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4.17. Die Weihnachtskrippe. Zur Geschichte der Krippenkunst in Salzburg (Ernestine Hutter)

4.17.1. Kurztext[1106]

4.17.1.1. Entwicklung der Krippen

Die Weihnachtskrippe als selbstständige Darstellungsform ist ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts überliefert. Nach den Verboten Ende des 18. Jahrhunderts, Krippen in Kirchen aufzustellen, kommt es zum Rückzug der Krippe in den häuslichen Bereich. Am Anfang dieser Entwicklung stehen die Kastenkrippen, die aus einem Holzkasten mit einer verglasten Vorderseite bestehen. Der Krippenberg ist mit der Stadt Bethlehem oder dem himmlischen Jerusalem bekrönt, und die Figuren sind im Krippenkasten fix montiert.

Krippendarstellungen besonderer Art führten die Oberndorf-Laufener Schiffer mit sich, die in den Wintermonaten von Haus zu Haus zogen und Spiele, Sprüche und Gesänge darbrachten. Zu diesen Krippen zählen das „Nähkasten-Kripperl“, der Guckkasten, auf dem sämtliche Szenen aus dem Leben Jesu gleich einem Film vor den Augen des Publikums vorbeigezogen wurden, und die sogenannte „Drehstangenkrippe“.

Die offene Landschaftskrippe ist eine der monumentalsten Formen, wie das weihnachtliche Geschehen der Geburt Christi bildlich umgesetzt wird. Breit hingelagert lässt sie viel Raum, um mit Details der Umwelt ausgestattet zu werden. Die Landschaft ist meistens die eigene oder eine mit „orientalischen“ Elementen vermischte Idealvorstellung, in der sich die erzählende Szenerie der Figuren und Gruppen wirksam aufstellen lässt.

4.17.1.2. Der Krippenbauer Xandi Schläffer

Der Name Alexander (Xandi) Schläffer (1899–1984) ist in Salzburg mit dem Bau von Heimatkrippen eng verbunden. Ab den 1920er-Jahren schuf Xandi Schläffer vorwiegend orientalische Krippen. Der eigentliche Aufstieg zum anerkannten Krippenkünstler vollzog sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als er mit dem Bau der ersten Heimatkrippen begann. Das Charakteristische und Unverkennbare seiner Krippen liegt in der Gestaltung des Krippenberges und in der Bildung und Formgebung seiner Figuren. Mithilfe dieser gestalterischen Momente versetzt er das Geschehen der Geburt Jesu in die Heimat und macht damit das Wunder für jedermann nachvollziehbar und greifbar.

Xandi Schläffer verstand es, das Ruinöse der orientalischen Krippe in der Heimatkrippe umzusetzen und damit eine wesentliche Idee des Krippengedankens auf die Heimatkrippe zu übertragen. Die Ruinen, zerbrochene Säulen, geborstene Tempel und zerstörte Burgen symbolisieren den Niedergang der antiken, heidnischen Welt und verweisen auf die neue Zeit, die mit Christi Geburt angebrochen ist.

Wie die Häuser Originalbauten nachgebildet sind und inzwischen wertvolles Quellenmaterial einst bäuerlicher Architektur darstellen, beinhalten auch die Figuren von Xandi Schläffer interessante Hinweise auf Kleidung und Tracht der heimischen Bevölkerung von einst. Durch seine Krippen ist der Name Xandi Schläffer heute in der ganzen Welt verbreitet.

4.17.1.3. Besondere Krippenmacher/innen in Salzburg

Theodor Pfitzer (1848–1936) gilt als einer „der volkstümlichst schaffenden Krippenkünstler“. Seine Krippen waren landschaftlich „bald mehr alt-salzburgerisch, bald mehr orientalisch“ gestaltet. Auch Alexander (Xandi) Schläffer (1899–1984) wurde mit dem Bau von Heimatkrippen zum anerkannten Krippenkünstler.

Das städtische Gegenstück zur Heimatkrippe findet sich in einer einzigartigen Schöpfung: der sogenannten „Richard-Mayr-Krippe“ aus dem Jahre 1935, in der der Bildhauer Hans Mauracher (1885–1957) den Hofopernsänger Mayr in seinen berühmtesten Bühnenrollen vor der Hintergrundkulisse Salzburgs auf das Christkind zuschreitend dargestellt hat.

Der Grafiker Carl Storch (1868–1955) hatte sich selbst eine figurenreiche Krippe geschnitzt und sie ständig erweitert. Er setzte einen Berg mit Hirten, Schafen und eine Selbstdarstellung in das Zentrum, daran gelehnt war der Stall mit der Heiligen Familie. Die Heiligen Drei Könige stellte er symbolisch als Völkerzüge aus Europa, Asien und Afrika dar.

Der Vielfalt an Gestaltvariationen steht in Salzburg eine ebensolche Vielfalt an verwendeten Materialien gegenüber. Eine Hauptmeisterin der Keramikkrippen ist Luise Spannring (1894–1982), deren großes Verdienst es ist, mit einer Vielzahl kleiner Kastenkrippen der Krippe erneut Eingang in den häuslichen Bereich verschafft zu haben.

