimmt die liturgische Handlung gemeinsam mit der Gemeinde vor. Die Blumenmädchen, die „Paranifáki“, und der Brautführer, der „Koumbáro“, geleiten das Brautpaar zur Zeremonie ins Gotteshaus.

Die wichtigste Handlung bei der Trauung ist die symbolische Krönung der Brautleute. Dazu setzt ihnen der Geistliche zwei Kränze auf, die mit einem weißen, die Zusammengehörigkeit des Hochzeitspaares versinnbildlichenden Band verbunden sind. Mit der Unterschrift der Vermählten auf der Hochzeitsurkunde geht die kirchliche Zeremonie zu Ende.

Am Ausgang der griechisch-orthodoxen Kirche erhalten alle Festgäste zur Erinnerung an die Trauung ein kleines Geschenk. Die so genannte „Mpumpuniera“ enthält traditionelles griechisches Mandelgebäck, in Tüll gewickelt, auf der kleinen Schleife ist zu lesen: „Tanja und Theo – 14. Juli 2001“. Die Festgäste werfen Reis, die Blumenmädchen verstreuen Blütenblätter, ihr Duft soll das Brautpaar ein Leben lang begleiten.

Hochzeitsfeier – griechisch/rheinisch

Die Hochzeitsfeier ist eine bunte Mischung aus griechischen und rheinischen Brauchelementen. Dazu gehören die in Griechenland obligatorischen Tänze und die hiesigen Scherzspiele oder die groß dimensionierte Hochzeitstorte.

Brauch: trendig

Im Herbst 1999 hat ein ARL-Forscherteam ein langfristiges Projekt zum Thema „Halloween im Rheinland“ gestartet.[3589] Denn: Halloween entdeckt das Rheinland – und das Rheinland entdeckt Halloween. Seit Ende der 1990er-Jahre ist eine nahezu explosionsartige Ausbreitung des aus den USA importierten Brauches in der Stadt und auf dem Land zu registrieren. Das Forschungsprojekt erkundet nicht nur die aktuellen Ausprägungen und das Erscheinungsbild. Das Forscherteam stellt beispielsweise Fragen nach einem Zusammenhang zwischen Halloween und Karneval oder nach der Konkurrenz zum Kinderfest St. Martin. Es untersucht den Einfluss der Medien und der Marketing-Strategien unterschiedlicher Branchen, fragt aber auch nach dem „spezifisch Rheinischen“ an Halloween. Ebenso geht es darum, neue Klärungsansätze der Herkunft und Überlieferung des Festes beizubringen. Im Rahmen des Forschungsprojekts standen in den Jahren 2000–2002 eine Halloween-Umfrage in Form von Interviews an ausgewählten Orten auf dem Programm, deren Ergebnisse in einem eigenen Internet-Portal präsentiert werden, das auch einen Service für Halloween-Fans mit Kürbis-Rezepten, Veranstaltungstipps etc. bietet. Ebenso entsteht eine, in 2002 begonnene, filmische Langzeitdokumentation, die sich den Erscheinungsformen des „rheinischen“ Halloween nähern will. Die Forschungen sollen in einer Ausstellung mit einer wissenschaftlichen Begleitpublikation münden.

Die ARL-Volkskundler haben in einer flächendeckenden Fragebogenaktion im Winter 2003/2004 ein ausgesprochen trendiges Breitenphänomen erfasst, welches vor vielen Jahren mit einer vereinzelten Kerze auf der Fensterbank oder einem einfachen Strohstern im Fenster begann: den öffentlichen Lichterbrauch in der Vorweihnachtszeit. Im Jahr 2003 hat es so viele Leuchtketten und Lichter-Dekoration wie noch nie gegeben. Seit je ist Weihnachten das Fest des Lichtes und die Kerze, ob aus Wachs oder elektrisch, gilt als weihnachtliches Accessoire par excellence. Neu ist jedoch das Bedürfnis der Menschen, das Licht über die eigenen vier Wände hinaus in zunehmendem Maße nach draußen zu verlagern. Fenster, Fassaden, Vorgärten, ja selbst Dachrinnen und Balkonbrüstungen verwandeln sich ab Mitte November überall im Rheinland in hell erleuchtete und bunt blinkende Dekorationsobjekte, gar zu „Lichterhäusern“. Ob klassische Lichterkette, traditioneller Leuchtbogen aus dem Erzgebirge, mikroprozessor-gesteuertes „Xmas Light-Set“ mit programmierbarer Leuchtfolge oder aufblasbarer, beleuchteter, fassadenkletternder Weihnachtsmann – auch der Handel hat schnell auf die enorm gestiegene Nachfrage reagiert und verzeichnet mit einem gut sortierten Angebot steigende Umsätze. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme werden voraussichtlich 2005 vorgestellt.

Im Frühjahr 2002 starteten die Volkskundler eine Fragebogenaktion, in deren Mittelpunkt gegenwärtige Oster-Trends, Fragen zu aktueller Osterdekoration im und um das Haus, zu Ostermärkten in der Umgebung, zu Werbung mit österlichen Attributen sowie zur Verbreitung von Osterfeuern standen. Über 250 beantwortete Fragebögen zeigen das große Interesse an diesem Thema. Im Folgenden sollen erste Ergebnisse dargestellt werden:

Oster-Trends[3590]

Das einstige biedermeierlich-bürgerliche Familienfest verlagert sich in die moderne Event- und Erlebnisgesellschaft. Der Wandel findet sichtbaren Ausdruck in Osterdekoration, Ostermärkten und Ostermarketing, Osterfeuern.

Unendlich viele Plastikeier

Die Osterdekoration hat in den letzten Jahren einen rapiden Aufschwung genommen. Allerorts schmücken Privatleute ihren Vorgarten, die Terrasse oder Fensterbank mit österlichen Accessoires. Absoluter Spitzenreiter sind dabei Eierbäume. Bunte Hühnereier oder eben – ganz im Trend – wetterfeste Plastikeier werden in Bäume und Sträucher des Vorgartens gehängt. In den letzten vier, fünf Jahren nimmt diese Osterdekoration im Vorgarten zu. Türkränze aus frischem Grün können mit bemalten Ostereiern und bunten Bändern zu Osterkränzen umfunktioniert werden. Aus getrockneten Weidengerten werden Gestecke zusammengestellt, die dann auch mit gefärbten, ausgeblasenen Eiern aus Plastik geschmückt werden.

Auch Blumenkästen eignen sich als österliche Dekorationsträger. Geschnitzte, übergroße Holzosterhasen am Hauseingang weisen jeden Besucher auf das herannahende Fest hin und Osternester mit Ostereiern, -hasen oder Küken neben der Haustür sind keine Seltenheit mehr. Kurz um: Ostern ist öffentlich geworden. Die Tage, an denen eine einzelne Vase mit Weidenzweigen und einigen Ostereiern geschmückt wurde, sind vorbei. Denn auch in den eigenen vier Wänden wird kräftig dekoriert. Ausgeblasene Eier werden bemalt und an Frühlingszweigen in der Wohnung aufgehängt, österliche Fensterbilder und Osterkerzen sind beliebt. Neben Hühnern und Lämmern werden in den letzten Jahren vermehrt Frühlingssymbole in die Osterdekoration integriert. Beliebt sind kleine Vögel, Schmetterlinge und Bienchen. Das österliche Grundrepertoire hat sich vergrößert. Die religiöse Bedeutung österlicher Symbole schwindet zugunsten einer rein dekorativen – und kommerziellen.

Ostersymbole kommerziell genutzt

Der Handel hat die neue Oster-Euphorie dankend aufgenommen. Fast jedes Schaufenster wird nach Karneval ostertauglich hergerichtet. Zentrale Werbefigur ist der Osterhase. In Schokolade gegossen, lässt er Kinderherzen höher schlagen, mit ihm wird für alles und jedes geworben. Parfum, Reisen, Kleidung, Bücher und Autos – mit dem Osterhasen steigen die Verkaufszahlen. Vereinzelt übernehmen leibhaftige Osterhasen die Promotion. Das Osterei steht dem Hasen dabei in Print-, Radio- und Fernsehreklame in nichts nach. Die Bedeutung des Ostereies als Auferstehungssymbol oder als Naturallohn für den Pfarrer während der Osterfeiertage ist kaum noch bekannt.

