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7.6. Marko Feingold: Weihnachten und Chanukka

Hofrat Dr. Marko Feingold (1913–2019, Präsident der Israelistischen Kultusgemeinde in Salzburg) im Gespräch mit Marina Wimmer

Weihnachten ist ein christliches Fest. Wie erleben Sie dieses Fest als Angehöriger einer anderen Glaubensgemeinschaft?

Weihnachten ist kein christliches Fest, sondern ein jüdisches Fest, wir waren vor euch da. Am 24. Dezember ist ein Knabe geboren worden von Maria, die Jüdin war. Am 31. Dezember hat eigentlich die Beschneidung stattgefunden, also, wir haben einen Grund, den 24. und den 31. zu feiern. Eine Bemerkung am Rande: Zu sagen, dass Jesus von den Juden getötet worden wäre, ist unrichtig, verurteilt worden ist er von den Römern, aufgrund von Gotteslästerung.

Woher der Christbaum kommt bzw. wo der Ursprung des Christbaums liegt, ist den meisten nicht bekannt. Eine Jüdin, Fanny von Arnstein, die nach Wien geheiratet hat, hat begonnen auf einem Baum Lichter anzuzünden und so hat die Weihnachtsbaumtradition in Wien ihren Ursprung gefunden.

Wir haben ein ähnliches Fest, das mit Weihnachten eigentlich nichts zu tun hat. Ca. 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung haben die Griechen Jerusalem überfallen, sie schändeten die Tempel, stellten ihre Götzen hinein und den Makkabäern ist es gelungen, sie zu vertreiben. Die Juden haben immer in der Synagoge ein ewiges Licht brennen – es gibt die Geschichte um ein Wunder: Und zwar war nur noch genügend Öl für vier Tage für das Licht vorhanden, es hätte aber mindestens sechs Tage gedauert, neues zu beschaffen, da geschah ein Wunder und das Licht brannte ganze acht Tage. Und so haben wir das Chanukka-Fest, das zwischen dem 10. und 25. Dezember ist. Der Zeitpunkt ist deshalb so verschieden, da sich die Feiertage nach dem Mondkalender richten. Das ist ein Fest, in denen die acht Tage gefeiert werden. Es gibt den neunarmigen Leuchter, an dem von links nach rechts jeden Tag eine Kerze mehr angezündet wird. Das Chanukka-Fest ist ein Fest für Kinder, man kommt zusammen, die Kinder bekommen kleine Geschenke.

Gibt es dazu spezielle Erlebnisse aus Ihrer Kindheit, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Ich komme aus Wien. Früher war regelmäßig Schnee, ich bin oft am Abend durch die Gassen gegangen, man konnte überall an den Fenstern den hell erleuchteten Christbaum sehen. Es hat mir eine gewisse Freude bereitet, diese Feiern der anderen zu sehen, nicht zu lästern, dass andere diese Freude haben. Bei den liberalen Juden in Wien gab es Familien, die auch einen Christbaum angezündet haben, da schließe ich meine Familie nicht aus, da wir öfters Dienstmädchen hatten, die Weihnachten auch nicht nach Hause gefahren sind, da hat man oft denen zuliebe einen Christbaum angezündet.

Wie verbringen Sie persönlich die Weihnachtszeit und Weihnachten?

Zu Zeiten, wo sehr viel Fremdenverkehr ist, bin ich lieber zu Hause. Wenn Weihnachten ist oder andere christliche Feiertage sind, wird unser Büro geschlossen, weil es sinnlos ist, da kein Bedarf für Öffentlichkeitsarbeit vorhanden ist.

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