4.17.2. Langtext

Als für die Krippengeschichte wirksames Ereignis beziehungsweise als „Ursprung“ unserer Weihnachtskrippen wird häufig das Weihnachtsfest von 1223 angeführt, an dem Giovanni Bernardone aus Assisi, der spätere heilige Franziskus, mit Erlaubnis des Papstes Honorius III. aus dem Kloster Greccio auszog, um im nahen Wald von Rieti eine Futterkrippe mit lebenden Tieren als Weihnachtsszene aufzustellen und dort zu predigen.

Die Weihnachtskrippe als selbstständige Darstellungsform und in der Form, wie sie uns heute allen geläufig ist, ist ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts überliefert. Die Bestandteile eines solchen „weinachtskripls“ – wie die Bezeichnung damals schon lautete – waren allerdings bescheiden und beschränkten sich auf die plastische Wiedergabe einer Futterkrippe, in die das Jesuskindlein gebettet war. Ihr Auftreten bedeutet keineswegs, dass die Darstellung der Geburt Jesu bis zu diesem Zeitpunkt in der bildenden Kunst unberücksichtigt geblieben wäre. Vielmehr war sie als Szene in den Themenbereich des Marienlebens integriert und fand als solche wiederholt Darstellung auf Altären, ohne jedoch zunächst Anspruch auf Selbstständigkeit zu erheben. Erst im Zuge der Gegenreformation erhielt die Geburt Jesu jene Dominanz, indem ihre Wertigkeit nun nicht mehr im Zusammenhang mit dem Marienleben, sondern mit dem Leben Jesu gesehen wurde. Die bildliche Ausgestaltung dieser Szene zwecks besserer Anschaulichkeit lag ebenso im Bestreben der katholischen Kirche zu dieser Zeit wie ihr Bemühen, besondere Feste und Ereignisse im Kirchenjahr durch die Heranbildung eines reichen Brauchtums erneut wieder im Bewusstsein des Gläubigen zu verankern.

Wie aus Inventaren und Briefen hervorgeht, waren erste Vorläufer der Krippen bereits um 1570 an den Höfen der Habsburger und Wittelsbacher vorzufinden. Das Volk erfuhr seinen ersten Zugang zur Krippe jedoch über die Form der Kirchenkrippen, um deren Aufstellung besonders die Jesuiten bemüht waren. 1562 stellten diese eine erste in Prag auf, 1601 folgte jene in Altötting und 1607 jene in der St. Michaels Kirche in München, von wo sie ihren Weg nach Tirol fand. Obwohl auch für Salzburg ein Bestand von Krippen bereits für die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts anzunehmen ist, liefert erst das Jahr 1615 den sicheren archivalischen Beweis für das Vorhandensein einer Krippe im Kloster der Benediktinerinnen in Nonnberg. Ein Rechnungseintrag der Abtei nennt „Ein Weihnachtskrippel, so mit Silber geziert“, worunter wohl nur eine Lagerstatt mit Kind gemeint gewesen sein kann. Doch da gleichzeitig „zu dem Krippl allerley Notdurft“ gekauft wird, ergibt sich, wie der Krippenforscher Rudolf Berliner folgert, dass die Krippe bereits im Rahmen eines dekorativen Aufbaus aufgestellt wurde, zu dem man Holz, Stoffe, Lämpchen oder dergleichen gebraucht haben mag. Bereits für 1617 sind Krippen auch für die Klöster der Franziskaner, Kapuziner und Augustiner in Salzburg nachgewiesen, in der Folge dann ebenso beispielsweise 1645 für die damals noch salzburgische Stiftskirche Laufen oder 1678 für die Pfarrkirche in Zederhaus.

Das Erscheinungsbild dieser Kirchenkrippen entsprach auch in Salzburg dem sowohl im 17. als auch im 18. Jahrhundert allgemein vorherrschenden Typ der „bekleideten Krippe“, die um und nach 1800 noch einen letzten Höhepunkt erlebte. Sie setzt sich – wie der Name schon sagt – aus Figuren zusammen, die mit Stoff bekleidet sind. Das Grundgerüst bilden Gliederpuppen, die Köpfe sind aus Holz geschnitzt oder aus Wachs modelliert, sodass sie auf sehr lebendige und naturgetreue Art das Geschehen der Heiligen Nacht zu vermitteln vermögen. Bei besonders aufwendig gestalteten Figuren sind die Köpfe mit Glasaugen und Naturhaar ausgestattet, Hände und Füße sind geschnitzt. Die Bekleidung besteht aus Samten, Brokat- und Seidenstoffen, die mittels effektvoll platzierter Spitzen, Gold- und Silberborten, diverser Posamenteriewaren, Glassteinen und Perlen zu einem wirkungsvollen Ganzen gefügt werden. Meist handelte es sich bei den Stoffen um Reste, wie sie bei der Herstellung von kirchlichen Ornaten anfielen, die dann von adeligen Damen oder Nonnen verarbeitet wurden. Nicht selten erforderte die enorme Detailtreue auch die Mitwirkung von Hutmachern, Gürtlern, Schneidermeistern und Näherinnen beim Bekleiden der Gliederpuppen. Wurde auf eine besonders prunkvolle Ausstattung der Krippe Wert gelegt, so zog man für die Fertigung zum Beispiel der Gaben der Heiligen Drei Könige oder der Kreuzstäbe der Engel sogar Gold- und Silberschmiede heran.