Ostermarkt als Freizeitvergnügen

Den Trend zum Osterfest als öffentliches, kommerzialisiertes Ereignis verstärken die Ostermärkte. In jeder größeren Gemeinde gibt es mittlerweile den Ostermarkt, meist von Stadtmarketing-Agenturen veranstaltet. Angeboten werden neben den üblichen Marktartikeln vor allem Kunsthandwerk und Osterdekoration. Bewirtungsbüdchen dürfen dabei nicht fehlen. Schließlich soll der Marktbesuch zu einem Erlebnis für die ganze Familie werden. Immer häufiger werden auch Ostereierbörsen veranstaltet. Hier kann der Besucher die ganze Vielfalt der Ostereier kennen lernen und die Entstehung dieser Kunstwerke live erleben. Neben Hühnereiern werden auch Wachtel-, Gänse- oder Straußeneier kunstvoll in den verschiedensten Techniken verziert. Selbstverständlich kostet der Besuch der Ostereierbörse Eintritt, das Dabeisein wird zu einem exklusiven Erlebnis.

Feuer, Bier, Schnaps und Würstchen

Immer beliebter werden die Osterfeuer, die besonders am unteren Niederrhein, in Essen und Umgebung sowie im Bergischen Land allenthalben brennen. In den letzten Jahren werden Osterfeuer wieder vermehrt entzündet oder genauer gesagt, sie werden veranstaltet. Um das Osterfeuer herum werden Würstchen, Glühwein und Bier gereicht. Kirchengemeinden nutzen das liturgische Osterfeuer, um später zum gemeinsamen Essen und Umtrunk einzuladen: Nach der Osterfeier im Pfarrhaus Zusammenkunft mit Ausschank von Getränken und Verteilung von gekochten Eiern. Von Nachbarschaften, Feuerwehr-Vereinen oder Privatleuten organisiert, wird das Osterfeuer als ein gemeinschaftsstiftendes Ereignis inszeniert, dazu genutzt, nachbarschaftliche Gemeinschaft zu intensivieren, Kontakte zu pflegen. In einer individualisierten Gesellschaft wachsen das Bedürfnis nach Miteinander und Gemeinschaft, ein Heraustreten aus dem Alltag und das Eintreten in eine mehr oder weniger ausgeprägte Erlebniswelt. Es ist eine Flucht aus der alltäglichen Routine, die die Menschen treibt.

Ostern – zum Event geworden?

Das christliche Auferstehungsfest ist längst nicht mehr nur auf Kirche und Familie beschränkt. Ostern ist ein öffentliches Fest, vielleicht gar ein Event geworden. Ein abschließendes Beispiel: Selbst das Ostereiersuchen, das seit dem 19. Jahrhundert zum familiären Kinder-Osterfest gehört, entdecken Organisatoren als inszenierten Event wieder. Historische Eisenbahnen wie die Brohltalbahn bieten eine Ostereierfahrt an, Parteiverbände veranstalten das Ostereiersuchen als Familienfest und „Bayer 04 Leverkusen“ lädt zum festlichen Osterbrunch mit „Ostereiersuchen für die Kleinen“ in sein Fußballstadion BayArena ein.

Brauch: solidarisch

Obrigkeitliche Gebote, modische Strömungen, gesellschaftliche Wertvorstellungen waren immer wirksam und veränderten die Festbräuche. Nach zeitgenössischen Einstellungen erhielten exzessive Bräuche geregelte Abläufe und harmonische Formen. Ein gutes Beispiel bietet das Martinsfest. Dieses war im 19. Jahrhundert ein Bettelgang der Kinder, die Brennmaterial für das Anzünden des Feuers sammelten. Dass es hierbei nicht gar glimpflich zuging, sondern recht derb, bekunden alte Martinslieder. Betteln, Prügeln, Hantieren mit dem Feuer – das lief allen bürgerlichen Vorstellungen zuwider. Um 1900 begannen die Erwachsenen, das Martinsfest zu reformieren und selbst in die Hand zu nehmen, den Kinderbrauch zu organisieren und zu reglementieren. Der pädagogisierte rheinische Martinsbrauch mit Fackelzug und Mantelteilungsszene hat eine neue Zweckbestimmung: Erziehung.

Ein Bettelgang der Kinder war das Sternsingen zum Dreikönigsfest. Durch kirchliche Lenkung nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr das Dreikönigssingen nicht nur im Rheinland eine neue funktionale Dimension: Solidarbrauch. Mitte der 1990er-Jahre führten die ARL-Volkskundler eine Fragebogenerhebung zum Dreikönigsbrauch durch, deren Ergebnisse Facetten des globalen und regionalen Funktionswandels des Sternsingerbrauches deutlich machen.

Frömmigkeit, Brauch und Hilfsaktionen. Der Solidarbrauch Dreikönigssingen – gestern und heute[3591]

Zu Beginn des neuen Jahres werden in vielen tausend katholischen Pfarrgemeinden die Sternsinger feierlich ausgesandt. Am 6. Januar oder an den Vorabenden ziehen als die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar verkleidete Kinder von Haus zu Haus. Sie tragen einen Stern mit sich, singen vor oder in den Häusern Lieder, wünschen Glück zum neuen Jahr und bringen an der Haustüre mit geweihter Kreide die Segenszeichen „C+M+B“ – „Christus mansionem benedicat“ – an. Für ihr Ansingen erhalten sie Gaben. Diese Spenden werden heute Projekten in der Dritten Welt zugeführt, während sie früher den Kindern selbst zukamen.

Die Legende der drei Weisen aus dem Morgenlande

Am 6. Januar feiert die Kirche das Fest Epiphanie, „Erscheinung des Herrn“. Schon seit alter Zeit wird in der Kirche an diesem Tag das Evangelium von den Weisen aus dem Morgenlande gelesen, die kamen, um das neugeborene Kind zu Bethlehem anzubeten, und, da sie es fanden, darüber sehr froh waren.

Eine lange Geschichte ist es, wie aus den biblischen Weisen die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar wurden. Die legendarischen Reliquien jedenfalls kamen 1164 von Mailand in die Domstadt Köln. Von hier haben sich Kult und Verehrung der Heiligen Drei Könige über das Abendland verbreitet. Prägend für den Dreikönigskult wurde im 14. Jahrhundert die „Legende von den Heiligen Drei Königen“, die der Karmelitermönch Johannes von Hildesheim um das Jahr 1364 zum 200. Jubiläum der Übertragung der Reliquien der Drei Könige nach Köln verfasste. Der Autor schuf mit der Geschichte der Heiligen Drei Könige ein Werk von nachhaltiger Wirkung. Das Büchlein verbreitete auch eine Erzählung, nach der es in der Heimat des Erlösers üblich sei, einander mit Lichtern zu besuchen.

Dreikönigssingen einst – Lebensunterhalt, Armeleutebrauch und Bettelei

Es mag nahe gelegen haben, den hier für das 14. Jahrhundert geschilderten „morgenländischen“ Umgang mit Stern, Gruß und Lied aufzugreifen und im „abendländischen“ Sternsingen nachzugestalten, das in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Nach 1600 ist das Sternsingen im Rheinland belegt. Die ältesten Nachrichten nennen arme Schüler und Studenten als diejenigen, die den Dreikönigsbrauch ausübten. Die Sänger waren oft wochenlang unterwegs. Sie zogen von Stadt zu Stadt, von Kloster zu Kloster und legten dabei größere Wegstrecken zurück. Das Gabensammeln an Dreikönig diente dazu, den Lebensunterhalt der akademischen Jugend zu bestreiten.

Durch den gesellschaftlichen Aufstieg des Bildungsbürgertums und des akademischen Nachwuchses im 17. und 18. Jahrhundert gingen die Heischebräuche mehr und mehr auf andere Sozialgruppen über, die auf das Heischen von materiellen wie naturalen Gaben angewiesen waren: auf Handwerksburschen, Tagelöhner, Soldaten, aber auch auf beliebige Jugendliche oder Erwachsene. Oft waren es Kinder aus armen Familien, die mit ihrem Stern von Haus zu Haus, ja von Dorf zu Dorf zogen. Sie sammelten Gaben wie Brot, Mehl, Fleisch und Wurst ein. Die gesammelten Gaben brachten sie zu ihren bedürftigen Verwandten nach Hause, wo sie gemeinschaftlich verzehrt wurden. Bald geriet das Sternsingen in den Geruch der Bettelei. Aufgrund öffentlicher Beschwerden ergingen bereits Ende des 18. Jahrhunderts diverse Verordnungen der weltlichen und der kirchlichen Obrigkeit, beispielsweise 1784 für das Kurfürstentum Trier.

Dreikönigssingen heute – ein globaler Solidarbrauch

Im frühen 20. Jahrhundert ist der alte Sternsingerbrauch weithin verschwunden, das gilt auch für die rheinischen Regionen, wie die Verbreitungskarte „Sternsingelied“ einer volkskundlichen Bestandsaufnahme von 1922 ausweist. Jedoch zeigen sich Ansätze, den Brauch neu einzuführen bzw. zu verändern. Seit den 1920er-Jahren belegen niederrheinische Beispiele, dass der Erlös des Heischegangs der Sternsinger vorwiegend für kirchliche Zwecke des eigenen Ortes verwendet worden ist.

