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7.5. Sepp Eisl: Brauch ist keine Konserve

Sepp Eisl (Landesrat von 1997 bis 2013) im Gespräch mit Verena Trifich

Welche Bräuche und Traditionen der Weihnachtszeit liegen Ihnen als ressortzuständigem Landesrat besonders am Herzen?

Die Vorweihnachtszeit ist für mich eine Zeit des Entbehrens und Verzichtens, zum Beispiel ist die Adventzeit tanzfreie Zeit. Dieses Verzichten ist notwendiger Teil der Vorbereitung auf Weihnachten. Nach dieser entbehrungsreichen Zeit können wir besser genießen und uns besonders freuen.

Sie haben persönlich sehr intensiv mit Bräuchen und kulturellen Inhalten zu tun. Wie hat sich das ergeben?

Ich bin als Kind mit den Bräuchen vertraut gemacht worden, die haben zum Jahresablauf dazugehört. Später ist die Phase gekommen, wo man überlegt, ob man das eigentlich braucht. Vor allem dann, wenn man eine eigene Familie gründet, kommt man doch drauf, dass diese Bräuche einen Sinn, einen Hintergrund haben. Wenn man diesen Hintergrund versteht, pflegt man diese Bräuche gerne, lebt sie gerne.

Bräuche sind für mich mehr als nur das Fortführen einer Tradition. Leute, die sich in der Volkskultur betätigen, bleiben jung oder werden wieder jünger – für mich ein Zeichen, dass das nicht etwas ist, was stirbt, sondern Sinn hat. Junge Menschen bekommen Aufgaben anvertraut und können sich so in die Gesellschaft integrieren. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Bräuche nicht mehr gepflegt werden. Die Bräuche sind mit den Lebensgewohnheiten der Menschen gewachsen und verändern sich mit ihnen. Wichtig ist, dass man Bräuche nicht sinnleer macht, es muss immer Sinn ergeben. Manches artet aus, wie zum Beispiel der Krampus- oder Perchtenbrauch. Unsere Aufgabe im Brauchtumswesen ist, darauf hinzuweisen, nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern indem wir Hintergrundinformationen geben, um die Sinnfrage mit diskutieren zu können.

Verstehen Sie sich eher als Hüter, Bewahrer, Weiterentwickler oder Neubegründer von Bräuchen, oder spielen – je nachdem – alle diese möglichen Zugänge bei Ihnen eine Rolle?

Ich bin sicherlich kein Brauchkonservierer. Brauch ist keine Konserve, ist nichts Totes, sondern etwas sehr Lebendiges! Bräuche haben nur solange Sinn, solange die Menschen sie leben wollen und den Sinn daran erkennen. Bräuche müssen sich mit den sich verändernden Lebensbedingungen der Menschen weiterentwickeln. Es wird nie zu 100 Prozent vermeidbar sein, dass Bräuche verloren gehen, wenn der Sinn nicht mehr da ist. Neue Bräuche werden sich wieder bilden und weiterentwickeln. Das ist gut, wenn die Menschen sich damit auseinandersetzen können und sich mit dieser Entwicklung wohlfühlen.

Bräuche haben in vielen Fällen regionale Bezüge und sollen regional gelebt werden. Wichtig ist, dass diese Vielfalt erhalten bleibt. Als Landesrat bin ich bestrebt, dass wir von Seiten der Volkskultur Handlungen so setzen, dass die innere Vielfalt eines Brauches erhalten bleibt und nicht dadurch verloren geht, dass man versucht, Bräuche zu „standardisieren“. Bräuche dürfen sich ruhig weiterentwickeln, und ich hoffe, dass die CD-ROM-Reihe „Bräuche im Salzburger Land“ dazu beiträgt.

Wie verbringen Sie persönlich die Weihnachtszeit und Weihnachten?

Weihnachten ist für mich ein Zeitraum, der nicht nur auf den 24./25. Dezember beschränkt ist, sondern bis mindestens 6. Jänner dauert und mit der Adventzeit, mit Kathrein, beginnt. In der Familie spielen Krampus und Nikolaus eine Rolle und gehören zur Adventzeit dazu. Man muss aufpassen, dass die Vorbereitung auf die Geburt des Herrn nicht nur damit zu tun hat, jemanden mit Dingen zu überhäufen. Was ist Weihnachten für uns wirklich oder geht’s uns nur um Konsumrausch? Geschenke sollen von Herzen kommen. Ich versuche bewusst an dies heranzugehen.

Auf die Vorbereitungszeit folgt das Weihnachtsfest selbst. Der 24. Dezember ist ja eigentlich ein Fasttag. Ich verbringe ihn mit etlichen Vorbereitungen, zum Beispiel besuche ich am Nachmittag im Ort mit den Kindern die Mette. Dieser Kirchgang ist eine gute Einstimmung auf das Weihnachtsfest. Vor dem Rauchengehen und vor dem Füttern der Tiere bekommen die Tiere Brot, das mit Weihwasser und Weihsalz versetzt ist. Nach dem Abendessen kommt die Bescherung, die wird zum Zusammentreffen für die Familie.

Den 25. Dezember beginne ich gerne mit dem feierlichen Gottesdienst, ansonsten ist das ein Tag für Verwandtschaft und Freunde. Dann kommt Silvester. Silvester hat für mich den Sinn, einen gewissen Rückblick zu machen, sich Gedanken zu machen, woran man sich orientieren will. Es ist eine besondere Nacht, eine Raunacht, es wird mit Böllern geschossen, was das Fest untermauert. In dieser Raunacht gibt es wie zu Weihnachten Weihbrot für die Tiere.

Am Tag der Heiligen Drei Könige hat im Aberseeland das Glöcklerlaufen besondere Bedeutung. Da bin ich früher selber mitgelaufen. Ein sehr schöner Brauch ist für mich auch das Aufstellen der Krippen.

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