Da diese Figuren nicht von Künstlern, sondern meist von den Ordensleuten selbst geschaffen wurden, beziehungsweise im Zusammenwirken von Handwerkern und Laien entstanden waren, sind urkundliche Hinweise hinsichtlich Hersteller und Entstehungszeit eher selten aufzufinden. Lediglich in Einzelfällen scheinen im Zusammenhang mit der Fertigung der Köpfe die Namen berühmter Bildhauer oder Wachszieher auf. Die von Franz Martin gesammelten archivalischen Belege „Zur Geschichte der Weihnachtskrippe in Salzburg“ machen jedoch deutlich, dass sich in Salzburg ebenso namhafte Bildhauer der Krippe annahmen. Nicht selten stammten die großen Altaraufbauten und die Krippe in einer Kirche aus derselben Hand beziehungsweise hat sich der dort schaffende Künstler, Bildhauer und Maler auch um die Kirchenkrippe bemüht, indem er diese selbst schuf, erweiterte oder restaurierte: so beispielsweise Christof Mayr in Zederhaus 1678, Daniel Mayr und Sohn Josef um 1759, Bildhauer aus Saalfelden, für Zell am See, Alm und Kirchenthal. Allerdings galt eine solche Tätigkeit nicht unbedingt als bildhauerische Arbeit. Als 1716 zwei Bildhauer in Berchtesgaden einen Krippenschnitzer verklagten, die Zunftgrenzen verletzt zu haben, weil er für die Kirche von Bischofshofen bei Salzburg „ein großes Krippl von Holz gemacht“ habe, wurde dem Schnitzer Recht zugesprochen, „weil Kripplschnitzen keine echte Bildhauerarbeit“ darstelle.

Zu den in Salzburg zu erwähnenden berühmtesten Künstlernamen zählt jener der Familie Hitzl. Vater Franz de Paula Hitzl (1738–1819), u. a. Schöpfer der Statuen an Fassade und Hochaltar von St. Peter, am Hochaltar der Bürgerspitals- und Sebastianskirche und der Kreuzigungsgruppe am Kapuzinerberg, widmete sich auch der Krippenkunst. Zwei Krippen im Salzburger Museum Carolino Augusteum [heute Salzburg Museum], mehrere große und kleine im Besitz St. Peters und in Salzburger Familien stammen aus seiner Hand beziehungsweise sind unter Mitarbeit seines Sohnes Franz (1791–1856) entstanden. Das Krippenschaffen der beiden fällt gerade in jene Zeit, als sich die Krippe infolge der vorangegangenen Verbote wieder eines erhöhten Bedarfes erfreute. Diese Verbote hatten ihren Ursprung in den großen barocken Kirchenkrippen mit ihren vielen Wechselszenen, in denen eine Fülle weltlicher Darstellungen und Szenen aus dem Alltagsleben das eigentliche Geschehen rund um die Geburt Jesu immer mehr zu überwuchern drohten.

1782 verbot Kaiser Joseph II., der Sohn Kaiserin Maria Theresias, das Aufstellen von Krippen in den Kirchen, ein Verbot, das 1804 zurückgenommen wurde. Das Krippenverbot von Erzbischof Hieronymus Colloredo betraf nicht nur Gebiete des heutigen Salzburg, sondern auch solche des heutigen Bayern. Der Erlass vom 22. November 1782 erging an alle Pfarren und bestimmte „Die Abstellung der Weihnachtskrippen in den Kirchen ...“ und beinhaltete den Befehl, „daß so wie andere unnöthige, theils lächerlich, theils ungereimt und ärgerliche, oder wenigstens unnöthige Dinge, also auch die Kripperln aus den Gotteshäusern, sie mögen von ‚Welt‘ oder Regularpriestern versehen werden, wegbleiben, oder wo sie schon aufgestellt wären, weggeräumt werden sollen.“ Doch das Volk wehrte sich dagegen vehement, sodass Erzbischof Colloredo das Verbot persönlich teilweise sogleich wieder zurücknehmen musste. Um 1825/26 wurden dann überall in den umliegenden Bistümern die strengen Verbote wieder aufgehoben.

Als Folge dieser Verbote war es nicht nur zur Zerstörung zahlreicher Kirchenkrippen gekommen, sondern gleichzeitig zum Rückzug der Krippe in den häuslichen Bereich. Denn die Bevölkerung war nicht mehr bereit, auf die ihr inzwischen lieb gewordenen Weihnachtsszenen zu verzichten und begann nun in zunehmendem Maße sich selbst eine Krippe für den häuslichen Bereich zu bauen. Die Gestaltvariationen, welche die Hauskrippe im Laufe der Jahrhunderte gefunden hat, sind besonders in Salzburg von einer großen Vielfalt geprägt und lassen sich anhand der Krippensammlung des Salzburger Museums Carolino Augusteum / heute Salzburg Museum auf eindrucksvolle Weise nachvollziehen.