Eine neue Entwicklung setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Im Jahre 1958 nämlich griff das „Kindermissionswerk in Deutschland“ mit Sitz in Aachen das Sternsingen auf und stellte die „Aktion Dreikönigssingen“ in den Dienst der Mission und der Dritten Welt. Seit 1961 wirkt der „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“ (BDKJ) an der Aktion mit, die seitdem vom „Kindermissionswerk/Die Sternsinger“ und vom BDKJ gemeinsam getragen wird. Aus den bescheidenen Anfängen ist die weltweit größte Aktion von Kindern für Kinder gewachsen, an der sich derzeit jährlich ca. 500.000 Kinder und Jugendliche sowie rund 100.000 ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 90 % der katholischen Pfarrgemeinden in der Bundesrepublik Deutschland beteiligen. Darüber hinaus ist die Aktion Dreikönigssingen inzwischen eine europäische Bewegung: Österreich, Belgien, Schweiz, Slowenien, Frankreich und die Niederlande führen sie durch. Italien, Spanien, Portugal und Luxemburg, Polen und die Slowakei haben erste Schritte gemacht.

Im Rahmen der Aktion Dreikönigssingen des Kindermissionswerkes ist auch in rheinischen Pfarrgemeinden der Brauch neu eingeführt worden, und zwar seit den 1960er-Jahren. Ein personengebundenes Moment spielt eine wichtige Rolle. Mehrere Gewährspersonen weisen darauf hin, dass das Dreikönigssingen durch Arnold Poll eingeführt worden ist, der jahrzehntelang als Geschäftsführer des Kindermissionswerkes in Aachen diese Aktion verantwortlich organisiert hat.

In Waldenrath hat das Sternsingen eine Entwicklung über ein Durchgangsstadium hin zur heutigen Form genommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat ein Lehrer das Sternsingen eingeführt. Der Kirchenchor hatte sich bereit erklärt, im Rahmen des Wiederaufbaus der zerstörten Pfarrkirche die Orgelbühne und die zerstörte Orgel wieder aufzubauen bzw. zu reparieren. Um die hierfür benötigten Mittel zu bekommen, wurde unter anderem auch das Sternsingen in den Jahren 1949 bis 1954 durchgeführt. Die Sternsinger wurden von Kindern dargestellt, deren Kostüme von den Eltern oder sonstigen Frauen, die die Aktion unterstützten, hergestellt wurden. Im Jahre 1984 wurde über den zuständigen Regionaldekan Poll das Sternsingen erneuert. Gesammelt wird Geld nun für das Kindermissionswerk.

Das Sternsingen ist inzwischen auch ein ökumenischer Brauch: In Setterich wurde das Dreikönigssingen 1999 erstmals durchgeführt: Frauen der katholischen und evangelischen Gemeinde haben sich zu einem Arbeitskreis zusammengefunden, um gemeinsam die Sternsingeraktion zu planen. In Stolberg gab es nach dem Zweiten Weltkrieg das Sternsingen noch als Heischebrauch der Kinder, erst nach ca. 1960 wurde von der Katholischen Kirche das Sternsingen zur Dreikönigszeit eingeführt. Alle Häuser werden aufgesucht. Religionsunterschiede spielen hier keine Rolle.

Die Kinder bringen mit dem Dreikönigssingen Segen in die Häuser und die besuchten Familien. Ebenso schwingt der Gedanke mit, einen jahrhundertealten Brauch zu pflegen. Die entscheidende Sinngebung des erneuerten Sternsingens ist, durch materielle Hilfe die Not und die Armut von Kindern in den armen Ländern der Welt zu bewältigen. Nach Aussage der Organisatoren soll mit diesen Projekten Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden, das heißt Stärkung der Eigenständigkeit und Veränderung ungerechter Strukturen. Durch eine meist einmalige Zuwendung wird eine „Starthilfe“ für Programme (vor allem Bildung, Gesundheit, Katechese) und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche (Kindergärten, Schulen, Behindertenheime, Straßenkinderzentren) gegeben, die später mit lokalen Mitteln weitergeführt werden. Überbrückungshilfen für bestehende Einrichtungen und Programme in Not- oder Krisengebieten sind ebenso Teil der Projektarbeit.

Mittlerweile findet das Dreikönigssingen in der Dritten Welt selbst Einzug, angestoßen durch das Beispiel der deutschen Sternsinger. Mit großer Begeisterung haben Kinder und Jugendliche die Idee aufgegriffen und überbringen mit Liedern, Spiel und Musik die Weihnachtsbotschaft besonders zu den Armen. Dazu ein Bericht aus Namibia, entnommen dem Rechenschaftsbericht der Aktion Dreikönigssingen 1999: Seit Jahren bemühen sich Missionare und Jugendleiter, den Gedanken des Dreikönigssingens in Namibia heimisch werden zu lassen. In der Gemeinde Otijwarango wird das Sternsingen schon über mehrere Jahre vorbereitet und durchgeführt. Die Sternsinger gehen von Haus zu Haus, sie sind acht Tage unterwegs, nachmittags jeweils vier Stunden. – Das erneuerte, karitative Dreikönigssingen hat eine Brauchrenaissance größten Ausmaßes bewirkt, ein sozialer Brauch im Wandel der Jahrhunderte.

Brauch: psychotherapeutisch

Anfang der 1980er-Jahre führten die ARL-Volkskundler eine Fragebogenerhebung über den Totenbrauch durch, die sich unter anderem den Vorzeichen des Todes, dem Sterben innerhalb und außerhalb der Familiengemeinschaft, dem Begräbnis und dem Totengedenken widmete.[3592] Heutige Forschungen nehmen die Bestattungskultur beispielsweise der muslimischen Mitbürger in den Blick. Ein besonderes Augenmerk gilt dem gewandelten Begräbnisschicksal und einer neuen Trauerkultur um Fehl- und Totgeburten. Dabei zeigt sich, dass Rituale als sinnvolle Stütze zur Bewältigung psychischer Disharmonie wieder oder neu erfahren und genutzt werden.

Rituale der Trauer. Zu Begräbnisschicksal und Trauerkultur bei Tot-/Fehlgeburten[3593]

Die historische Quellenüberlieferung zeigt recht unterschiedliche Formen der Sonderbestattung von tot geborenen, (ungetauften) verstorbenen Kindern. Nach spätmittelalterlichem Kirchenrecht sollten sie außerhalb des geweihten Friedhofs beigesetzt werden. Dies war Praxis noch bis weit in das 20. Jahrhundert.

Begräbnis nach staatlichem Gesetz und kirchlicher Praxis im 20. Jahrhundert

Zu dem Problemkreis „Beerdigung tot geborener Kinder“ erließ 1985 das Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover eine Rundverfügung. Darin heißt es unter anderem: „Uns ist mitgeteilt worden, daß in manchen Fällen die Leichen totgeborener oder bald nach der Geburt verstorbener Kinder nicht mehr bestattet, sondern ohne Benachrichtigung und Einwilligung der Eltern medizinischen Institutionen zur dortigen Verwendung übergeben werden. Sollte es noch solche Handlungen geben, so würden sie der Achtung vor dem menschlichen Leben widersprechen.“ Der Codex des kanonischen Rechts der Katholischen Kirche 1983 bestimmt: „Wenn Eltern vorhatten, ihre Kinder taufen zu lassen, diese aber vor der Taufe verstorben sind, kann der Ortsordinarius gestatten, daß sie ein kirchliches Begräbnis erhalten.“

Für Nordrhein-Westfalen ist 2003 ein neues Bestattungsgesetz verabschiedet worden. Der einschlägige Paragraf des Gesetzes (§ 14 Abs. 2 BestG NRW)lautet: „Tot- und Fehlgeburten … sind auf einem Friedhof zu bestatten, wenn ein Elternteil dies wünscht.“ Diese vorgesehene Regelung kommentiert die Verbraucherinitiative „Bestattungskultur Aeternitas“ in einer Stellungnahme (12. Juni 2002): „Eine liberale und moderne Regelung, die Tot- und Fehlgeburten endlich aus dem Status des ‚Operationsabfalls‘ heraushebt und den Angehörigen eine echte Möglichkeit zur Trauerarbeit bietet.“

Begräbnis- und Gedenkstätten

Seit 1996 bereits können nicht lebend Geborene mit einem Gewicht von weniger als 500 g beispielsweise in einer Gemeinschaftsgrabstätte auf dem Friedhof der Luthergemeinde Leer (Ostfriesland) bestattet werden. Hier hat sich ein eigener Ritus ausgebildet: Die Kinder erhalten vor der Beisetzung einen Namen und werden gesegnet, Namensgebung und Segnung werden urkundlich festgehalten. Am Vorabend des Ewigkeitssonntags (Totensonntag) findet ein Gedenkgottesdienst mit den Angehörigen statt. Grabfelder für nichtbestattungspflichtige Kinder gibt es in Nordrhein-Westfalen inzwischen in vielen Städten und Gemeinden.

