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5.24. Das Gollinger Sommer- und Winterspiel (Lucia Luidold)

5.24.1. „Glück hinein, Unglück heraus, die Percht’ kimmt ins Haus“

Karl Adrian hat in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts ein „Halleiner Winter- und Sommerspiel“[1710] aufgezeichnet. Im Vorspann beschreibt er sehr genau die Gestalten Winter und Sommer, die „in der Umgebung von Hallein [...] die Straße dahin wandern“, wobei sich in Golling einzelne Gewährspersonen[1711] an ein „Perchtenspiel des Sommers mit dem Winter“, aufgeführt um 1920, erinnern. Die Gewährspersonen haben noch den Zeitpunkt der Aufführungen und die grüne Schärpe des Sommers im Gedächtnis behalten, ebenso, dass bei Spielende der Winter vor dem Sommer kniete und ihm zuallerletzt die Hand reichte, um ihm aufzuhelfen. Alle diese Hinweise wurden von der Gollinger Perchtengruppe in das Spiel eingebaut; so auch jener, dass stets Erwachsene (vielleicht Salzarbeiter aus Hallein) aufgetreten sind.

Elisabeth Rainer aus Golling beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit dem Perchtenbrauch und setzte sich mit Engagement für eine Wiederbelebung in ihrem Ort ein. Viel Geduld war nötig, bis sie im Heimatverein „D’Rabenstoana“ interessierte Männer und Frauen fand, die sich bereit erklärten, das von Adrian aufgezeichnete Spiel als „Gollinger Sommer- und Winterspiel“ zu inszenieren. Als zusätzliche Quelle für die Zusammenstellung des Textes dienten die als Singweise Nr. 53 von Vinzenz Maria Süß in seinen „Salzburgischen Volks-Liedern“ aufgezeichneten Texte. So berichtet Süß: „Schon nach Weihnachten verkleiden sich zwey Burschen, eine im weißen Hemde den Sommer, der andere im rauhen Pelz den Winter vorstellende, und gehen auf dem Lande von Haus zu Haus, das sogenannte Sommer- und Winterlied singend, oder das Sommer- und Winterspiel ‚machend‘. Sie treten mitsammen gleichzeitig in das Zimmer.“[1712]

5.24.2. Das Sommer- und Winterspiel wird wiederbelebt

Für die Wiederbelebung des „Sommer- und Winterspieles“ in Golling galt es nicht nur Spieler und Musikanten zu suchen, sondern auch die einzelnen Masken und Kostüme herzustellen. In ihren Eltern hat Elisabeth Rainer, die sich mit Engagement für den Perchtenbrauch eingesetzt hat, große Helfer gefunden. Im Zentrum des Spieles steht der Streit des Sommers mit dem Winter. Der Sommer – weiß gekleidet, mit einem mit Blumen geschmückten Strohhut am Kopf – hält in der Hand ein mit roten und weißen Bändern verziertes Fichtenbäumchen. Der Winter hingegen ist mit einem dicken Pelzmantel, Schal und Haube bekleidet und fordert im Spiel seinen Kontrahenten zum Streitgespräch heraus. Um die beiden zentralen Gestalten gruppieren sich Frau Percht, zwei Vogel- und drei Fetzenperchten. Die Vorbilder, nach denen die Figuren hergestellt wurden, sind für die Fetzenperchten in der Kuenburg-Sammlung (um 1790) zu finden. Die Vogelperchten sind nach einer Maske aus dem Museum Carolino Augusteum (heute: Salzburg Museum) hergestellt worden, deren Herkunft „Trattberg bei Golling“ ist. Dazu kommt noch die Habergeiß mit ihrem Treiber. Die Perchtengruppe wird von Fackelträgern, der Musik (Flöten, Trommel, Drehleier) und den beiden Kraxenträgern begleitet. Letztere haben in ihren Kraxen Platz für die Naturalgaben (Speck, Brot, Schnaps, Käse, Äpfel, Eier ...), denn nur solche werden von ihnen entgegengenommen.

Die Perchten bringen Glück und Segen, und es ist für die von ihnen besuchten Bauern eine Ehre, wenn die Gruppe bei ihnen ihr Spiel vorführt. Allen voran zieht Frau Percht in den Hof ein und kehrt mit ihrem Besen den „Unreim“ aus dem Hause. Nach der Begrüßung der Bauersleute mit dem Spruch: „Glück hinein, Unglück heraus, die Percht’ kimmt ins Haus“ beginnt zu den Trommelschlägen der Tanz der Perchten vor dem Bauernhaus. In der Kreismitte sind bereits Winter und Sommer. Ihr Streitgespräch bildet – entsprechend den Überlieferungen von Karl Adrian und Vinzenz Maria Süß – den Kern des Spieles.

Literatur

[Adrian 1924] Adrian, Karl: Von Salzburger Sitt’ und Brauch. Wien 1924 (Deutsche Hausbücherei 135/138).

[Prodinger/Heinisch 1983] Prodinger, Friederike; Heinisch, Reinhard R.: Gewand und Stand. Kostüm- und Trachtenbilder der Kuenburg-Sammlung. Salzburg 1983 (Schriftenreihe des Landespressebüros, Serie Sonderpublikationen 44).

[Faller 1996] Faller, Robert: Vereinschronik. Die Wiederbelebung des Gollinger Perchtenspieles. Golling 1996.

[Süß 1865] Süß, Vinzenz Maria: Salzburgische Volks-Lieder mit ihren Singweisen. Salzburg 1865.



[1710] [Adrian 1924], S. 72–77.

[1711] Anna Rettenegger, Unterscheffau und Barbara Rainer, Golling.

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