Am Anfang der Entwicklung stehen die meist kleinformatigen Kastenkrippen. Sie schildern das Geschehen in einen Holzkasten eingebaut, der vorne verglast ist. Der Krippenberg ist aus geleimtem Stoff, manchmal auch aus Holz und Baumrindenstückchen aufgebaut und in der für Salzburg typischen Art mit Glasstaub bestreut, wozu sich auch kleine Muscheln und Schneckenhäuser gesellen können. Geschickt eingebaute Spiegel verleihen dem Krippenberg, der stets mit der Stadt Bethlehem oder dem Himmlischen Jerusalem bekrönt ist, zusätzliche Raumtiefe. Die Figürchen sind vielfach geschnitzt oder in Wachs und Stoff, aber in ihrer Ausführung viel einfacher als in den vornehmeren barocken Kirchenkrippen oder denen der Klöster. Sie sind im Krippenkasten fix montiert und können in ihrer einmal bestimmten Position nicht mehr verändert werden.

Kastenkrippen treten formal die Nachfolge jener kleinen Glaskästchen an, die vorerst nur mit einem einfachen gefatschten Wickelkind bestückt waren, zu dem sich in späterer Folge dann die Halbfiguren von Maria und Josef gesellt haben. Als Belegstück zu diesem Übergangstypus zur eigentlichen Weihnachtskrippe findet sich in der Sammlung des Salzburg Museums eine mechanische Kastenkrippe aus der Zeit um 1700. Der Kasten enthält die Heilige Familie in der geschilderten Form. Als zusätzliche Attraktion und Verlebendigung des Geschehens sind über eine kleine Kurbel sowohl die Arme als auch die Augen der Figuren in Bewegung zu setzen. Es ist anzunehmen, dass der Krippenkasten einst bei Schaustellern Verwendung gefunden hatte, was auch die ehemals an der Rückseite angebrachten Lederschlaufen, die ihn wie einen Rucksack transportabel machten, bestätigen.

Als besonders erfinderisch in der Gestaltung von Krippen in transportabler Form erwiesen sich die Oberndorf-Laufener Schiffer, die sich während der Wintermonate, wenn die großen Schiffe wegen Niederwasser auf der Salzach nicht mehr fahren konnten, um einen Broterwerb umsehen mussten. Sie zogen von Haus zu Haus, brachten ihre Spiele, Sprüche und Gesänge dar und führten als Attraktion Krippendarstellungen besonderer Art mit sich, die zum wertvollen Bestand der Krippensammlung der Volkskundlichen Abteilung des Salzburg Museum gehören. Dazu zählt das so genannte „Nähkasten-Kripperl“, das die Schiffer bei der Aufführung ihres „Laufener Hirtenspieles“ bei sich hatten. Karl Adrian berichtet dazu: „[...] Die Darsteller, Stöffö, Maxl, Rüapö, sind als Hirten gekleidet, mit Spitzhüten und breiten, weißen Halskrägen. An der Seite haben sie die Hirtentasche, in der Rechten den langen Salzlöffel. Sie haben ein kleines, aufklappbares Kastenkrippchen mit, das sie bei der Aufführung auf den Tisch stellen.“[1107]

Andere wiederum waren mit einem Guckkasten unterwegs, auf dem der Schausteller sämtliche Szenen aus dem Leben Jesu gleich einem Film vor den staunenden Augen seines Publikums vorbeiziehen ließ, indem er den kunstvoll szenisch bemalten Papierstreifen über zwei Holzwalzen laufen ließ, die er händisch betätigte. Ebenso in die Reihe dieser originellen Krippenschöpfungen der Oberndorf-Laufener Schiffer gehört die sogenannte „Drehstangenkrippe“. Sie wurde von ihnen mit sich geführt, wenn sie als Sternsinger durch die Lande zogen. Anstelle des sonst üblichen Drehsternes wurde hier die Krippe als zweistöckiger Aufbau auf eine Vortragsstange montiert. Die durch Betätigung einer Kurbel ausgelöste Bewegung übertrug sich auf die, an der Stange vertikal übereinander angeordneten Zahnrädchen und versetzte die beiden Plattformen mit der Krippendarstellung in drehende Bewegung.

Eine der monumentalsten Formen, das weihnachtliche Geschehen der Geburt Christi bildlich umzusetzen, stellt die plastische Gestaltung als offene Landschaftskrippe dar. Breit hingelagert lässt sie viel Raum, um mit Details der Umwelt ausgestattet zu werden. Die Landschaft ist meistens die eigene oder eine mit „orientalischen“ Elementen vermischte Idealvorstellung, in der sich die erzählende Szenerie der Figuren und Gruppen wirksam aufstellen lässt. Mit diesem Typus der Krippendarstellung verbinden sich in Salzburg Namen wie Theodor Pfitzer, Josef Klampfer, Hanns Rabitsch oder Alexander Schläffer.

Die Salzburger Chronik rühmte 1916 Theodor Pfitzer (1848–1936) als einen „der volkstümlichst schaffenden Krippenkünstler“. In den Mitteilungen des Salzburger Krippenvereines, der sich 1916 unter dem Namen „Freunde der Weihnachtskrippe“ als eigener Landesverein konstituiert hatte, scheint Theodor Pfitzer nicht nur als dessen Mitglied von Beginn an auf, sondern er ist ebenso oft auch Thema ausführlicher Beiträge. Nicht durch aufsehenerregende Werke, sondern durch sein unermüdliches kontinuierliches Krippenschaffen wurde Theodor Pfitzer in diesen Jahren zu einer unverzichtbaren Stütze im Wirken des Salzburger Krippenvereines, der im Hinblick auf das Bemühen gegründet worden war, gerade in Zeiten des Krieges beziehungsweise in den ersten Nachkriegsjahren, nachdem „das große Vaterland in Trümmer zerschlagen ward“, durch die verstärkte Verankerung der Krippe im häuslichen Bereich seinen Beitrag zur Erhaltung von „Sitte und Brauch“ – und damit zu einem Stück Heimat – zu vermitteln. Theodor Pfitzer unterstützte dieses Wirken auf nachhaltige Weise, indem er Krippen schuf, die „für jedermann erschwinglich“ waren. „Das ist es gerade, was wir brauchen, wenn wir die Krippe volkstümlich machen wollen – Krippenbauer, die auch im Preise ihrer Erzeugnisse noch volkstümlich bleiben“, wurde in der Salzburger Chronik wohlwollend zum Schaffen von Theodor Pfitzer vermerkt.