Trauerarbeit

Die Psychologin und Schriftstellerin Hannah Lothrop hat der Trauer um ihre tote Tochter Sinn gegeben, indem sie trauernde Eltern begleitet und die Berufsgruppen, die betroffene Eltern betreuen, anleitet. Die Hilflosigkeit und Unwissenheit vieler Helfer, mangelndes Verstehen und mangelnder Beistand durch Familie und Freunde machen den Eltern ihr schreckliches Erlebnis noch schwerer, helfen ihnen nicht zur Verarbeitung, sondern erschweren die notwendige und helfende Trauerarbeit. Aber was kann dazu beitragen, dass die Eltern ihre schlimme Erfahrung positiv verarbeiten? Nach Hannah Lothrop brauchen die Eltern, deren Kind tot zur Welt kommt, Menschen, die sich auf sie einlassen, Momente, liebevoll mit dem toten Baby umzugehen, Erinnerungs- und Abschiedsrituale: Fotos, Fuß- und Handabdrucke, eine Decke, in die das Kleine eingewickelt war, eine Geburts-Sterbe-Urkunde, ein Namensbändchen helfen zu begreifen. Rituale helfen der Seele, auf einer tieferen Ebene zu verarbeiten und zu heilen. Für die meisten Eltern ist es beruhigend, wenn ihr Baby einen Platz in der Erde hat, wo sie hingehen können. Beerdigungsrituale, vielleicht individuell gestaltet, können zum Frieden beitragen.

Auch der Bestatter Fritz Roth aus Bergisch Gladbach, Gründer einer privaten Trauerakademie, legt in seinem „Haus der menschlichen Begegnung“ Wert auf Rituale und Zeichen, damit sich die betroffenen Menschen das Unfassbare begreifbar machen: Eltern, die ihr Kind verloren haben, machen mit dem kleinen Leichnam einen letzten Spaziergang durch den Wald. Sie spüren das Kind noch einmal am eigenen Körper, um ihrem Bedürfnis nach Abschied nahe zu kommen.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich unter anderem in dem Materialband „Das ewig Licht scheint da herein“ mit Gedanken und Anregungen zur Trauerbegleitung bei Totgeburten befasst. Den Eltern sollten Hilfestellungen gegeben werden, ihrem toten Kind zu begegnen und es als ihr Kind zu empfangen, z. B. dass ein Pflegender das tote Kind in den Arm nimmt, wiegt und anspricht. Aus seelsorglicher Verantwortung sollte man elterlichen Wünschen nachkommen, das verstorbene Kind segnen zu lassen. Die evangelische Arbeitshilfe regt auch Initiativen an, die den Eltern helfen, dass sie ihre toten Kinder bestatten können.

Die deutschen katholischen Bischöfe geben in ihrer Arbeitshilfe „Eltern trauern um ihr totes neugeborenes Kind“ psychologische Hinweise, die im Umgang mit Angehörigen tot geborener Kinder berücksichtigt werden sollten, bieten Hilfen, wie man trauernde Eltern vorsorglich begleiten kann, z. B. Möglichkeiten des Abschieds im Krankenhaus, Hilfen durch die Kirchengemeinde. Das Arbeitsheft trägt Wünsche und Anregungen an den Gesetzgeber und die Träger kommunaler Einrichtungen vor, beispielsweise nach der Schaffung eigener Begräbnisstätten. Die Broschüre liefert auch Anregungen zum persönlichen Gebet und zu liturgischen Feiern.

So ist festzuhalten: Durch die Arbeit von Selbsthilfegruppen, durch Seminare von Trauerakademien, durch die Einrichtung eigener Kindergedenkplätze und Kinderbegräbnisstätten auf Friedhöfen, aber auch durch kirchlich-pastorale Anleitungen wächst das Bewusstsein für die Gefühle trauernder Eltern. Sie helfen den Angehörigen, den Verlust in ihr Leben zu integrieren und dem Tod des Kindes einen Sinn zu geben.

Brauch: politisch

Die nationalsozialistische Festkultur ist im Rheinland bislang wenig erforscht. Die ARL-Volkskundler sind dabei, diesen Aspekt historischer Brauchforschung aufzuarbeiten. Denn: Der Nationalsozialismus stellte das Ziel „Volksgemeinschaft“ nicht unwesentlich durch Feste und Feiern her. Die nationalsozialistische Bewegung trug beispielsweise entscheidend zur Durchsetzung des „Tages der deutschen Mutter“ in weiten Bevölkerungsschichten bei, die Mütter-Ideologie fand mit dem „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“ ihren sichtbaren Ausdruck.[3594]

Das agrarische Erntedankfest erfuhr bekanntlich unter dem Einfluss der Blut- und Boden-Mythologie der Nationalsozialisten eine eigene weltanschaulich-politische Sinngebung als Ausdruck der „Leistungskraft des deutschen Bauern“. Die Nationalsozialisten deuteten es zu einem politisch-nationalistischen bzw. zu einem Standesfest um. Der Dank an Gott für das tägliche Brot – der ursprüngliche und eigentliche Sinn der Erntedankfeiern – wurde zum nationalsozialistischen Erntefest als Ausdruck der Leistungskraft des deutschen Bauern, der für Hitler „Nahrungs- und Lebensquell des Volkes“ war. Das Fest wurde zu einem germanischen Dank an Führer, Volk und Vaterland. Die Bestrebungen gipfelten in dem 1933 geschaffenen deutschen Erntedanktag, der jährlich am 1. Oktober als „Tag des deutschen Bauern“ gefeiert werden sollte und seine lokalen Ausprägungen im Rheinland erfuhr.[3595] – Bislang weitgehend unbeachtet geblieben ist die Geschichte der Weinfeste im Dritten Reich.

Weinfeste der „Volksgemeinschaft“. Zur Festkultur im Nationalsozialismus[3596]

Eng verbunden mit dem Weinbau ist die Kultur des alltäglichen und festlichen Winzerlebens. Die jahrtausendealte deutsche Weinbaugeschichte hat eine breite, reichhaltige Palette vielfältiger und vielgestaltiger Feste, Rituale und Bräuche der Winzer hervor und mit sich gebracht. Im Nationalsozialismus erfuhren sie eine ideologische Instrumentalisierung.

Winzernot

Die Winzer an Rhein, Mosel oder Ahr litten im 19. Jahrhundert soziale Not, durch Missernten und steuerliche Überbelastung waren sie an den Rand ihres Existenzminimums geraten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte eine systematische Anbauförderung, was höhere Weinerträge erbrachte. Die guten Weinernten drückten jedoch die Preise, hinzu kamen die Folgen von Weinzöllen und -steuern. Der fortschreitende Preisverfall gegen Ende der 1920er-Jahre führte erneut zur wirtschaftlichen Notlage und trieb die Winzer in die Existenzkrise.

Die ersten rheinischen Weinfeste verdanken ihre Entstehung dieser ökonomischen Krisensituation. In einer wirtschaftlich schwierigen Zeit sorgte unter anderem der „Propagandaverband preußischer Weinbaugebiete“ für die Belebung des Weinabsatzes. Es entstanden Weinfeste, die den Winzern gute Werbe- und Absatzmöglichkeiten bieten sollten.

Weinpropaganda

Den Weinfesten verschafften besonders die Nationalsozialisten einen starken Zuspruch. Zwischen 1934 und 1939 nutzten sie die Winzernot, um mit Patenweinaktionen, Weinwerbewochen und Winzerfesten nicht nur vordergründig die wirtschaftliche Lage der Winzer zu verbessern, sondern auch den Winzerstand – speziell an Mosel, Saar und Ruwer, Mittelrhein, Nahe und Ahr – politisch-ideologisch zu instrumentalisieren. Das Winzerleben bietet ein eindringliches Beispiel, wie der NS-Staat sich des Alltags der Menschen bemächtigte, wie nämlich die Nationalsozialisten mit ihrer Blut-und-Boden-Ideologie das Winzerleben durchdrangen und den Winzerstand politisch gefügig machten.

Die NSDAP stellte die Förderung des Weinbaus durch Weinkonsum in Beziehung zur „einigen Volksgemeinschaft“, die individuellen „klassengebundenen“ Festbedürfnisse traten zurück. Der ökonomische Anspruch der Winzer auf Unterstützung wurde ersetzt durch die Ideologisierung des Bauern- und Winzerstandes als „Ehrenstand der deutschen Nation“. Zu den nationalsozialistischen Maßnahmen der Weinbauförderung gehörten in den Jahren 1935 bis 1937 organisierte Weinpatenschaften. Das NS-Regime lastete die Vorliebe breiter Bevölkerungsschichten für Bier und Branntwein den Marxisten bzw. Kommunisten an. Es warf der marxistischen „Gleichmacherei“ vor, das Weintrinken als „kapitalistische Genusssucht“ verunglimpft zu haben.

