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6.13. Der Teufel ist im Spiel in Texten von August Hartmann

6.13.1. Kommentar von Ulrike Kammerhofer-Aggermann

August Hartmann hat ab den 1830ern Weihnachtsspiele und Lieder aufgezeichnet. Viele der Spiele enthalten neben Adam-und-Eva-, Herbergsuch-, Geburt-Christi- und Hirtenszenen auch Teufelsszenen. Neben Satan oder Luzifer treten oft weitere Teufel auf und streiten mit Engeln und/oder Nikolaus um die Seelen der Menschen. Im Seebrucker Spiel ringt Satan als der gefallene Engel Luzifer mit dem Engel (hier als Erzengel Michael mit dem Flammenschwert ausgewiesen, der Luzifer vertrieb und in der Hölle ankettete). Während des Geschehens machen sich die Hirten auf zur Krippe.

Der Teufel bringt neben Drohungen vor allem Klagen vor. Als Zeichen seiner ewigen Verdammnis trägt er die Kette, die ihn für immer in der Hölle bindet. Diese Kette wurde in der volkstümlichen Ikonografie der Spiele um Weihnachten und den heiligen Nikolaus zur „Schlagkette“, mit welcher der Teufel jene Menschen bedroht, welche die Gebote Gottes nicht einhalten. Als „Kramperl“ schließlich schlägt er mit ihr nach dem Publikum. Der Teufel beklagt seine Verdammung und sucht unter den Menschen ein Gefolge von Mitleidenden. Durch die Art der Spiele und die Regieanweisungen in den Texten stellen sich diese Spiele als Stubenspiele dar.

6.13.2. Der Teufel (Satan, Luzifer) im Hirten- und Weihnachtsspiel

6.13.2.1. Laufener Spiele (August Hartmann)[1831]

Die Laufener Schiffer führten zur Weihnachtzeit außer dem Sternsingen (L.N. 1–4) auch ein Hirtendrama, sowie – unter Mittragen eines geschmückten Baumes – ein „Adam- und Evaspiel“ auf. Weiter vermag ich über Letzteres nichts anzugeben. Als eine Art Ergänzung sei es gestattet, ein paar kurze Notizen aus dem Bayrischen Wald einzuschalten.

Um Haggn (Lg. Mitterfels) wird das „Adam- und Evaspiel“ von 5 Personen dargestellt. Die Rollen sind: Adam, Eva, Gott Vater, ein Engel und ein Teufel mit einer „langmächtigen Zunge“. Zu Furth ziehen am Vorabend des Adam- und Evatags (23.–24. Dec.) 2 Spieler als A. und E. in den Häusern umher. Während sie einen Gesang vortragen, „rumpelt“ plötzlich draußen mit ungeheurem Lärm der Teufel an die Thür, worauf die weitere Darstellung der biblischen Begebenheit folgt.

6.13.2.2. Seebrucker Hirtenspiel (August Hartmann)[1832]

Dieses W. Sp., von Alters her überliefert, wurde in Seebruck (am Nordende des Chiemsees) noch vor etwa 20 und in Chieming (am gleichen See östlich) vor etwa 12 Jahren durch Bewohner jener Dörfer aufgeführt. In der Nähe von Chieming traf ich eine Aufschreibung, in 4 Rollenheften bestehend – freilich ohne Stichwörter. Die richtige Anordnung halfen mir vier der ehemaligen Chieminger Spieler herstellen. Ihrer mdl. Mittheilung entnahm ich auch die Reden des Propheten und des Teufels.

Ein theilweise hiemit übereinstimmendes Spiel begegnete mir später in einer Wessener Hs. aus dem Jahre 1830. Hier fehlen von den Hirtenscenen B. 24–362, dann die Rollen des Propheten und Satan nebst den zur Teufelscene gehörigen Worten des Engels.

Im Seebrucker Hirtenspiel lautet die Teufelsszene wie folgt:[1833]

Satan (tritt auf)

Schwer wie ein Donnerschlag durchdringt es meine Ohren!

Seit dem Messias ist geboren, (Zeile 455)

So ist mir alle Kraft und Stärke genommen.

Rache und Verzweiflung ergreift meine giftige Seele;

Für mich ist keine Hoffnung noch Gnadenquelle.

Kommt herbei, ihr Furien vom höllischen Feuer,

Ihr schreckbaren Ungeheuer! (Zeile 460)

Auf zum Streit

Für Himmel und Ewigkeit!

Engel

Verfluchter Höllenhund! Was getraust du dir zu sagen?

Wie kannst du wider Gott und sein Urtheil klagen?

Hat er dich nicht auch zu einem Engel erschaffen? (465)

Warum ergreifst du wider ihn die Waffen?

Du sollst gehorsam sein;

Desswegen ist deine Straf die ewige Höllenpein.

Satan (bellend)

Hat nicht auch Adam das Gesetz des Herrn übertreten?

Warum trägt nicht auch er, wie ich schwere Ketten? (470)

Engel

Adam hat Buße gethan, du aber nicht.

Satan

Gott gab mir keine Zeit, ein Bußwerk zu verrichten,

Sondern er wollt mich gleich in Ewigkeit vernichten.

Engel

Schweig, Satan, dass ich nicht mein Flammenschwert ergreife

Und dich zur Hölle hinunterschleife! (475)

(Schlägt ihn mit dem Schwert)

Satan (fällt zusammen und ruft hinauskriechend:)

O Schmerz, o Qual!

O ewiger Fall!

Rache! Ewige Rache!

(ab.)

Anm.: Als nächste Szene folgt bereits die Ankunft der Hirten bei der Krippe.



[1832] [HartmannAu 1987], S. 112 und S. 133–134.

[1833] [HartmannAu 1987], S. 133–134.

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