Seine Krippenschöpfungen waren landschaftlich „bald mehr alt-salzburgisch, bald mehr orientalisch“ gestaltet. Die im Besitz des Salzburg Museums befindliche Krippe weist Theodor Pfitzer als feinsinnigen Gestalter des Typs der offenen orientalischen Landschaftskrippe aus. Er lieferte seine Krippen stets mit „allem Drum und Dran“ – also mit gemaltem Hintergrund, Krippenberg, Stallruine, diversen Architekturen und stets zahlreichen Figuren. Er war zu dieser Zeit einer der wenigen Krippenbauer in Salzburg, der die Figuren selbst anfertigte. Dabei bediente er sich einer eigenen, zu dieser Zeit in Salzburg vollkommen unüblichen Technik, nämlich jener der Herstellung von bekleideten Krippenfiguren in der Technik des Kaschierens.

Sich an den bekleideten Draht- und Holzpuppen des Barock mit geschnitzten oder in Wachs geformten Extremitäten orientierend, entwickelte Pfitzer sein eigenes Herstellungsverfahren: In einen aus einem Holzklötzchen bestehenden Korpus wurden die an Drähten befestigten Hände und Beine gesteckt, welche durch Biegen des Drahtes in die gewünschte Stellung gebracht wurden, und der Kopf auf einem Holzdorn befestigt. Für die Ausformung von Kopf und Gliedmaßen bediente sich Pfitzer einer speziellen Masse, die in vorbereitete und vom Krippenbauer selbst verfertigte Model gepresst wurde und durch Trocknen im Ofen erhärtete.

Für die Bekleidung der Drahtpuppen wandte Pfitzer die Technik des Kaschierens an. Dazu werden Stücke feinen Leinens in angewärmtes Leimwasser getaucht, das mit Kreide gesättigt ist. Auf diese Weise wird der Stoff beliebig formbar, solange er noch weich und warm ist. Ähnlich wie bei Ton kann dadurch die Kleidung direkt am Körper zu ihrer endgültigen Form modelliert werden, die Körperformen durch exakten, natürlich wirkenden Faltenwurf betont und hervorgehoben werden, jedoch erfordert diese Technik eine rasche und gekonnte Arbeitsweise, denn der Stoff erkaltet und erhärtet sehr schnell. Besonders häufig findet sich die Technik des Kaschierens an sizilianischen Krippenfiguren, unter denen vor allem die Werke eines Giovanni Antonio Matera (1653–1718) prägend wirkten. Die meist kleinformatigen Einzelfiguren machen auch deutlich, wo die Technik des Kaschierens sich besonders vorteilhaft auswirkt: nämlich allen Einzelheiten größte Schärfe und Sorgfalt zu verleihen – auch bei extremer Kleinheit der Figuren. Nach dem Trocknen der Textilteile wurden diese – ebenso wie Kopf und Gliedmaßen – von Pfitzer mit abgetönten Wasserfarben bemalt.

Ist in Salzburg von der Heimatkrippe die Rede, so steht der Name von Alexander Schläffer ganz oben in der Reihe unter den hier anzuführenden Namen. Schläffer war übrigens – was die Herstellung der Figuren anbelangt – ein Schüler von Theodor Pfitzer, von dem er auch lange Zeit – bevor er selbst die Technik beherrschte – die Figuren für seine Krippenberge bezog. In seiner Pinzgauer Heimat stets als „Xandi“ Schläffer bezeichnet, wurde er am 30. Jänner 1899 im sogenannten „Färberhaus“ in der Bahnhofstraße, einem der ältesten Saalfeldner Bürgerhäuser, geboren. Dort befanden sich zunächst auch Wohnung und Werkstatt. Die Verhältnisse waren beengt und dürftig und seine Lebenshaltung überaus bescheiden. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich durch Gelegenheitsarbeiten. Fleiß und Ausdauer sowie die Hilfsbereitschaft eines großen Freundeskreises ermöglichten schließlich den Bau eines eigenen Hauses, das von 1965 bis zu seinem Tode am 18. November 1984 Heimstatt und Herstellungsort vieler seiner Krippen war.

Die ersten Bezugspunkte zum Krippenbau ergaben sich für Xandi schon als Bub durch seinen Vater, der – wie viele dazumal auch – die langen Winterabende für das Basteln einer Krippe nutzte. Er entwickelte besonderes Geschick im Gestalten von Krippenbergen, die er aus in Leimwasser getauchten Tüchern anfertigte. Der Nachfrage entsprechend schuf Xandi Schläffer ab den 1920er-Jahren vorwiegend orientalische Krippen, die bis dahin gebräuchlich waren. Der eigentliche Aufstieg von Xandi Schläffer zum anerkannten Krippenkünstler vollzog sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als er mit dem Bau der ersten Heimatkrippen begann.