Weinpatenschaften und Weinfeste

Das Regime suchte die breiten Massen davon zu überzeugen, dass Weintrinken kein Luxus sei, denn: „Wein ist Volksgetränk, ein Erzeugnis deutscher Erde und fleißiger Winzerarbeit“. Und dazu dienten die Weinpatenschaften. Den Weinbaugebieten im Westen wurden Patenschaftsregionen und -städte vornehmlich in Nord- und Ostdeutschland zugeteilt. Das Patenkind „Ahrburgunder“ beispielsweise hatte Patenstädte vorwiegend an Nord- und Ostsee, der „Siebengebirgswein“ die Patenstädte Siegburg und Neukirchen bei Chemnitz.

Um der Patenschaftsaktion einen ansprechenden und absatzfördernden Rahmen zu geben, wurde ein neues, oft als „Weinwerbewoche“ bezeichnetes Fest ins Leben gerufen. Zu diesem reichsweiten „Fest der deutschen Traube und des Weines“ gehörten Winzer-Festzüge; Kundgebungen; Großveranstaltungen, getragen von der Organisation KdF; Kameradschaftsabende der Betriebe, bei denen überall Wein getrunken wurde; Auftritte von Trachtengruppen und Weinköniginnen in den Weinbauorten. In den Patenstädten wurden Weinfeste organisiert, an denen politische Funktionäre sowie Winzergruppen aus den Patenkind-Orten mitwirkten.

Die Weinpatenschaftsaktionen hatten den Winzern der Westmark zu einem Aufschwung verholfen. In dieser Situation rief Gauleiter Gustav Simon 1937 das „Weinfest der Westmark“ ins Leben, um den Winzerstand auch weiterhin an den Nationalsozialismus zu binden. Im Jahre 1939 war geplant, dieses Fest in Bad Kreuznach mit einem unübertrefflichen Festzug auszurichten. Indes: Zu dem Weinfest sollte es nicht mehr kommen. – Der Zweite Weltkrieg warf seine Schatten voraus, der Winzer musste für die kurzzeitige wirtschaftliche Blüte des Weinbaus bald dem NS-Regime den Zoll bezahlen.

Brauch: regional-dynamisch

Was die Dynamik der Region als Brauchlandschaft kennzeichnet, kann im überregionalen bzw. internationalen Vergleich deutlich werden. Dem ARL kommt eine gewisse Vorreiterfunktion zu, nämlich über die Grenzen hinwegzuschauen – schon der Titel der Zeitschrift „Volkskultur an Rhein und Maas“ signalisiert die internationale Ausrichtung.[3597] Die Volkskundler haben verstärkt seit Beginn der 1990er-Jahre grenzüberschreitende Projekte durchgeführt, z. B. das Gemeinschaftsunternehmen „Spielwelten der Kinder an Rhein und Maas“. Das internationale Ausstellungsprojekt ging im internationalen Vergleich der Frage nach, als wie verwandt oder als wie verschieden sich die Erscheinungsformen des kindlichen Spielens im alten Kulturraum an Rhein und Maas darstellen.[3598]

Die Ergebnisse der 1995/96 durchgeführten Fragebogenerhebung zum Wandel des rheinischen Nikolausbrauches wurden in einer Publikation sowie in einer Ausstellung präsentiert.[3599] Ergänzt wurden die rheinischen Zeugnisse durch Dokumentationen aus niederländisch Limburg, aus der Wallonie und aus Luxemburg. Im Folgenden wird am Beispiel des Nikolausfestes aufgezeigt, wie regionale Brauchdynamik gerade im Zusammenhang aktueller globaler Entwicklungen zur Identitätsfrage führt.

Das Nikolausfest – Familiäre Feier, öffentlicher Event, Nationalfest[3600]

Nikolaus ist der beliebteste Heilige der Weihnachtszeit. Sein Namenstag am 6. Dezember nimmt einen herausragenden Platz in der Festkultur an Rhein und Maas ein. Legenden, Kult und Brauchformen bezeugen die Popularität des Nikolaus. Offensichtlich waren es in erster Linie die Klosterschulen des nordfranzösisch-niederländischen Raums, von denen das Schülerpatronat des Heiligen seinen Ausgang nahm.

Knabenbischofspiel, Nikolauslaufen und Kinderbescherung

Hier liegt auch die Keimzelle für den Nikolausbrauch mit der Bescherung am 6. Dezember, dem Festtag des Heiligen, oder an seinem Vorabend. Üblicherweise wurde am Fest der Unschuldigen Kinder (28. Dezember) unter den Schülern ein Bischofsdarsteller gewählt, der Sankt Nikolaus mimen durfte. Spätestens vom 14. Jahrhundert an verlagerte sich die praktisch in sämtlichen Klöstern Mitteleuropas gepflegte alljährliche Inthronisation des Knabenbischofs jedoch zunehmend auf den 6. Dezember.

Ohne Zweifel erlebte der adventliche Mummenschanz ausgesprochen exzessive Züge; ganze Scharen junger Leute trieben ihren Schabernack. Dieses wilde Nikolauslaufen war im Rheinland weniger, in den benachbarten Niederlanden umso stärker ausgeprägt: Ältere Kinder oder Burschen zogen maskiert in kleinen Gruppen von Haus zu Haus, jagten den kleinen Kindern Angst ein, neckten die jungen Mädchen. Wie bei Umgängen an Neujahr, Dreikönig oder Fastnacht war es das Ziel, Spaß zu haben und Gaben zu heischen.

Nikolaus im Rheinland – von der häuslich-familiären Feier zum öffentlichen Ereignis

Auf dem Schülerpatronat beruhen auch der Einlegebrauch des unsichtbaren Gabenbringers und die Einkehr des Nikolaus, der mit Gefolge persönlich erscheint. Beide Formen existieren im Rheinland wie in den Niederlanden bis in die neuere Zeit ebenso wie die Nikolauseinkehr des sichtbaren Gabenbringers.

Im Rheinland erfolgte die Nikolauseinkehr lange Zeit im häuslich-familiären Bereich, seit den 1950er-Jahren auch in Schulen, Betrieben und karitativen Einrichtungen. Seither ist das rheinische Nikolausfest immer mehr zu einem öffentlichen Ereignis geworden. Es gibt zwar noch die familiäre Nikolausfeier mit der traditionellen Kinderexaminierung und Kinderbescherung durch den Heiligen Mann, der gelegentlich noch von den Schreckfiguren Knecht Ruprecht, Hans Muff oder dem Düvel begleitet wird. Die häusliche Nikolauseinkehr tritt aber mehr und mehr in den Hintergrund. Da taucht der Nikolaus beispielsweise während Fahrten von Nostalgie-Eisenbahnen auf, um die Kinder mit einer Überraschung zu bescheren. Als romantisches Naturerleben mag der Auftritt des Heiligen Mannes im Wald zu verstehen sein. Heutzutage treten die Nikoläuse geradezu in Scharen bei Advents- oder Nikolausfeiern von Vereinen und politischen Parteien, von Kegel- und Freizeitklubs, von Behörden, Firmen oder Werbegemeinschaften auf. Sie überfluten die Geschäfte und die öffentlichen Plätze, die Weihnachtsmärkte und die Einkaufszonen.

Nikolaus in den Niederlanden – ein Nationalfest

Lange war in den Niederlanden das wilde Nikolauslaufen noch weit verbreitet, auch die Vorstellung, dass Nikolaus nachts als unsichtbarer Schimmelreiter über die Dächer reitet und seine Gaben verteilt. Dieses Bild begann sich seit Ende des 19. Jahrhunderts zu ändern. Ausgehend von städtisch-bürgerlichen Kreisen breitete sich eine moderne Form der Nikolausfeier aus. Dorfschullehrer spielten dabei eine herausragende Rolle, den Nikolausbrauch in neue Bahnen zu lenken. Erwachsene übernahmen die Hauptrolle in einem geordneten, gesitteten Nikolausfest – ein vornehmer Nikolaus und kleine Kinder standen nun im Mittelpunkt des Festgeschehens. Das wilde Nikolauslaufen wandelte sich zum organisierten, festlichen Einzug im Ort. Gemäß den pädagogischen Ideen war auch der „Zwarte Piet“ – der niederländische Begleiter des Nikolaus – keine Schreckgestalt mehr. Heute begleiten viele Geschenke und Süßigkeiten verteilende schwarze Diener den „Sinterklaas“.

