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7.13. Michael Nußdorfer: Wilde Jagd

Michael Nußdorfer (Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Volkstanz von 1967 bis 2007, Obmann der Brauchtumsgruppe „Jung Alpenland“ von 1960 bis 2001) im Gespräch mit Verena Trifich

Was bedeutet für Sie die „Wilde Jagd“ im Dezember?

Bei der „Wilden Jagd“ bin ich 1956 zum ersten Mal mitgelaufen, 1959 habe ich mich sehr dafür eingesetzt, dass die „Wilde Jagd“ – nachdem sie 1958 nicht stattgefunden hat – wieder veranstaltet wird. Da hat sie dann bei Maria Plain stattgefunden. Im Jahr 1960 bin ich Leiter der Brauchtumgsgruppe „Jung Alpenland“, den Veranstaltern der „Wilden Jagd“, geworden und bis 2001 geblieben. Ich habe auch das Amt des Landesvolkstanzreferenten übernommen, später bin ich dann Leiter der ARGE Volkstanz geworden. Das mache ich auch heute noch. Bei der „Wilden Jagd“ ist mir wichtig, dass die Leute Bescheid wissen, worum es geht, deshalb habe ich auch eine Broschüre über diesen Brauch zusammengestellt. Es ist mir wichtig, dass die Leute mitmachen. Für die Beteiligten soll dieser Brauch Sinn ergeben.

Welche Bedeutung hat der Glöcklerlauf der Brauchtumsgruppe „Jung Alpenland“ für Sie?

Von 1956 bis 1963 bin ich beim Glöcklerlauf mitgelaufen. Wir wollten den Brauch nicht verkitscht haben, sondern nur mit klaren Formen das Ganze machen, wie der Brauch ursprünglich war. Der Brauch ging vom Salzkammergut herein bis zum Walserberg. Ich bin der Meinung, dass man einen Brauch völlig ehrlich, so wie er ursprünglich war, machen soll. Erzbischof Eder zum Beispiel hat – als höchster Vertreter des Glaubens – auch Riesenfreude mit diesem Brauch der Glöckler.

Welche besonderen Bräuche gibt es um die Weihnachtszeit im bäuerlichen Bereich?

Die Adventzeit ist eine stille Zeit. Geprägt ist sie in dieser Gegend vom familiären Krampus- und Nikolausbrauchtum. Die Adventzeit ist eine tanzlose Zeit, die geschlossene Zeit geht bis zum 6. Jänner.

Sie haben persönlich sehr intensiv mit Bräuchen und kulturellen Inhalten zu tun. Wie hat sich das ergeben?

Durch die Bräuche der Bauern war ich immer schon mit dem Brauchtum stark verbunden. Mit 16 Jahren habe ich ein Schlosskonzert mit Tobi Reiser gesehen und bin dadurch zu der Gruppe „Jung Alpenland“ gekommen. Mich hat das alles sehr fasziniert, sodass ich dann Volkstanz gelernt habe. In St. Jakob schließlich durfte ich zum ersten Mal bei der „Wilden Jagd“ mitmachen.

Verstehen Sie sich eher als Hüter, Bewahrer, Weiterentwickler oder Neubegründer von Bräuchen, oder spielen – je nachdem – alle diese möglichen Zugänge bei ihnen eine Rolle?

Ich verstehe mich als Behüter und Bewahrer insofern, dass der Sinn nicht verloren geht, aber ich bin immer dafür, dass man den Brauch sinngemäß wachsen lässt und dass man nicht Teile hineingibt, die nicht dazupassen. Das ist oft das Gefährliche, wenn Leute denken, sie müssen einen Brauch weiterentwickeln, zum Beispiel beim Volkstanz. Es soll sich entwickeln, es soll einen Sinn für die Leute ergeben. Leute ändern sich und es kann Sachen geben, welche keinen Sinn mehr ergeben, diese soll man weglassen. Der Mensch muss mit dem Brauch leben können. Eine wichtige Aufgabe ist es, den Leuten Brauchtum verständlich näherzubringen, mit Hand und Fuß. Für mich ist Brauchtum Hilfe für die Lebensqualität aller Menschen, die es brauchen können.

Wie verbringen Sie persönlich die Weihnachtszeit und Weihnachten?

In die Weihnachtszeit fallen viele Aktivitäten, wie die „Wilde Jagd“, das Adventsingen, die Weihnachtsfeiern von den Musikergruppen. Die Zeit ist durch das Engagement ziemlich stressig. Am 24. Dezember werden am Hof nur mehr gewisse Arbeiten gemacht. Dann geht man Rauchen, um das Haus und durch alle Zimmer; auch am Neujahrstag und am 5. Jänner gehen wir nochmals rauchen.

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