Das Charakteristische und Unverkennbare der Krippen von Xandi Schläffer liegt sowohl in der Gestaltung des Krippenberges wie auch in der Bildung und ausdrucksstarken Formgebung seiner Figuren. Mit Hilfe dieser beiden gestalterischen Momente transferiert Xandi Schläffer das Geschehen der Geburt Jesu in die unmittelbare Heimat und macht damit das Wunder für jedermann nachvollziehbar und greifbar. Zunächst ist es der Krippenberg, in dem Xandi Schläffer die heimische Landschaft mit Heustadeln, Bauernhäusern und Stallgebäuden in ungeheurer Detailtreue wiedergibt: bröckelnde, mit Mauerfraß durchsetzte Mauern, darüber das aus Holz gezimmerte Obergeschoß, die schief hängenden Läden, das mit Steinen beschwerte Holzschindeldach.

Eng gedrängt ducken sich in der Krippe des Salzburg Museum, die Xandi Schläffer anlässlich der Sommer-Olympiade in Mexiko-City 1968 geschaffen hatte, eine Mühle und der Krippenstall in die Landschaft, von dem ein getreppter Steinplattenweg zum höher gelegenen Bauernhaus mit prächtig in Natursteinmauerwerk gerahmter Eichentüre und bekrönendem Glockentürmchen am Dachsattel führt. Unbeeinflusst von dem Ganzen – da von Menschenhand unberührt – bleibt lediglich die erhabene Bergkulisse des Steinernen Meeres, die sich hinter dem Krippenberg mit seinen Häusern erhebt – mit Persalhorn, Mitterhorn, Breithorn, Sommerstein, in dessen Schatten sich das Riemannhaus auf 2.177 Metern Höhe verbirgt –, Schöneck, Wurmkopf und Schönfeld-Spitze (von links nach rechts), womit uns der Krippenbauer jenes mächtige Panorama der Saalfeldner Steinberge vor Augen führt, das ihm als Saalfeldner vertrauter Anblick war.

Xandi Schläffer malte seine Hintergründe stets selbst, auf Hartfaserplatte mit Temperafarben. Sie zeichnen ihn als in der Kulissenmalerei durchaus geübten Künstler aus. Besonders für die offene Landschaftskrippe bildet der gemalte Hintergrund ein unverzichtbares Element, da er die plastisch gebildeten Teile des Krippenberges zu einer Einheit zusammenfasst. Xandi Schläffer war sich dieser Wirkung wohl bewusst und bestrebt – so auch bei den Kirchenkrippen, die er im Laufe der Jahre für viele Orte im Pinzgau geschaffen hatte – die jeweilige Bergkulisse des Ortes mit einzubauen, wobei er sich bei der malerischen Wiedergabe an eigenen Fotografien, die er während der Sommermonate aufgenommen hatte, orientierte.

Als Bewahrer und Schilderer pinzgauerisch-alpenländischer Bauweise schuf Schläffer getreue Abbilder vergehender bäuerlicher Architektur in allen Details, die heute aus unserer Landschaft längst verschwunden sind. Dazu zählen – als unverkennbares „Markenzeichen“ einer Schläffer-Krippe – die Bäume. Alt und verwittert handelt es sich dabei um ein Stück Wetterfichte, wozu Xandi Schläffer eine eigene Gegend zwischen Schwalbenwand und Hundstein aufsuchte. Ab September gehörte es zum vertrauten Anblick für die Einheimischen, den Xandi auf dem Fahrrad davon radeln zu sehen, einen Rucksack am Buckel, um sich „seine“ Bäume von den einsamen, verkrüppelten Bergfichten am Rande der Baumgrenze in etwa 2.500 Meter Höhe zu holen.

Gegen die Erhabenheit der Bergwelt steht die Vergänglichkeit alles Menschenwerkes – wir finden es in jedem seiner großen Krippenberge widergespiegelt. Wie kaum ein anderer verstand es Xandi Schläffer, das Ruinöse der orientalischen Krippe durch Elemente wie die oben genannten in die Heimatkrippe umzusetzen und damit eine wesentliche Idee des Krippengedankens auch auf die Heimatkrippe zu übertragen. Denn die Geburt Christi markiert unmissverständlich eine Zeitenwende, bedeutet Aufbruch ins Neue, eine Absage an das Alte. „Alle Ruinen, zerbrochenen Säulen, geborstene Tempel und zerstörten Burgen sind nicht Kennzeichen der Krippenromantik, sondern symbolisieren den Niedergang der antiken, heidnischen Welt und verweisen auf die neue Zeit, die mit Christi Geburt angebrochen ist, der sagt ‚Siehe, ich mache alles neu‘“, formuliert Gerhard Bogner dieses Geschehen.