Nach der Einführung des Sinterklaas-Einzugs und den Schulfesten hat sich in den Niederlanden die öffentliche Nikolausfeier in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ausgeprägt und in der Nachkriegszeit intensiviert. Zu seinem speziellen Öffentlichkeitscharakter gehört die Ankunft des Sinterklaas aus Spanien, die 1934 eingeführt wurde. Heute hat fast jeder Ort seinen eigenen Nikolauseinzug. Wo es keinen Hafen gibt, kommt der Nikolaus mit dem Zug oder sogar mit einem Hubschrauber.

Dieser Öffentlichkeitscharakter des niederländischen Nikolausbrauches mit dem Prestige eines Nationalfestes kann für das Rheinland so nicht gelten. Wenn aber Sinterklaas mit seinen Zwarten Pieten in Krefeld-Uerdingen per Boot ankommt, dann fasst auch die niederländische Ausprägung im Rheinland Fuß. So ist Nikolaus wie im Nachbarland inzwischen auch in der rheinischen Region mit allen möglichen Fahrzeugen unterwegs. Der einstige Fußgänger Nikolaus kommt per Schiff, Segelboot oder Schnellboot – z. B. auf Mosel, Rhein oder Niers –, auch mit dem Motorrad oder per Auto, mit Hubschrauber, Doppeldecker oder Heißluftballon daher.

Die medienwirksam inszenierte, landesweit übertragene niederländische Nikolaus-Ankunft aus Spanien, der einheitliche Festtermin 5. Dezember und der öffentliche Einzug gehören nach John Helsloot zu den Merkmalen eines einheitlichen Konzepts dieses Festes. Dazu gehört die Funktion als Erleben von Eintracht und Geselligkeit. Indem das Datum des Einzugs im ganzen Land zunehmend angeglichen worden ist, kommt es auch zu einer Verbindung von lokalem und nationalem Identitätsgefühl. So wurde hier das Nikolausfest gewissermaßen zum Nationalfest deklariert. Der Sinterklaas ist heute eine für jeden Niederländer erkennbare nationale Symbolfigur.

Nikolaus, Weihnachtsmann, Santa Claus – global versus regional

Die nahezu zeitgleichen Erhebungen zum Nikolausbrauch im Rheinland und in den Niederlanden reflektieren auch identische Meinungen. Menschen in den Niederlanden und im Rheinland bewerten die Kommerzialisierung und die Globalisierung als Identitätsverlust.

Den Wandel zum öffentlichen Ereignis-Brauch schreiben Gewährspersonen der rheinischen Nikolausumfrage der heutigen Kommerzialisierung zu. Sie sehen den ursprünglichen Sinngehalt des Nikolausfestes als Feier häuslich-familiärer Kinderbescherung bedroht durch öffentlichen Event, Reklame und Kommerz. Kommerz und Profitgier der Gewerbetreibenden werden auch in den niederländischen Berichten angeprangert. Die Kritik greift hier aber weiter: Ein Importfest bedrohe ein typisch niederländisches Fest, solche Entwicklungen stellten die niederländische Identität infrage. Dazu kommt, dass in beiden Regionen Weihnachtsmann und Santa Claus die Monopolstellung des Nikolaus als Gabenbringer streitig machen. Die heute auftretenden Weihnachtsmann-Figuren werden als völlige Entstellung der Gestalt des Heiligen bewertet, von der kinderliebenden, gabenbringenden Autoritätsgestalt bleibe nur seine äußere Erscheinung übrig, nämlich der rote Mantel und die Kapuze.

Literatur, Dokumente

Das Amt für rheinische Landeskunde Bonn

Amt für rheinische Landeskunde. Der Region Profil geben. Flyer. 2003.

Amt für rheinische Landeskunde. Der Region Profil geben – Besonderheiten und Stärken des Rheinlandes. In: Landschaftsverband Rheinland/Presseamt (Hg.): Kultur im Rheinland. Museen und Kultureinrichtungen des Landschaftsverbandes Rheinland. Köln 2003, S. 34–35.

Langensiepen, Fritz: Vom Mehrwert des Regionalen. Alltagskultur als Basis regionaler Identität. In: Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003, S. 7–16. (VRM-Spezial: Regionale Identitäten im rheinisch-limburgischen Grenzraum).

Volkskultur an Rhein und Maas 12. 1993/1 – VRM-Spezial: Das ARL stellt sich vor.

Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003 Sonderheft – VRM-Spezial: Regionale Identitäten im rheinisch-limburgischen Grenzraum.

Veröffentlichungen aus dem Amt für rheinische Landeskunde (in Auswahl)

Brandt-Schwarze, Ulrike: Abikultur im Rheinland. In: Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003/1, S. 5–16.

Bauer, Katrin: Internethasen und Plastikeier. Aktuelle Ostertrends im Rheinland. In: Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003/1, S. 17–22.

Dafft, Gabriele: Das Geschäft mit der Gänsehaut. Die Vermarktung von Halloween. In: Volkskultur an Rhein und Maas 20. 2002/2, S. 5–16.

Döring, Alois: Das Karklappern im Rheinland. In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 28. 1983, S. 143-154.

Döring, Alois: Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt im Rheinland. In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 30/31. 1985/86, S. 35–49.

Döring, Alois: Christkindumgang. (= Landes- und volkskundliche Filmdokumentation. Beiheft 2). Köln 1987.

Döring, Alois: Der vergessene Tod. Ergebnisse einer Bestandsaufnahme alter Sterbe- und Totenbräuche in Bonn und im Rheinland. In: Katholisches Bildungswerk Bonn (Hg.): In Bonn katholisch sein. Ursprünge und Wandlungen der Kirche in einer rheinischen Stadt. Bonn 1989, S. 159–168.

Döring, Alois: Der Rummelpott. Notizen zu einem niederrheinischen Fastnachtsbrauch. In: Bodens, W.; A. Döring; L. Gillessen: Von Fastelabend bis Karneval. Fastnachtsbräuche im westlichen Grenzland. (= Museumsschriften des Kreises Heinsberg, Bd. 10). Heinsberg 1989, S. 101–114.

Döring, Alois: Glockenbeiern im Rheinland. (= Beiträge zur rheinischen Volkskunde, Bd. 4). Köln 1988. 2. Aufl. Köln 1993.

Döring, Alois: Bäubier, Heules, Himmelsbier. Enzyklopädische Streifzüge durch fünf Jahrhunderte Brauchwelten des Bieres. In: Langensiepen, Fritz (Hg.): Bierkultur an Rhein und Maas. Eine Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Rheinland, Amt für rheinische Landeskunde Bonn. Bonn 1998, S. 285–301.

Döring, Alois: Ernte(dank)fest. Zur Entstehung und Geschichte eines auch in Meerbusch verbreiteten Brauches. In: Dohms, Peter (Hg.); Heimatkreis Lank (Auftr.): Landleben und Brauch. Alltagsgeschichte im Gebiet des früheren Amtes Lank. (= Im Rheinbogen, Bd. 6). Meerbusch 1998, S. 307–319.

Döring, Alois: Patenkind: Ahrburgunder. Weinpatenschaften, Weinpropaganda und Weinfeste in der Zeit des Nationalsozialismus. In: Hirschfelder, Gunther; Dorothea Schell; Adelheid Schrutka-Rechtenstamm (Hg.): Kulturen – Sprachen – Übergänge. Festschrift für H. L. Cox zum 65. Geburtstag. Köln, Weimar, Wien 2000, S. 597–615.

Döring, Alois: Feste und Feiern. (= Im Wandel der Zeit – 2000 Jahre an Rhein und Mosel, Bd. 5). Zwolle 2000.

Döring, Alois: Leben im Alltag. (= Im Wandel der Zeit – 2000 Jahre an Rhein und Mosel, Bd. 17). Zwolle 2001.

Döring, Alois (Hg.): Faszination Nikolaus. Kult, Brauch und Kommerz. Eine Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Rheinland, Amt für rheinische Landeskunde Bonn. Essen 2001.

Döring, Alois: Halloween im Rheinland. Notizen zu einem Forschungsprojekt. In: Zeitschrift für Volkskunde 97. 2001, S. 281–283.

Döring, Alois: Wenn Junggesellen feiern ... Rheinische Fastnachts-, Mai- und Kirmes-Bräuche – und ihre Überlieferungsformen im Drachenfelser Ländchen. In: Kühn, Norbert; Bruno P. Kremer (Hg.): 600 Jahre Drachenfelser Ländchen. Natur- und kulturgeschichtliche Streifzüge. Köln 2002, S. 98–112.

Döring, Alois: Nikolaus, Weihnachtsmann und die Heiligen Drei Könige. Brauchwandel an Rhein und Maas seit 1945. In: Volkskultur an Rhein und Maas 20. 2002/2, S. 17–37.

Döring, Alois: Bestattet am anonymen Ort? Zum Begräbnisschicksal von (ungetauften) totgeborenen Kindern. In: Sterben und Tod. Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde 34. 2001–2002, S. 29–48.

Döring, Alois: Nikolaus, Weihnachtsmann, Santa Claus. Brauchwandel und Brauchidentitäten an Rhein und Maas. In: Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003 Sonderheft, S. 77–66. (VRM Spezial 2003 – Regionale Identitäten im rheinisch-limburgische Grenzraum).

Fadel, Ayten: Martinsfeuer im Rheinland. In: Volkskultur an Rhein und Maas 8. 1989/2, S. 21–26.

Fadel, Ayten: Spielwelten der Kinder in der Weihnachtszeit. In: Volkskultur an Rhein und Maas 13. 1994/2, S. 9–24.

Dafft, Gabriele (Texte und Konzeption): Hochzeit im Wandel. Ausstellungsflyer. 1996.

Jopp, Heinke (Texte): Kindheit im Rheinland bis 1950. Ausstellungsflyer. 1991.

Essel, Anne (Texte): „Komm, Nikolaus komm ...“ Nikolausbrauch an Rhein und Maas – sein Wandel von 1900 bis heute. Ausstellungsflyer. 1997.

Spielwelten der Kinder an Rhein und Maas. Speelwereld van kinderen aan Rijn en Maas. Mondes du jeu des enfants de la région du Rhin et de la Meuse. Begleitband und Katalog zur Ausstellung des Landschaftsverbandes Rheinland, Amt für rheinische Landeskunde. (= Werken und Wohnen. Volkskundliche Untersuchungen im Rheinland, Bd. 21). Köln 1993.

Volkskultur an Rhein und Maas 11. 1992/1 – VRM-Spezial: Kindheit im Rheinland bis 1950.

Volkskultur an Rhein und Maas 15. 1996/2 – VRM-Spezial: Hochzeit im Wandel.

Internetseiten/pdf-Dateien des Amtes für rheinische Landeskunde Bonn[3601]

ARL allgemein: www.arl.lvr.de
Halloween: www.halloween-im-rheinland.de
Abi-Action: www.abi-action.de

Dafft, Gabriele: Das Geschäft mit der Gänsehaut. In: www.halloween-im-rheinland.de/pdf/geschaeft.pdf

Deak, Alexandra: Von der amerikanischen Walpurgisnacht zum rheinischen Kürbisbrauch. Halloween in den Medien. In: www.halloween-im-rheinland.de/pdf/medien.pdf

Döring, Alois: Allerheiligen, Samhain, Halloween. Historische Notizen zu Halloween. In: www.halloween-im-rheinland.de/pdf/historie.pdf

Döring, Alois: Nikolaus, Weihnachtsmann und Santa Claus – Wandel des Nikolausbrauches an Rhein und Maas seit 1950. In: www.arl.lvr.de/arl_nik/doering1.pdf

Döring, Alois: Nikolaus – Leben, Legenden, Brauchgeschehen. In: www.arl.lvr.de/arl_nik/doering2.pdf

Döring, Alois: Frömmigkeit, Brauch und Hilfsaktionen – Dreikönigssingen an Rhein und Maas gestern und heute. In: www.arl.lvr.de/arl_stsi/doering-dk.pdf

Döring, Alois: „Nach dem Ende langen Strebens, fängt das Leben richtig an.“ Eine kleine Geschichte der Festkultur rund um das Abitur zwischen Schlussakt und Supergag. In: www.arl.lvr.de./arl_abi/abi2001.pdf

Fischer, Helmut: Lust auf Horror. In: www.halloween-im-rheinland.de/pdf/horror.pdf

Langensiepen, Fritz: Nikolaus oder Weihnachtsmann? In: www.arl.lvr.de/arl_nik/nik_lang.pdf

Langensiepen, Fritz: Der Osterhase – eine Kultfigur zwischen Mythos und Megastar. In: www.arl.lvr.de/arl_os/Langensiepen.pdf

Langensiepen, Fritz: Halloween Alaaf. Wie die Rheinländer den Horror-Brauch prägen. In: www.halloween-im-rheinland.de/pdf/alaaf.pdf

Langensiepen, Fritz: Halloween ist Magie des Altags. In: www.halloween-im-rheinland.de/pdf/Halloween2003_Magie.pdf

Lois, Daniel: Halloween in Zahlen. In: www.halloween-im-rheinland.de/pdf/Halloween-Statistik_2003/pdf

Röckel, Matthias: Halloween boomt! – Warum gerade jetzt? In: www.halloween-im-rheinland.de/pdf/warum-jetzt.pdf

Stillger, Antje: Halloween – Die Motive und Einstellungen der Teilnehmer. In: www.halloween-im-rheinland.de/pdf/motive.pdf

Filmdokumentationen des Amtes für rheinische Landeskunde Bonn

Maifest in Bornheim bei Bonn. Bornheim 1962.

Gymnicher Ritt. Gymnich 1962.

Dörfliche Vorbereitung einer Primizfeier. Sabershausen 1962.

Grabgeleit für einen ehemaligen König bei den Niederdollendorfer Junggesellen. Niederdollendorf 1965.

Kirmes in Nettersheim. 4 Teile. Nettersheim 1967.

Die Dülkener Narrenakademie. Dülken 1975.

Umgang des Ärzebärs am Fastnachtsdienstag. Kommern 1976.

Versteigerung der Mailehen beim Junggesellenverein Gemütlichkeit in Gielsdorf am 10. April 1976.

Umgang des Schellenbaums an Fastnacht in Blankenheim. Blankenheim 1977.

Das Nikolausspiel in Höngen. Höngen 1977.

Fronleichnam in Steinstraß-Lich 1978.

Brezelgang der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft in Merkstein 1979.

Karneval in Blankenheim. Die Jäken Böönchen. Blankenheim 1979.

Maibräuche in Körrenzig. Körrenzig 1979.

Das Jungenspiel in Würselen 1979.

Ostereierschibbeln. Bladersbach 1980.

Pfingsteiersingen. Schönenberg 1980.

Vogelschießen bei der St. Sebastiani-Armbrustschützengesellschaft Anno 1250. Herzogenrath 1980.

Glockenbeiern zur Kirmes. Niederdollendorf/Königswinter 1982.

Allerseelensingen. Kallmuth/Eifel 1982.

Der Geisterzug an Fastnacht. Blankenheim/Eifel 1983.

Christkindumgang. Lasserg/Mosel 1984.

Die Pfingsteierkrone. Bonn-Küdinghoven 1984.

Karklappern. Morshausen/Hunsrück 1986.

Die Martinsfeuer von Ahrweiler. Ahrweiler 1988.

Kinderspiele an Rhein und Maas. 1993.

Kinderkarneval in Heimersheim. Heimersheim 1993.

Zu Hause in der Fremde. Griechisch-orthodoxe Taufe im Rheinland.

„Wir kommen daher aus dem Morgenland ...“ Dreikönigssingen im Rheinland – gestern und heute. Bonn–Venusberg 1995.

„Christos anesti!“ Die Feier des griechisch-orthodoxen Osterfestes im Rheinland. Siegburg/Bonn-Beuel 2000.

„La Festa della Pasqua“. Szenen der italienischen Karwoche. Köln 2000.

„Dominog de Ramos“. Spanischer Palmsonntag in Köln. 2000.

„Theódoros & Tanja“. Eine griechisch-rheinische Hochzeit. Bonn–Beuel u. a. 2001.

Halloween im Rheinland. 2001–2004 [in Bearbeitung]

Ausstellungen des Amtes für rheinische Landeskunde Bonn

Die Straße. Schauplatz – Verkehrsweg – Lebensraum. 1987. Foto-Wanderausstellung, 1987–1990.

Kindheit im Rheinland bis 1950 – Stationen des Kinderlebens: Geburt, Taufe, Erster Schultag, Schulentlassung, Kommunion, Konfirmation. 1991. Ausstellung im Bürgerhaus Langenfeld.

Hochzeit im Wandel. 1996. Foto-Wanderausstellung, 1996–2000.

Spielwelten der Kinder an Rhein und Maas. In Zusammenarbeit mit Limburgs Volkskundig Centrum, Limbricht; Musée de la vie Wallonne, Liège; Ministère des Affaires culturelles Grand-Duché Luxembourg und Reinisches Museumsamt, Pulheim. 1993. Wanderausstellung 1993–1996.

„Komm, Nikolaus komm ...“ Nikolausbrauch an Rhein und Maas – sein Wandel von 1900 bis heute. In Zusammenarbeit mit Limburgs Volkskundig Centrum, Venlo; Musée de la vie Wallonne, Liège; Institut Grand-Ducal, Luxemburg. 1997/98. Ausstellung im Imhoff-Stollwerck-Museum, Köln.