Genauso wie die Häuser Originalbauten nachgebildet sind und inzwischen wertvollstes Quellenmaterial einst bodenständiger bäuerlicher Architektur darstellen, beinhalten auch die Figuren von Xandi Schläffer interessante Hinweise auf Kleidung und Tracht der heimischen Bevölkerung von einst. Sie bestehen aus einem hölzernen Kernstück, die Gliedmaßen sind aus Draht geformt, Kopf, Hände und Füße aus einer tonartigen Masse, deren Zusammensetzung nur dem Krippenbauer allein bekannt war, modelliert. In Leim getränkter Stoff und etwas Farbe geben den Figuren ihre typische und unverwechselbare Erscheinungsform. Xandi Schläffer bediente sich bei der Bekleidung der Figuren der Technik des Kaschierens, die von Sizilien aus – besonders durch das Werk eines Giovanni Antonio Matera (1653–1718) – ihren Ausgang genommen hat und die Xandi Schläffer von dem in der Stadt Salzburg schaffenden Krippenbauer Theodor Pfitzer übernommen hatte. Neben Theodor Pfitzer gehört Xandi Schläffer zu jenen wenigen Krippenbauern, die diese sizilianische Modelliertechnik in die alpenländische Krippe übertrugen, was ihm letztendlich auch bleibende Berühmtheit eintrug.

Durch seine Krippen ist der Name Xandi Schläffer heute in der ganzen Welt verbreitet. „Schläffer-Krippen“ stehen in den Vereinigten Staaten, in Kanada, Frankreich, England, Italien, Deutschland, ebenso in Indien, wohin eine solche Krippe über den Ankauf durch die Österreichische Botschaft gelangte. Mit einer Krippe von Xandi Schläffer war Österreich bei der Internationalen Krippenschau in Paris 1966, einer Ausstellung in Los Angeles und 1968 bei der Weltausstellung in Mexiko-City anlässlich der Sommerolympiade vertreten. Noch in hohem Alter hatte Xandi Schläffer eine Großkrippe für die Stadt Grimbergen in Belgien (1978) sowie für die Schwesterstadt von Saalfelden, Rödermark bei Frankfurt am Main (1980), geschaffen.

Diese Heimatkrippen mit zumeist gemaltem Prospekt einer Salzburger Landschaft finden ihr städtisches Gegenstück in einer nicht nur für Salzburg, sondern weltweit einzigartigen Schöpfung: der sogenannten „Richard-Mayr-Krippe“ aus dem Jahre 1935. Der aus dem Zillertal gebürtige und später in Graz als Bildhauer wirkende Hans Mauracher (1885–1957) hat hier über Auftrag der Gattin des Hofopernsängers Mayr diesen in seinen berühmtesten Bühnenrollen auf das Christkind zuschreitend dargestellt. Hintergrundkulisse ist Salzburg mit seinen Stadttoren, im Zentrum des Krippenberges stehen die Festung, Salzburgs Festspielhaus, die Felsenreitschule.

Bei der Betrachtung der vielen Gestaltvariationen und ihrer Schöpfer wird einmal mehr deutlich, dass das Thema der Krippe nicht nur darauf spezialisierte Krippenbauer zu begeistern vermag, sondern ebenso namhafte Bildhauer und Künstler – auch wenn diese den verschiedensten Sparten angehören – in Vergangenheit und Gegenwart in ihren Bann gezogen hat beziehungsweise nach wie vor zieht. So hatte sich Carl Storch (1868–1955), der berühmte aus Budapest gebürtige und in Salzburg wirkende Grafiker, zu seiner eigenen Freude eine figurenreiche Krippe geschnitzt und sie ständig erweitert. Schon die Form, die Krippe als „Rundum-Krippe“ zu präsentieren, ist ungewöhnlich. Anstelle des traditionellen Krippenberges setzt er in das Zentrum einen Berg mit Hirten, Schafen und dem „Chronisten“, eine Selbstdarstellung, daran gelehnt in einer Nische der Stadtmauer der Stall mit der Heiligen Familie, die das Kind auf dem Schoß der Mutter darbringt. Ähnlich wie in der Richard-Mayr-Krippe sind die Heiligen Drei Könige wieder symbolisch dargestellt: Es sind Völkerzüge aus Europa, Asien und Afrika, die hier anstelle der herkömmlichen Magier als Römer, Afrikaner und Orientalen mit ihren Hilfsvölkern herbeiströmen. Storchs Humor als ehemaliger Illustrator der „Fliegenden Blätter“ und des „Zwerglkalenders“ spricht aus vielen Figuren, die knorpelig und mitunter etwas derb geschnitzt sind.

Der Vielfalt an Gestaltvariationen steht in Salzburg eine ebensolche Vielfalt an verwendeten Materialien gegenüber. Beredtes Zeugnis davon legen die vermehrt seit dem 20. Jahrhundert von heimischen Künstlern geschaffenen Keramikkrippen ab. Eine ihrer Hauptmeister ist Luise Spannring (1894–1982). Während sich Vater Hubert Spannring (1862–1930) hoher Wertschätzung im restauratorischen Umgang mit „in alter Tradition Geschaffenem“ (Krippenberg für die Domkrippe, Salzburg, 1925) erfreute, wurde Tochter Luise Spannring bereits in ihren Frühwerken als „Krippenkünstlerin der Moderne“ in Salzburg gefeiert. Bei der großen Krippenschau 1924 im Carabinierisaal der Residenz führte Luise Spannring die Liste der Vertreter der „Modernen Krippe“ an, in der auch Namen wie jener des Keramikers Leo Miller in Radstadt oder des „tüchtigen Krippenkünstlers Jakob Adlhart aus Hallein mit hochmodernen, aber prächtigen Dreikönigen“ Erwähnung fanden.