[3580] Langensiepen, Fritz: Vom Mehrwert des Regionalen. Alltagskultur als Basis regionaler Identität. In: Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003 Sonderheft, S. 10 (VRM-Spezial: Regionale Identitäten im rheinisch-limburgischen Grenzraum).

[3581] Langensiepen, Fritz: Vom Mehrwert des Regionalen. Alltagskultur als Basis regionaler Identität. In: Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003 Sonderheft, S. 16 (VRM-Spezial: Regionale Identitäten im rheinisch-limburgischen Grenzraum).

[3582] Zum Folgenden siehe: Amt für rheinische Landeskunde. Der Region Profil geben. Flyer. 2003. – Amt für rheinische Landeskunde. Der Region Profil geben – Besonderheiten und Stärken des Rheinlandes. In: Landschaftsverband Rheinland/Pressemat (Hg.): Kultur im Rheinland. Museen und Kultureinrichtungen des Landschaftsverbandes Rheinland. Köln 2003, S. 34–35.

[3583] In der Abteilung Volkskunde sind derzeit 8 MitarbeiterInnen (davon 3 Wissenschaftliche Referenten) beschäftigt, im Amt insgesamt derzeit 24.

[3584] Fragebogenerhebungen zum Thema Brauch: Rheinischer Karneval. 1974; Rheinische Volksfeste. 1975; Kinderspiele. 1981–82; Eierkronenbrauch. 1982; Totenbrauch. 1983–84; Glockenbeiern im Rheinland. 1983–85; Karklappern im Rheinland. 1982; Martinsfeuer im Rheinland. 1988–89; Kindheit im Rheinland bis 1950. 1990–91; Spielwelten der Kinder im Rheinland. 1992–93; Hochzeit im Wandel. 1994–95; Nikolausbrauch 1995–96; Osterbrauch – Aktuelle Erscheinungsformen im Rheinland. 2002; Weihnachtlicher Lichterbrauch. 2003–2004.

[3585] Zu der hier benutzten Definition siehe u. a. Schwedt, Herbert: St. Martin – Ein reformierter Brauch. Bräuche – Geschichte und Theorie. In: Volkskultur an Rhein und Maas 11, 1992/1 (VRM-Spezial: Kindheit im Rheinland), S. 9–18;. – Schwedt, Herbert; Elke Schwedt: Bräuche zwischen Saar und Sieg. Zum Wandel der Festkultur in Rheinland-Pfalz und im Saarland. (Studien zur Volkskultur in Rheinland-Pfalz, 5) Mainz 1989. – Wolf, Helga Maria: Das neue BrauchBuch. Wien 2000, S. 10ff.

[3586] Siehe hierzu beispielsweise Wolf, Helga Maria: Das neue BrauchBuch. Wien 2000, S. 44f.

[3587] Zur Event-Definition siehe vor allem Gebhardt, Winfried: Feste, Feiern und Events. In: ders., Ronald Hitzler, Michaela Pfadenhauer (Hg.): Events. Soziologie des Außergewöhnlichen. Opladen 2000, S. 17–31. – Bauer, Katrin: Alltagskultur zwischen Brauch und Event. Bonner Abi-Gas 1990 bis 2002. (unveröff. Magisterarbeit) Bonn 2003.

[3588] Siehe hierzu die gleichnamige Filmdokumentation: „Theódoros & Tanja“. Eine griechisch-rheinische Hochzeit. Bonn–Beuel u. a. 2001. (Autoren: Berthold Heizmann, Alois Döring).

[3589] Siehe die verschiedenen thematischen Beiträge unter www.halloween-im-rheinland.de [Anm. der Redaktion: die Website ist nicht mehr erreichbar (Stand: 2019)]

[3590] Siehe Bauer, Katrin: Internethasen und Plastikeier. Aktuelle Ostertrends im Rheinland. In: Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003/1, S. 17–22.

[3591] Siehe die ausführliche, die Rhein-Maas-Brauchlandschaft in den Blick nehmende Darstellung von Döring, Alois: Nikolaus, Weihnachtsmann und die Heiligen Drei Könige. Brauchwandel an Rhein und Maas seit 1945. In: Volkskultur an Rhein und Maas 20. 2002/2, S. 17–37.

[3592] Zu Umfrage-Ergebnissen siehe Döring, Alois: Der vergessene Tod. Ergebnisse einer Bestandsaufnahme alter Sterbe- und Totenbräuche in Bonn und im Rheinland. In: Katholisches Bildungswerk Bonn (Hg.): In Bonn katholisch sein. Ursprünge und Wandlungen der Kirche in einer rheinischen Stadt. Bonn 1989, S. 159–168.

[3593] Siehe die auch historische und theologische Entwicklungen ausführlich behandelnde Darstellungen von Döring, Alois: Bestattet am anonymen Ort? Zum Begräbnisschicksal von (ungetauften) totgeborenen Kindern. In: Sterben und Tod. Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde 34. 2001/02, S. 29–48. – Döring, Alois: Mythische Orte – geweihte Erde? Zum Begräbnisschicksal von Tot- (und Früh-)Geburten in Geschichte und Gegenwart. In: Linke, Bernd M. (Hg.): Rituale in den Religionen. Frankfurt/Main 2004, S. 189–216.

[3594] Die Volkskunde bietet auf der ARL-Internetseite https://rheinische-landeskunde.lvr.de/de/startseite.html Präsentationen zu Ergebnissen laufender Projekte, siehe Literatur-/Dokumenten-Anhang.

[3595] Siehe Döring, Alois: Ernte(dank)fest. Zur Entstehung und Geschichte eines auch in Meerbusch verbreiteten Brauches. In: Dohms, Peter (Hg.); Heimatkreis Lank (Auftr.): Landleben und Brauch. Alltagsgeschichte im Gebiet des früheren Amtes Lank. (= Im Rheinbogen, Bd. 6). Meerbusch 1998, S. 307–319.

[3596] Siehe die Beiträge zu rheinischen Weingebieten von Döring, Alois: Patenkind: Ahrburgunder. Weinpatenschaften, Weinpropaganda und Weinfeste in der Zeit des Nationalsozialismus. In: Hirschfelder, G.; D. Schell, A. Schrutka-Rechtenstamm (Hg.). Kulturen – Sprachen – Übergänge. Festschrift für H. L. Cox zum 65. Geburtstag. Köln, Weimar, Wien 2000, S. 597–615. – Döring, Alois: „auch etwas herbere Weine anbieten.“ Nationalsozialistische Weinpropaganda und Weinpatenschaften, insbesondere für den Siebengebirgswein. In: Volkskultur an Rhein und Maas 20. 2002/1, S. 37–46.

[3597] Siehe hierzu auch die beiden Sonderhefte: Volkskultur an Rhein und Maas 12. 1993/1 (VRM-Spezial: Das ARL stellt sich vor) und Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003 Sonderheft (VRM-Spezial: Regionale Identitäten im rheinisch-limburgischen Grenzraum). – Die Zeitschrift Volkskultur an Rhein und Maas, herausgegeben vom Landschaftsverband Rheinland/Amt für rheinische Landeskunde Bonn, erscheint in der Regel zweimal jährlich kostenlos.

[3598] Siehe den Begleit- und Katalogband mit mehrsprachigen Beiträgen: Spielwelten der Kinder an Rhein und Maas. Speelwereld van kinderen aan Rijn en Maas. Mondes du jeu des enfants de la région du Rhin et de la Meuse. (= Werken und Wohnen. Volkskundliche Untersuchungen im Rheinland, Bd. 21). Köln 1993.

[3599] Siehe hierzu den Sammelband mit mehrsprachigen Beiträgen: Döring, Alois (Hg.): Faszination Nikolaus. Kult, Brauch und Kommerz. Eine Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Rheinland, Amt für rheinische Landeskunde Bonn. Essen 2001. – Essel, Anne (Texte): „Komm, Nikolaus komm ...“ Nikolausbrauch an Rhein und Maas – sein Wandel von 1900 bis heute. Ausstellungsflyer. 1997.

[3600] Siehe den Beitrag, der die Forschungen von John Helsloot zum niederländischen Nationalfest einbezieht, von Döring, Alois: Nikolaus, Weihnachtsmann, Santa Claus. Brauchwandel und Brauchidentitäten an Rhein und Maas. In: Volkskultur an Rhein und Maas 21. 2003 Sonderheft, S. 57–66 (VRM Spezial: Regionale Identitäten im rheinisch-limburgischen Grenzraum).

[3601] Anm. der Redaktion: die angegeben Texte sind nicht mehr zum Download verfügbar. Stand: 2019.

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