Neben großen Repräsentationskrippen – in der Sammlung des Salzburg Museum ist sie u. a. mit der „Lebensbaum-Krippe“, einer Simultankrippe (1955), sowie einer großen Weihnachtskrippe (1925) vertreten – ist es das große Verdienst von Luise Spannring, mit einer Unmenge kleiner Kastenkrippen, die sie im Laufe der Zeit für viele Salzburger geschaffen hatte, der Krippe erneut Eingang in den häuslichen Bereich verschafft zu haben, auch wenn die Wohnungen noch so klein konzipiert sein mochten. Ob im Großformat oder winzig klein gefertigt, scheint jede der Figuren von Luise Spannring beseelt zu sein, sind ihre Krippenberge von einer Fülle liebevoller Details aus dem Pflanzen- und Tierreich durchdrungen oder bergen individuelle Bezüge zu den Personen, für die sie die Krippen anfertigte. Besonders in ihren großen Figurengruppen (Heilige Drei Könige mit Elefant und Pagen), die schon Meisterwerke der Kleinbildhauerkunst darstellen, zeigt sich ihr wahres Können. Sie sind sichtbarer Beweis dafür, dass Luise Spannring es verstand, das Schaugepränge barocken Krippenempfindens nicht nur in ihre Schöpfungen aufzunehmen, sondern mit unserem modernen Empfinden zu verbinden, noch dazu in einem Material wie Ton, das zunächst einmal wenig Gemeinsames mit den gekleideten Gliederpuppen des Barock aufweist. Doch als Meisterin im Umgang mit den farbigen Schmelzglasuren, die sie zeit ihres Lebens vielfach erprobte, erreichte Luise Spannring als eine der wenigen auch hierin eine gültige Umsetzung.

Im Jahre 1999 hat sich der Landesverband Salzburg innerhalb des Verbandes der Krippenfreunde Österreichs unter Obmann Günther Hopfgartner neu konstituiert und seither mit zahlreichen Aktivitäten rund um das heimische Krippenwesen auf sich aufmerksam gemacht. Unter anderem wurde die von Prof. Bernhard Prähauser aus Hallein 1968 im Auftrag der Salzburger Krippenfreunde geschaffene Stadtkrippe generalsaniert. Für alle diejenigen, die Interesse am aktiven Krippenbauen beziehungsweise Krippenwesen haben, besteht die Möglichkeit, den bisher in Grödig, Kuchl, Lofer und Uttendorf im Pinzgau neu gegründeten Ortsvereinen beizutreten. Ihre Zahl erhöhte sich 2001 um zwei weitere Neugründungen von Ortsvereinen in Großgmain und Saalfelden. Mit der Gründung der Krippenbauschule Salzburg konnte ein weiterer Markstein auf dem Weg zu einer erfolgreichen Wiederbelebung der Krippe gelegt werden. Am 20. April 2001 begann der erste Kurs der Krippenbauschule in den Werkräumen des Ortsvereines Grödig. Unter der Leitung von Bertl Beran und Mithilfe von Karl Spilka absolvierten elf Krippenfreunde aus den Ortsvereinen Grödig, Großgmain, Kuchl und Lofer erfolgreich den Kurs. In einer ersten großen Ausstellung werden die in den Ortsvereinen bisher entstandenen Krippen im Rahmen der Weihnachtsausstellung des Salzburger Museums Carolino Augusteum 2002/2003 erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Literatur

[Berliner 1955] Berliner, Rudolf: Die Weihnachtskrippe. München 1955.

[Bogner 1981] Bogner, Gerhard: Das große Krippen-Lexikon. Geschichte, Symbolik, Glaube. München 1981.

[Grieshofer 1987] Grieshofer, Franz (Hg.): Krippen. Geschichte, Museen, Krippenfreunde. Innsbruck 1987.

[Martin 1922] Martin, Franz: Zur Geschichte der Weihnachtskrippe in Salzburg. In: Die Weihnachtskrippe Nr. 12, Jg. 6 (1922), S. 2–3.

[Martin 1924] Martin, Franz: Neue Beiträge zur Geschichte der Weihnachtskrippe. In: Die Weihnachtskrippe Nr. 14, Jg. 8 (1924), S. 6.

[Prodinger 1966] Prodinger, Friederike: Die Weihnachtskrippe in Salzburg. In: Grass, Nikolaus (Hg.): Weihnachtskrippen aus Österreich. Innsbruck 1966, S.

[Svoboda/Hutter 1985] Svoboda, Christa; Hutter, Ernestine: Die Krippensammlung des Salzburger Museums und Abwehrzauber und Gottvertrauen – Kleinodien Salzburger Volksfrömmigkeit. Katalog zur Weihnachtsausstellung 1985/86. Salzburg 1985 (Jahresschrift SMCA 31.1985).

[Kunstwerk des Monats] Das Kunstwerk des Monats. Monatsblätter des Salzburger Museums CA/Salzburg Museum. Salzburg.



[1106] Kurzfassung von Andrea Bleyer.

[1107] [Adrian 1924], S. 37–43.

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